29. Dezember 2023 / Allgemein

Dr.Olaf Gericke zum Jahreswechsel

Neujahrsgrußwort des Landrates

Dr. Olaf Gericke,Landrat,Kreis Warendorf,Warendorf,Sassenberg,

Neujahrsgrußwort des Landrates 

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, 

wir leben in unruhigen Zeiten. Nach der langen Zeit der Pandemie trafen uns die Auswirkungen des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine. Weltweite Flüchtlingsbewegungen haben ihre Auswirkungen auf unser Leben, da immer mehr Menschen vor Krieg, Terror und Verfolgung fliehen oder schlichtweg ein besseres Leben in unserem Land suchen. 

Zudem haben mich die unfassbaren Gewalttaten der Hamas-Terroristen gegen israelische Zivilisten zutiefst erschüttert. Dass der Terror gegen Juden auf deutschen Straßen verharmlost und sogar gefeiert wird, hat mich abgestoßen. Das Verhalten einzelner stellt das Zusammenleben in unserer Gesellschaft auf eine harte Probe. Glücklicher- weise gab es solche Vorfälle im Kreis Warendorf nur sehr vereinzelt und die Polizei ist unverzüglich eingeschritten. 

Mit Sorge erfüllt mich auch die Rezession unserer Wirtschaft, die bereits zu Kurzarbeit und Steuerrückgängen führt und die damit einher- gehende Finanzkrise auf Bundes-, Landes- und Kommunalebene verschärft. 

Gleichwohl können wir im Kreis Warendorf trotz bedrückender Entwicklungen in der Welt gut leben. Unser Lebensstandard ist hoch, der gesellschaftliche Zusammenhalt stark. Getragen von vielen Ehren- amtlichen in Vereinen und Initiativen unterstützten sich die Menschen bei uns gegenseitig, verschönern Dörfer und Städte und bewahren kulturelles Brauchtum sowie die Schönheit unserer Natur- und Kulturlandschaft. 

Im Kreis Warendorf ist es uns bisher gelungen, die Auswirkungen all dieser Krisen und Konflikte durch Zusammenhalt, gegenseitige Unterstützung und ehrenamtliches Engagement aufzufangen. Dafür darf ich Ihnen sehr danken. Den hauptamtlichen Kräften in den Städten und Gemeinden, die seit Jahren im Notfallmodus arbeiten, gilt mein besonderer Dank. 

Mit Sorge sehe ich allerdings eine Entwicklung, die auch den Kreis Warendorf nicht völlig verschont. Es handelt sich um die gesellschaftliche Entwicklung, dass Menschen mit unterschiedlichen Ansichten nicht mehr miteinander diskutieren, dass sich Menschen in sogenannte Blasen zurückziehen und insgesamt weniger Austausch zwischen verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen stattfindet. Das ist für die Demokratie keine gute Entwicklung. 

Für das neue Jahr wünsche ich mir daher, dass wir alle wieder mehr das Gespräch mit Menschen suchen, die möglicherweise anderer Meinung sind als wir. In der Diskussion sollte nicht der Versuch im Mittelpunkt stehen, den anderen zu überzeugen oder gar zu überreden, sondern ihn zu verstehen und seinen Blickwinkel nachvollziehen zu können. Nur so werden wir Kompromisse finden, die unser Zusammenleben besser machen. 

Dort wo miteinander gesprochen wird – das erlebe ich täglich bei meiner Arbeit – finden wir konstruktive Lösungen, mit denen alle Beteiligten leben können, die von einem breiten gesellschaftlichen Konsens getragen werden. 

Auch wenn das Jahr 2023 mit den Auswirkungen seiner vielen Krisen, Konflikte und Kriege sowie der wirtschaftlichen Unsicherheit für viele Menschen auch im Kreis Warendorf fordernd und belastend war, so gibt es doch auch viele Ereignisse und Entwicklungen, die uns mit Hoffnung und Zuversicht auf 2024 blicken lassen. 

Die Hilfsbereitschaft der Menschen im Kreis Warendorf und die Offenheit, mit der Flüchtlinge willkommen geheißen werden, erfüllt mich mit Zuversicht. Und viele der Menschen, die zu uns kommen, sind eine Bereicherung für unser Land und unsere Gesellschaft. Und den- noch gehört auch zur Wahrheit, dass unsere Kapazitäten endlich sind. Hier brauchen wir endlich wirksame Lösungen, vor allem gegen die illegale Einwanderung. 

Es gibt bei uns viele innovative mittelständische Unternehmen, die gute Arbeitsplätze bieten. Die Arbeitslosenquote liegt bei unterdurchschnittlichen 5,5 Prozent. 

Damit der Wohlstand in der Region bleibt, erhalten wir die Infrastruktur und bauen sie aus. Um in Zukunft noch mehr Strom aus regenerativen Quellen zu gewinnen, forcieren wir die Windkraft. Allein im  vergangenen Jahr sind 30 neue Windenergieanlagen im Kreis genehmigt worden, die uns unabhängiger von fossilen Energieträgern Kohle, Öl und Gas machen. Das bedeutet neben aktivem Klimaschutz auch Unabhängigkeit von autokratischen und undemokratischen Staaten. 

Wir investieren viel Geld in den Schutz unserer Natur, so in Renaturierung von Flüssen und Feuchtgebieten. Wir pflanzen jedes Jahr tausende Bäume und bauen unser Radwegenetz aus. 

Wir steigern die Zahl der Kita-Plätze Jahr für Jahr und modernisieren unsere Bildungseinrichtungen, damit unsere Kinder beste Startchancen bekommen. Die Kulturlandschaft wird gefördert. Die Eröffnung des neu gestalteten Museums Abtei Liesborn in Wadersloh mit sei- nem 1000 Jahre alten Evangeliar war ein kultureller Höhepunkt des vergangenen Jahres. 

Ich bin zuversichtlich, dass 2024 ein gutes Jahr werden kann. Wichtig ist, dass wir als Gesellschaft im Kreis Warendorf aufeinander zugehen, im Gespräch bleiben, respektvoll um die besten Lösungen für alle ringen und uns gegenseitig unterstützen. 

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen alles erdenklich Gute für das neue Jahr. 

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