16. Februar 2024 / Allgemein

„Das größte Problem: Genügend Stühle!“

Warendorfer Köpfe spielen vor ausverkauftem Haus

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„Das größte Problem: Genügend Stühle!“

Warendorfer Köpfe spielen vor ausverkauftem Haus

Die Warendorfer Köpfe haben zum sechsten Mal ins Hotel „Im Engel“ geladen, um ihren Gästen interessante Persönlichkeiten aus der Emsstadt vorzustellen. Dafür gehört der Tag nach Aschermittwoch inzwischen zu den festen Terminen im Kalender der Veranstalter um Gastgeber Gerd Leve. Der Hotelier führte wie immer gemeinsam mit Christoph Hess und Reinhard Hesse durch den Abend, flankiert von den beiden Powerfrauen Mareike Ballantine und Ina Atig. Als Gäste hatten sie sich wieder vier grundverschiedene Persönlichkeiten eingeladen, die eins eint – ihr Bezug zu Warendorf.

Die 240 Stühle im Hotel Im Engel waren bis auf den letzten Platz besetzt, als Christoph Hess die sechste Runde der Talkshow „Warendorfer Köpfe“ eröffnete. Inzwischen sei das Format so erfolgreich, dass es in der Stadt Radolfzell Nachahmer gebe. Man sei in Warendorf inzwischen so bekannt, dass man die Plakate zerrissen habe - die Veranstaltung war schon kurz nach der ersten Pressekonferenz ausverkauft. Hess stellte wieder illustre Gäste vor: So kurz nach Karneval lag es nahe, den aktuellen Präsidenten der Warendorfer Karnevalsgesellschaft, Hermann-Josef Schulze-Zumloh, zum Gespräch zu bitten. Die 45-jährige Iris Elkmann hat sich schon als junges Mädchen für den Triathlon begeistert und konsequent auf die größte sportliche Herausforderung für Triathleten hingearbeitet – den Iron Man auf Hawaii. Sie sollte von ihrer Teilnahme im vergangenen Jahr berichten. 

Christoph Hess, als Ausbildungsbotschafter der Deutschen Reiterlichen Vereinigung FN, freute sich insbesondere auf den jungen Profi-Springreiter Christian Kukuk. 

Den Anfang aber machte Gertraud Horstmann. Im Gespräch mit Gerd Leve berichtete sie über ihre Jugend in den fünfziger und sechziger Jahren in Warendorf, wo sie als uneheliche Tochter einer Finanzbeamtin aufwuchs. Das sei in der weiterführenden Schule schwierig gewesen, „in diesem damals doch sehr spießigen Warendorf.“ Aber auch, nachdem sie mit ihrem Mann nach Münster gezogen ist, habe sie den Kontakt nach Warendorf nie verloren. Die energische und humorvolle Dame berichtete von ihrer Zeit als Mutter von vier Söhnen und davon, wie sie wieder nach Warendorf zurückkam, diesmal als jemand, der sich für die Erhaltung eines einmaligen Baudenkmals in der Stadt stark gemacht hat. Das ehemalige Franziskanerkloster sollte im Jahr 2007 verkauft werden, und der Freckenhorster Architekt Preckel hatte sie und ihren Mann angesprochen. Ob es nicht toll wäre, das Gebäude zu erwerben? „Kompletter Blödsinn, ein Kloster mit einer eigenen Kirche zu kaufen!“ sei ihr erster Gedanke gewesen, aber je länger sie darüber nachgedacht habe, desto mehr gefiel ihr die Idee. „Mein Mann meinte immer, Investitionen sollten auch Spaß machen. Und das Kloster machte Spaß, also haben wir es gekauft!“ Und zu einem Wohnquartier mit 60 Wohneinheiten und Platz für rund 100 Bewohner ausgebaut. Inzwischen ist auch eine Tagespflege mit 12 Betten dort eingezogen und ein „Juwel für die Stadt Warendorf“, das Westpreussische Museum! „Anfangs hatten wir sehr viel Gegenwind, besonders von den `Altstadtfreunden´. Die waren schockiert darüber, dass da irgendwer kam und das Kloster kaufte. Aber nachdem die ersten Bewohner eingezogen waren, kam langsam positives Feedback!“ Die Kirche mit Leben zu füllen sei eines ihrer größten Anliegen. Sie sei ein wunderschöner Veranstaltungsort. Dafür wünsche sie sich mehr Interesse von Seiten der Stadt Warendorf. Und das Interesse der Warendorfer für das Museum sei auch noch ausbaufähig. An Warendorf gefalle ihr die Altstadt, mit der man viel mehr werben könne. Und dass es hier insgesamt sehr friedlich und sicher sei: „Warendorf ist ein wunderbarer Ort, um Kinder großzuziehen. Ich freue mich, dass meine Enkel hier aufwachsen!“

