Telgter Kutschenwallfahrt fand letztmalig statt
Abschied von einer liebgewonnenen Tradition
Telgte – Noch einmal erfüllte das rhythmische Klappern der Hufe die historische Altstadt von Telgte. Noch einmal zogen prachtvoll geschmückte Pferdegespanne durch die engen Gassen der Emsstadt und versetzten tausende Besucherinnen und Besucher in eine Zeit voller Nostalgie und Münsterländer Tradition. Doch gleichzeitig lag über der 37. Kutschenwallfahrt am Himmelfahrtstag auch ein Hauch von Wehmut – denn nach fast vier Jahrzehnten verabschiedete sich eine der beliebtesten Veranstaltungen der Region für immer.
Seit ihrer Premiere im Jahr 1988 anlässlich des 750-jährigen Stadtjubiläums gehörte die Kutschenwallfahrt fest zum Veranstaltungskalender von Telgte. Jahr für Jahr lockte sie zahlreiche Pferdefreunde, Familien und Gäste aus der gesamten Region in die Innenstadt. Nun endet diese besondere Tradition schweren Herzens. Der Reit- und Fahrverein Gustav Rau Westbevern als Hauptorganisator hatte gemeinsam mit der Kirchengemeinde St. Marien sowie Tourismus + Kultur der Stadt Telgte entschieden, die Veranstaltung nicht weiterzuführen. Hintergrund sind vor allem die seit Jahren rückläufigen Anmeldungen der Kutschenfahrerinnen und Kutschenfahrer.
Zum großen Finale zeigte sich die Veranstaltung jedoch noch einmal von ihrer schönsten Seite. Trotz leichtem Regen und wechselhaftem Himmel strömten hunderte Besucher auf die Planwiese und in die Altstadt, um die letzten Momente dieser traditionsreichen Wallfahrt mitzuerleben. Rund 40 festlich geschmückte Gespanne aus dem Münsterland und dem Sauerland nahmen teil und boten ein beeindruckendes Bild.
Ob elegante Landauer, klassische Wagonetten, Gigs, Federwagen oder historische Münsterländer Jagdwagen – die Vielfalt der Kutschen faszinierte die Zuschauer entlang der Strecke. Besonders viele bewundernde Blicke zogen auch die Pferde auf sich: Friesen, Haflinger, Fjordpferde, Isländer und sogar Mini-Pferde sorgten für Begeisterung bei Groß und Klein.
Den feierlichen Auftakt bildete traditionell die Wallfahrtsmesse unter freiem Himmel. Im Anschluss stärkten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer für den emotionalen Höhepunkt des Tages – den großen Kutschenkorso durch die historische Altstadt. Ab 14.30 Uhr rollten die prachtvollen Gespanne ein letztes Mal durch Telgte und sorgten für eine einzigartige Atmosphäre zwischen Tradition, Pferdeliebe und Gemeinschaftsgefühl.
Viele Besucher nutzten die Gelegenheit, noch einmal Fotos zu machen, Erinnerungen festzuhalten und sich von einer Veranstaltung zu verabschieden, die über Jahrzehnte Generationen begeistert hatte. Mit dem Ende der Kutschenwallfahrt verliert Telgte nicht nur ein touristisches Highlight, sondern auch ein Stück gelebter regionaler Kulturgeschichte.
Direkt im Anschluss startete in diesem Jahr erstmals das mehrtägige Weinfest im Dümmert-Park und leitete damit symbolisch eine neue Veranstaltungsära in Telgte ein. Doch die Bilder der letzten Kutschenwallfahrt werden vielen Besuchern sicherlich noch lange in Erinnerung bleiben.













