5. April 2022 / Allgemein

DEULA und Jobcenter starten gemeinsames Pilotprojekt

Pflegeberufe

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Pflegeberufe: DEULA und Jobcenter starten gemeinsames Pilotprojekt

Vard Ghumashyan ist 33 Jahre jung und stammt aus Armenien. Sie ist ausgebildete Krankenschwester, aber bei der Flucht vor Krieg und Verfolgung in ihrem Land war die Mitführung ihrer Ausbildungszeugnisse von untergeordneter Bedeutung, weshalb sie jetzt in Deutschland noch einmal ganz von vorne anfangen muss.

Dabei kommt ihr zu Gute, dass beim Jobcenter, der DEULA und dem Betriebshilfsdienst im vergangenen Jahr die Idee entstand, sich gemeinsam den Pflegeberufen zuzuwenden und einen „Schnupperkurs“ für Migranten und Langzeitarbeitslose zu organisieren.

Ziel ist, dass die Teilnehmer sich ein besseres Bild über Berufe in der Pflege machen können und dabei bedarfsgerecht berufssprachlich qualifiziert werden. Sinn des Projekts ist es, für die große Nachfrage in der Pflegebranche möglichst viele motivierte und talentierte Menschen zu finden.

„Ich habe hier in Telgte schon in verschiedenen Pflegeeinrichtungen Praktika gemacht und hoffe, dass ich durch das Programm an der DEULA ein Arbeitsangebot bekomme“, erklärt die junge Frau in sehr gutem Deutsch. „Ich habe in meinem Heimatland schon eine Krankenpflege- und Geburtshelferausbildung gemacht und würde hier auch gerne in meinem Lehrberuf arbeiten.


Berufssprachliche Förderung und berufliche Orientierung für Migranten sowie die Qualifizierung von Langzeitarbeitslosen gehören schon seit vielen Jahren zu den Kernkompetenzen des DEULA Bildungszentrums in Warendorf. Auch für das Jobcenter Kreis Warendorf war die berufliche Integration von Flüchtlingen in den letzten Jahren ein Schwerpunkt.

„Die Teilnahme an diesem Projekt ist freiwillig, das heißt, die Menschen, mit denen wir hier arbeiten, sind motiviert und wollen auch wirklich in diesen Beruf einsteigen!“ erklärt DEULA-Bildungsberaterin Karin Kirchner. Silke Smotzok, Teamleiterin im Jobcenter Kreis Warendorf bekräftigt dies und erklärt, dass gerade bei der Arbeit mit Menschen, wichtig sei, dass man Freude an seinem Job habe.

Für die DEULA ist das Projekt ein völlig neues Arbeitsgebiet, da das Bildungszentrum nämlich bisher eher für Aus- und Weiterbildung in grünen Berufen bekannt ist. „Wir sind natürlich keine Pflegeschule. Aber in diesem Programm sollen die Teilnehmenden möglichst viele Informationen über die Arbeit als Pfleger oder Pflegerin bekommen“, erklärt Karin Kirchner, die bei der DEULA für das Projekt verantwortlich ist.

Bei der Planung des Projekts war den Beteiligten ein großer Praxisanteil wichtig. So werden den Teilnehmer von einer erfahrenen Ausbilderin, einer examinierten Altenpflegerin, durchaus sehr spezifische Aufgaben vermittelt, wie das Umlagern oder die Körperpflege der Patienten. Dazu steht der DEULA auch ein modernes Krankenbett zur Verfügung, an dem alltägliche Situationen in der Pflege durchgespielt werden können.

Parallel werden die Teilnehmer berufssprachlich unterstützt und ihre persönlichen Stärken wie Einfühlungsvermögen und Kommunikationsfähigkeit werden gefördert. Dabei muss auch das deutsche Gesundheitssystem erklärt werden.

„Für Menschen aus anderen Kulturkreisen fühlt es sich oft falsch an, alte Menschen in einer Einrichtung außerhalb der Familie zu betreuen. In Praktika können sie sich dann selbst ein Bild machen, wie Pflege bei uns funktioniert. Sie sollen eben maximale Informationen bekommen über das deutsche Pflegesystem, sowohl in der Theorie wie auch in der Praxis“, so Karin Kirchner.

Dreieinhalb Monate dauert die Einführung in die Pflegeberufe. Silke Smotzok erklärt, dass bei der Auswahl auch Teilnehmer mit entsprechenden Vorerfahrungen oder einer Ausbildung in der Pflege gewonnen werden konnten.

„Frau Ghumashyan hat ihren B2-Sprachkurs aufgrund der Corona-Pandemie sogar online machen müssen“ erläutert Silke Smotzok. „Ganz konsequent und fleißig ist sie dran geblieben – das hilft ihr jetzt natürlich“, so die zuständige Teamleitung. Denn jetzt ist Vard Ghumashyan erneut in einem zweiwöchigen Praktikum, diesmal bei der Tagespflege St. Anna in Telgte. Ein Praktikum, das ihr den Weg in eine Festanstellung ebnen könnte, so Johannes Mersmann, der ursprünglich selbst Krankenpfleger gelernt hat und mittlerweile die Einrichtung als Prokurist vertritt.

„Das Problem für Frau Ghumashyan ist, dass sie als alleinerziehende Mutter mit einem 10-jährigen Sohn nicht im Schichtdienst arbeiten kann. Aber der Bedarf in der Branche ist so groß, dass sie bestimmt auch eine ortsnahe Stelle finden wird, in der sie ausschließlich im Tagdienst arbeitet.“ Wenn ihr Sohn Gor älter ist und sie nicht mehr so intensiv braucht, möchte Vard Ghumashyan auf jeden Fall eine Ausbildung zur Pflegefachassistenz machen.

Deula Pflegeberufe

"Karin Kirchner (DEULA-Bildungsberaterin, v. l.) Johannes Mersmann (Prokurist Tagespflege St. Anna in Telgte), Vard Ghumashyan (Projekt-Teilnehmerin) und Silke Smotzok (Teamleiterin im Jobcenter) sind von ihrem gemeinsamen Projekt überzeugt."

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