Warendorf - Bei der Bürgerstiftung Warendorf stehen die Zeichen auf Veränderung – personell ebenso wie bei den kommenden Projekten. Nach 16 Jahren endet die Amtszeit von Hermann Josef Vinke als Vorsitzender des Kuratoriums. Der seit Gründung der Stiftung im Jahr 2010 amtierende Vorsitzende scheidet mit Erreichen der Altersgrenze aus. Seine Nachfolge übernimmt Klaus Ortmann, der ebenfalls seit 16 Jahren dem Kuratorium angehört.
Doch der Wechsel an der Spitze ist nur eine der Neuigkeiten. Die Bürgerstiftung hat sich für die kommenden Monate und Jahre einiges vorgenommen. Besonders ein Projekt, das eigentlich schon zu den Akten gelegt schien, soll eine neue Chance bekommen: die Fontäne im Warendorfer Emssee.
Bürgerstiftung startet neuen Anlauf für Fontäne im Emssee
Bereits 2024 war die Idee einer Fontäne nicht von den zuständigen Behörden unterstützt worden. Nach Angaben der Bürgerstiftung gab es Bedenken beziehungsweise eine Ablehnung durch die Bezirksregierung; nach den ergänzenden Informationen aus dem Gespräch spielte dabei auch das Kreisgesundheitsamt eine Rolle. Für die Bürgerstiftung ist das Thema damit jedoch keineswegs erledigt.

Sie möchte einen neuen Anlauf für die Wasserfontäne unternehmen und prüfen, ob und unter welchen Voraussetzungen das Projekt doch noch verwirklicht werden kann. Die Fontäne soll den Emssee optisch aufwerten und einen zusätzlichen Akzent im Bereich des Emsparks setzen. In ihrer aktuellen Projektplanung führt die Bürgerstiftung die „Wiederaufnahme des Projektes Fontäne im Emssee“ ausdrücklich als eines ihrer Vorhaben auf.
Damit macht die Stiftung zugleich deutlich, wie sie ihre Rolle versteht. „Bürgerstiftungen sind keine Erfüllungsgehilfen von Städten und Gemeinden“, lautet eine der Botschaften aus dem Gespräch. Vielmehr wolle man eigene Ideen entwickeln, Impulse setzen und Projekte auch dann weiterverfolgen, wenn deren Umsetzung zunächst schwierig erscheint.
Zweiter Baum für das Warendorfer Rathaus
Sehr konkret ist bereits ein weiteres Projekt: Vor dem historischen Rathaus soll künftig ein zweiter Baum das Gesamtbild abrunden. Während die Stadt auf einer Seite des Rathauseingangs einen Baum pflanzen wird, möchte die Bürgerstiftung das Pendant auf der gegenüberliegenden Seite finanzieren. So soll der Eingangsbereich des Rathauses künftig von zwei Bäumen eingerahmt werden. Nach den derzeitigen Planungen soll der von der Bürgerstiftung finanzierte Baum in den Wochen nach dem Fettmarkt gepflanzt werden.
Auch darüber hinaus richtet sich der Blick auf das Warendorfer Stadtbild. Im Zuge des Emsdurchstichs im Emspark möchte die Stiftung ein Industriedenkmal schaffen. Vorgesehen ist eine Statue, die an historische Entwicklungen erinnern und zugleich die prägende Textilwirtschaft Warendorfs würdigen soll. Auch dieses Vorhaben gehört zur offiziellen Projektplanung der Stiftung.
Eine weitere Idee könnte aus einem bislang eher unscheinbaren Ort in der Innenstadt eine kleine Attraktion machen: der Marktbrunnen. Nach dem Vorbild des bekannten „Bremer Lochs“, das durch eingeworfene Münzen Geld für soziale Zwecke sammelt, könnte daraus gewissermaßen ein „Warendorfer Loch“ werden. Die Einnahmen sollen sozialen Projekten zugutekommen.
1.700 historische Ansichten sollen digital lebendig werden
Geschichte und moderne Technik sollen bei einem weiteren Vorhaben zusammenfinden. Rund 1.700 historische Warendorfer Ansichtskarten sollen digital aufbereitet und öffentlich zugänglich gemacht werden. Grundlage ist die umfangreiche Sammlung von Hans Rennemeier. Mithilfe künstlicher Intelligenz sollen historische Motive teilweise sogar animiert werden und damit einen neuen Blick auf das Warendorf vergangener Zeiten ermöglichen.
Auch Warendorfs Kunstszene beschäftigt die Bürgerstiftung. Nach Einschätzung der Verantwortlichen verfügt Warendorf – gemessen an seiner Größe – über eine außergewöhnlich hohe Künstlerdichte. Daraus entstand die Idee eines Künstlerhauses als zentraler Anlaufstelle für Künstlerinnen und Künstler sowie Kunstinteressierte.
20 Projekte allein im vergangenen Jahr
Wie stark das Aufgabenspektrum der Bürgerstiftung inzwischen gewachsen ist, zeigen die Zahlen für 2025. Insgesamt wurden 20 eigene beziehungsweise an die Stiftung herangetragene Projekte umgesetzt. Dafür wurden rund 25.000 Euro aufgewendet. Gleichzeitig werden die Vorhaben nach Einschätzung der Verantwortlichen anspruchsvoller und umfangreicher.
Und genau darin liegt eine der großen Herausforderungen für den neuen Kuratoriumsvorsitzenden Klaus Ortmann und seine Mitstreiter: Die Bürgerstiftung braucht zusätzliche Unterstützung.
Der Vorstand besteht derzeit aus vier Personen, hinzu kommen sieben Mitglieder in den Fachausschüssen und rund 25 sogenannte Zeitstifter. Doch mit den wachsenden Aufgaben steigt auch der Personalbedarf. Dabei müsse sich niemand gleich für ein Amt im Vorstand verpflichten, betont Ortmann. Auch als „Zeitstifter“ könne man sich einbringen und die Stiftung bei einzelnen Aktionen oder Projekten unterstützen.
Sinngemäß beschreiben die Verantwortlichen die Entwicklung so: Mit jedem Projekt sammle die Bürgerstiftung neue Erfahrungen und traue sich dadurch an größere Aufgaben heran. Genau diese größeren Projekte benötigten allerdings auch mehr Menschen, die bereit seien, einen Teil ihrer Zeit für Warendorf einzusetzen.
Abschied nach 16 Jahren – und gleichzeitig ein Aufbruch
Mit dem Ausscheiden von Hermann Josef Vinke geht für die Bürgerstiftung eine Ära zu Ende. Seit der Gründung 2010 stand er dem Kuratorium vor. Nun übernimmt mit Klaus Ortmann ein Mann den Vorsitz, der die Entwicklung der Stiftung ebenfalls von Beginn an begleitet hat. Das Kuratorium zählt nach dem Wechsel aktuell fünf Mitglieder.
Ein völliger Neustart ist der Wechsel damit nicht – vielmehr soll Bewährtes fortgeführt und gleichzeitig Raum für neue Ideen geschaffen werden.
Und davon gibt es reichlich: Fontäne im Emssee, zweiter Baum am Rathaus, Industriedenkmal, historische Ansichtskarten, Künstlerhaus und vielleicht sogar ein „Warendorfer Loch“. Die Bürgerstiftung hat sich für die kommenden Jahre viel vorgenommen. Dafür braucht sie allerdings nicht nur Ideen und finanzielle Mittel, sondern vor allem Menschen, die bereit sind, diese Projekte gemeinsam Wirklichkeit werden zu lassen.