Christian Kukuk wurde von Christoph Hess interviewt. Als Enkel eines der bekanntesten Reitausbilder Warendorfs, mit Eltern, die ihr ganzes Leben lang bis zur schwersten Klasse erfolgreich geritten sind, hatte Christian schon in jüngsten Jahren den sprichwörtlichen Hufnagel im Kopf. Dennoch hat seine sportliche Karriere erst als Fußballer begonnen - in der WSU. Bayern-Fan ist er heute noch. „Als ich das letzte Spiel gesehen habe, dachte ich: `Mist, hättest Du mal weiter Fußball gespielt! Dann wäre das Spiel für die Bayern nicht so schlecht ausgegangen!´“ Zum Glück für den deutschen Profi-Springsport tauschte Christian die Fußballschuhe aber schnell gegen die Reitstiefel.  Seine sportlichen Meriten machten bald die Profis auf ihn aufmerksam: Ausgerechnet der größte lebende Springreiter aller Zeiten, Ludger Beerbaum, holte ihn zu sich nach Riesenbeck! Heute ist Christian Kukuk Vize-Mannschaftseuropameister, hat bei den olympischen Spielen in Tokio die deutschen Farben vertreten und hat in der vergangenen Woche in Abu Dhabi gegen die zehn besten Reitnationen der Welt die erste von vier Wertungsprüfungen in der „League of Nations“ gewonnen. Außerdem ist er mit drei Pferden auf der Longlist für die olympischen Reiterspiele in Paris nominiert. Die für diesen Sport notwendige Härte habe er von seinem Vater gelernt, der selbst seinen Reitsport mit eiserner Disziplin verfolgt habe. Überhaupt sei die Unterstützung durch seine Familie und seine Freunde maßgeblich für seinen heutigen Erfolg verantwortlich: „Einen besseren familiären Rückhalt kann man sich nicht wünschen!“ Mit Warendorf verbindet er schöne Erinnerungen an seine Kindheit und Jugend, sagt Christian Kukuk: „Ich habe mich in Warendorf immer sicher gefühlt.“

