11. Januar 2026 / Allgemein

„Demokratie hat keine Pausetaste“

Neujahrsempfang der Stadt Warendorf wirbt für Ehrenamt und politisches Engagement

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„Demokratie hat keine Pausetaste“

Neujahrsempfang der Stadt Warendorf wirbt für Ehrenamt und politisches Engagement

Eine unpolitische Neujahrsansprache sollte es werden, versprach Warendorfs Bürgermeister Peter Horstmann zum Auftakt des Neujahrsempfangs der Stadt Warendorf. Vor den vollbesetzten Rängen des Theaters am Wall verlegte er sich stattdessen launig und von reichlich Applaus begleitet auf ein Ranking der zehn beliebtesten Neujahrsvorsätze der Deutschen. Immer wieder schaffte er es aber, doch den Bogen zu schlagen von einem allgemeinen guten Vorsatz auf die konkrete Situation in der Stadt.

Den Vorsatz, mehr Sport zu treiben, nutzte Peter Horstmann dazu, auf die zahlreichen neuen Fahrradwege hinzuweisen, die im vergangenen Jahr gebaut worden waren. Zudem gebe es in Warendorf reichlich Möglichkeiten, sich mehr zu bewegen und Sport zu treiben. Hier führte Horstmann die unzähligen sportlichen Aktivitäten an, die der Stadtsportverband anbietet. Er vergaß auch nicht, sich in diesem Zusammenhang bei den vielen Ehrenamtlern zu bedanken, die dieses sportliche Angebot ermöglichen. Das Thema „Ehrenamt“ zog sich ohnehin wie ein roter Faden durch die gesamte Veranstaltung.

Beim Vorsatz abzunehmen und gesünder zu essen, schlug er den wirtschaftspolitischen Bogen zur Warendorfer Gastronomie und ermahnte das Publikum, regional zu essen und regional einzukaufen, zum Beispiel in den Hofläden und auf den Wochenmärkten in und um die Stadt. Gleichzeitig wies er darauf hin, dass es an jedem Einzelnen liege, wie sich die Innenstadt entwickelt – ein Hinweis, den lokalen Einzelhandel und damit die lokale Wirtschaft zu stärken. 

Ebenfalls nicht ganz unpolitisch war sein Hinweis auf den Stromausfall in Berlin, den er mit einem Dank an Rettungsdienste und Feuerwehren im Warendorfer Stadtgebiet verband, und mit der Bitte an die Bürger, die Hilfskräfte durch eine vernünftige Selbstvorsorge so weit wie möglich zu entlasten. Peter Horstmann wies darauf hin, dass im neuen Jahr in Kooperation zwischen VHS und der Stadt Menschen in der Selbstvorsorge für den Katastrophenfall ausgebildet würden. 

Als der Bürgermeister dann auch den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Krankenhauses dankte und dem neuen Betreiber Ameos viel Glück für die Zukunft wünschte, wurde Horstmann dann doch eindeutig politisch: Die Stadt werde die gerichtliche Auseinandersetzung um die Versorgungskasse auch im Jahr 2026 noch beschäftigen. Er selbst begrüße allerdings die einstimmige Entscheidung des Rates, die Verpflichtungserklärung nicht zu erneuern und sich damit zum Wohle der Stadt den finanziellen Risiken dieser Entscheidung zu stellen.

Der Neujahrsvorsatz der Menschen, weniger Geld auszugeben und mehr Geld auf die Seite zu legen nahm Horstmann dann zum Anlass, auf die angespannte Haushaltssituation der Stadt einzugehen. Die Haushaltskonsolidierung wäre auch für die Stadt der Top-Vorsatz für dieses Jahr! 

Mit drei weiteren Vorsätzen schaffte Peter Horstmann die Überleitung zu einem weiteren Programmpunkt des Neujahrsempfangs: Er forderte die Menschen auf, sich mehr zu engagieren, besonders im Ehrenamt. Darüber hinaus müsse man Haltung zeigen. Hier erinnerte der Bürgermeister an die dunkle Zeit der Judenverfolgung im dritten Reich und daran, dass in Warendorf Menschen wie Heinrich Baggeroer und Hugo Spiegel durch ihr Handeln Haltung gezeigt und der Willkür Mut und einen moralischen Kompass entgegengehalten haben. Und schließlich forderte der Bürgermeister die Bürger dazu auf, politisch zu werden – die inhaltliche Verbindung zu einer Talkrunde, die als neues Format diesen Neujahrsempfang abrunden sollte: Vertreter aller Ratsfraktionen sollten ihre Motivation erläutern, warum sie sich ehrenamtlich in der Kommunalpolitik engagieren. Mit dabei waren Frederik Büscher von der CDU, Andrea Kleene-Reschke von der SPD, Jessica Wessels von den Grünen und Dr. Beate Janninhoff von der FDP. Die Linken waren vertreten durch Javier Garcia und die FWG durch André Wenning. Immer wieder versuchte Pressesprecher Markus Bußmann als Moderator, dem Podium zu entlocken, wie man denn Menschen dazu bringen könnte, ehrenamtlich politisch zu arbeiten. Die Gäste im Theater am Wall konnten indes wenig Erkenntnisse dazu gewinnen, außer, dass es Spaß mache und eine „Bereicherung“ sei. Es sei zwar keine besondere Qualifikation dafür notwendig, ein politisches Amt wäre aber trotzdem mit viel Arbeit verbunden. Der deutlichste Aufruf zum politischen Engagement kam allein von Jessica Wessels: Demokratie lebe vom Streit auf Augenhöhe und vom respektvollen Umgang auch mit dem politischen Gegner. Die Demokratie sei in Gefahr und könne nur bestehen, wenn man sich politisch einsetzt – egal, auf welcher Ebene und egal, in welcher demokratischen Partei. 
Für die musikalische Unterhaltung beim Neujahrsempfang sorgte zum Auftakt der Kinderchor „6 K United“ der Gesamtschule Weiße Rose und des Gymnasiums Laurentianum unter der Leitung von Rebecca Koch und Petra Behrens. Der Chor performte drei Songs aus dem seit vier Monaten einstudierten Repertoire für das Mega-Event „6 K United“, das sie im Sommer in Düsseldorf gemeinsam mit 6.000 weiteren Kindern präsentieren werden. Der Komponist und Gitarrist Jay Minor hatte zwei Auftritte im Programm des Neujahrsempfangs und begeisterte die Gäste mit seinen Interpretationen von Songs von Santana, den Jackson 5 und John Lennon. 

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