Warendorf - Normalerweise stehen im NRW-Landgestüt die Pferde im Mittelpunkt. Am Sonntagabend gehörte die große Bühne allerdings rund 900 Sängerinnen und Sängern – und die brauchten weder Notenkenntnisse noch eine besondere Gesangsausbildung. Beim ersten Rudelsingen in Warendorf zählte vor allem eines: die Freude daran, gemeinsam aus voller Kehle die großen Hits und Evergreens der vergangenen Jahrzehnte zu singen.
Dass diese Premiere ein besonderer Abend werden könnte, zeichnete sich bereits vor Beginn ab. Trotz zahlreicher Veranstaltungen in Warendorf und im Umland bildete sich am Paradeplatz eine lange Schlange an der Kasse. Am Ende strömten rund 900 Besucherinnen und Besucher auf das historische Gelände des Landgestüts.
Und die sollten ihr Kommen nicht bereuen.
Von der Reeperbahn bis nach New York
David Rauterberg und Philip Ritter hatten zum ersten Warendorfer Rudelsingen eingeladen und nahmen ihr Publikum mit auf eine musikalische Reise quer durch Jahrzehnte und Genres. Von der Reeperbahn ging es bis nach New York, von deutschsprachigen Klassikern zu internationalen Evergreens.
Dabei war schnell klar: An diesem Abend waren nicht nur die beiden Musiker auf der Bühne gefragt. Der eigentliche Star war das Publikum.
Die Spielregeln erklärte das Duo gleich zu Beginn: „Gesungen wird im Stehen, geschwatzt wird nicht.“ Ansonsten galt vor allem eines: einfach mitsingen.
Eine Aufforderung, die sich die Warendorfer nicht zweimal sagen ließen. Schon nach kurzer Zeit entwickelte sich aus den vielen einzelnen Stimmen ein gewaltiger Chor.
„Die Resonanz ist sehr gut und alle Teilnehmer haben richtig Bock“, freute sich Christian Schäfer vom Münsteraner Veranstalter La Faim. Für ihn stand angesichts der großen Resonanz bereits an diesem Abend fest: „Wir sind nicht das letzte Mal hier in Warendorf.“
Aus einem „mutigen“ Vorhaben wird ein voller Erfolg
Dabei war der Erfolg keineswegs selbstverständlich. Sänger David Rauterberg erinnerte sich noch gut daran, wie er das Landgestüt im vergangenen Jahr erstmals als möglichen Veranstaltungsort besichtigte. Ohne aufgebaute Tribüne und bei typischem Schmuddelwetter habe er die Idee, hier ein großes Open-Air-Rudelsingen zu veranstalten, durchaus als „mutig“ empfunden.
Der Mut wurde belohnt. Bei bestem Sommerwetter zeigte sich der Paradeplatz am Sonntagabend von seiner schönsten Seite – und bot eine eindrucksvolle Kulisse für die Premiere.
Rauterberg und Ritter brauchten nicht lange, um ihr Publikum in Bewegung und vor allem zum Singen zu bringen. Selbst diejenigen, die vielleicht noch etwas zurückhaltend in den Abend gestartet waren, ließen sich schnell mitreißen.
Mit einem Augenzwinkern verwies Rauterberg auf mittlerweile 15 Jahre Rudelsingen-Erfahrung. Bislang habe man noch jeden dazu gebracht, irgendwann auch die Klassiker mitzuschmettern, die vielleicht nicht unbedingt auf der persönlichen Lieblingsliste stehen.
Bei den großen Hits gibt es kein Halten mehr
Spätestens bei „Love Is in the Air“ von John Paul Young, Udo Jürgens' „Ich war noch niemals in New York“ oder dem Tote-Hosen-Klassiker „An Tagen wie diesen“ gab es auf dem Paradeplatz endgültig kein Halten mehr.
Hunderte Stimmen sangen gemeinsam, die Begeisterung war überall zu spüren und aus einem Konzert wurde ein echtes Gemeinschaftserlebnis.
Auch Jürgen Rüsel aus Warendorf war begeistert. Gemeinsam mit einer achtköpfigen Gruppe war er zum Landgestüt gekommen. „Gute Stimmung hier, wir sind absolut zuversichtlich“, schwärmte er. „Das ist eine wunderbare und dankbare Geschichte, auf die wir uns schon die ganze Woche gefreut haben.“
Damit brachte er wohl auf den Punkt, was viele der rund 900 Besucher an diesem Abend empfanden.
Denn beim Rudelsingen geht es nicht darum, jeden Ton perfekt zu treffen. Es geht um die Freude an der Musik, bekannte Lieder, Erinnerungen – und vor allem um das besondere Gefühl, wenn aus Hunderten Menschen plötzlich ein gemeinsamer Chor wird.
Warendorf hat Lust auf eine Zugabe
Die erste Ausgabe des Rudelsingens im NRW-Landgestüt darf damit als voller Erfolg verbucht werden. Die historische Kulisse, bestes Wetter, zwei bestens aufgelegte Musiker und vor allem ein Publikum mit großer Lust am gemeinsamen Singen sorgten für einen besonderen Sonntagabend.
Und wenn es nach Veranstalter und Publikum geht, dürfte es nicht bei dieser einen musikalischen Reise von der Reeperbahn bis nach New York bleiben.
Nach rund 900 begeisterten Stimmen dürfte die Antwort auf die Frage nach einer Wiederholung jedenfalls unüberhörbar sein: Zugabe!

