Iris Elkmann erstaunte das Publikum durch die fröhliche Art, mit der sie von dem härtesten Wettbewerb berichtete, den eine Triathletin nur bestreiten kann: Die 45-jährige hatte sich als Amateurin für den Ironman auf Hawaii qualifiziert und war im vergangenen Oktober dort an den Start gegangen. Ihr Gesprächspartner Reinhard Hesse zeigte sich fassungslos angesichts der 3,8 km Schwimmen, 180 km Radfahren und 42,195 km Laufen, die in dieser Königsklasse unter den weltweiten Triathlonwettbewerben zu bestreiten sind. Die Warendorferin hatte diese gewaltige Leistung in 11 Stunden und 38 Minuten absolviert, was im Engel mit tosendem Applaus quittiert wurde. Reinhard Hesse wollte wissen, woran man so denkt, wenn man bei über 30 Grad und erheblicher Luftfeuchtigkeit solche langen Strecken bewältigt. „Man konzentriert sich auf kleine Etappenziele, denkt daran, dass man ausreichend trinkt und sich immer wieder abkühlt. An den Stationen entlang der Strecken bekommt man immer wieder Eiswürfel, die man sich in seine Kappe tut und mit denen man den Kopf abkühlt. Dann geht der Tag so rum.“ Einen kühlen Kopf bewahrt Iris auch beim Training. Einen professionellen Coach habe sie als Amateurin nicht, sie habe etwas Besseres: „Mein Mann! Mit dem teile ich die Leidenschaft für diesen Sport, und das ist besser als ein Trainer. Ich habe meinen Personal Trainer!“ Durchzuhalten, widerstandsfähig zu sein oder zu werden, das ist denn auch ein berufliches Thema von Iris Elkmann. Als Sportlehrerin am Berufskolleg Beckum beschäftigt sie sich mit der sogenannten Resilienzforschung. Dieser Zweig der Wissenschaft ist ausgerechnet in Hawaii entstanden, wo man Kinder aus schwierigen Verhältnissen daraufhin untersucht habe, wie sie in ihren Lebensumständen bestehen. Es seien gerade dieseSchwierigkeiten, die sie widerstandsfähig gemacht haben. Daraus könne man ableiten, dass eine positive Grundhaltung und die Freude über kleine Erfolge Menschen widerstandsfähiger und damit erfolgreicher machen können. „Hier schließt sich wieder der Kreis zum Sport und zum Triathlon.“

Hermann-Josef Schulze Zumloh berichtete Christoph Hess zum Abschluss des Abends davon, wie man den Beruf des Landwirts, das Ehrenamt im Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverband, politische Arbeit und die Rolle des Prinz Karneval unter einen Hut bekommt. „Ich sag mal so: Meine Frau hat mich nicht in dieses Amt gedrängt!“ gab der heutige Präsident der Warendorfer Karnevalsgesellschaft zu. Aber die Prinzenrolle habe ihm viel Spaß gemacht. Viel Spaß macht ihm auch seine Arbeit mit Kindern auf dem Bauernhof: „Viele Kinder und auch ihre Eltern wissen ja heute gar nicht mehr, dass Hühner ohne Hahn Eier legen aber Kühe ohne Kälber keine Milch geben!“ Der leidenschaftliche Milchbauer aus Neuwarendorf lädt deshalb regelmäßig Schulklassen auf seinen Hof ein, um ihnen einen Einblick in die Landwirtschaft zu geben. „Natürlich ohne Eltern, ist klar!“ Auch politisch ist Hermann-Josef sehr aktiv gewesen. Den Wahlkampfauftakt für die CDU im Kreis haben sowohl Peter Altmaier als auch Norbert Röttgen auf seinem Bauernhof gefeiert: „Also alle, die was werden wollten, mussten vorher erst nach uns hin!“ Seine Frau Gerda sei bei alledem unverzichtbar, versicherte Schulze-Zumloh und winkte seiner Gattin liebevoll zu: „Ich habe mich in meinem Leben nur zweimal beworben! Einmal bei meiner Frau und einmal beim Corps der ehemaligen Tollitäten!“ Als Christoph Hess ihn fragt, was er sich denn von der Stadt Warendorf wünsche, grinst Schulze-Zumloh: „Du willst, dass ich jetzt sage, wir brauchen eine Stadthalle, oder?!“ Aber das sei keine Option. Die Bürger von Warendorf seien jetzt in einer kritischen Phase: „Im Moment sind die Wünsche größer als das Portemonnaie!“ Man müsse sich gut überlegen, was man sich leisten kann – und was nicht. Die Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie „damit die Fische in der Ems sich besser kennenlernen“ gehört für den Landwirtschaftsmeister nicht dazu: „Da wollen die 10 Millionen investieren. Da haben wir doch wirklich andere Probleme!“

Die nächste Talkrunde der Warendorfer Köpfe findet am 24. Oktober statt. Der Vorverkauf der Karten beginnt schon heute in der Buchhandlung Ebbeke. 

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