10. Dezember 2020 / Allgemein

Ehemalige Jüdische Synagoge soll restauriert und zugänglich gemacht werden

Nahezu einzigartiges kulturgeschichtliches Zeugnis:

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Ehemalige Jüdische Synagoge soll restauriert und zugänglich gemacht werden

Nahezu einzigartiges kulturgeschichtliches Zeugnis:

Etwas versteckt zwischen zwei Grundstücken steht in Telgte inmitten der Historischen Altstadt ein kleines und unscheinbares Fachwerkgebäude. Erst bei näherer Betrachtung erweist es sich als einzigartiges kulturgeschichtliches Zeugnis, denn es handelt sich um eine von ganz wenigen noch erhaltenen ehemaligen Hof-Synagogen Westfalens, entstanden im frühen 18. Jahrhundert durch Umbau eines um 1500 errichteten Speichers. Noch bis um 1800 musste jüdisches Leben im Verborgenen stattfinden und Synagogen durften daher nur auf Hinterhöfen errichtet werden,

In den frühen 80er-Jahren setzten sich unter der Anleitung und Begleitung des damaligen Konrektors der Kardinal-von-Galen Realschule Ludwig Rüter Schülerinnen und Schüler mit der Geschichte der jüdischen Gemeinde in Telgte auseinander. Erst im Zuge dieser Aufarbeitung wurde bekannt, dass sich in Telgte eine alte Synagoge erhalten hatte. Auf dieser Grundlage setzte eine Auseinandersetzung mit deren Geschichte ein, verbunden mit der Frage, wie ein Erhalt des Gebäudes zu erreichen sei. 

Mehr als dreißig Jahre später ist für diese Frage nun eine Lösung in Sicht, die vielfältigen historischen und kulturgeschichtlichen Nutzen stiften könnte. Die Eigentümerin des Gebäudes, unterstützt durch die Stadt Telgte als Untere Denkmalbehörde und durch das Fachamt der LWL-Denkmalpflege, Landschafts- und Baukultur in Westfalen möchte die ehemalige Synagoge restaurieren, Instand setzen und in Teilen rekonstruieren lassen, um die Geschichte und Bedeutung des Gebäudes und seiner Funktion wieder ablesbar und zugänglich zu machen.

Denn das Gebäude, eine der ersten errichteten Synagogen und einst Mittelpunkt einer großen jüdischen Gemeinde im Münsterland, erzählt eine vielfältige Sozial-, Religions- und Ortsgeschichte über jüdisches Leben in Telgte. Die ehemalige Synagoge wurde 1992 in die Denkmalliste der Stadt Telgte eingetragen. 

In diesem Zusammenhang wurde das Gebäude durch das seinerzeitige Westfälische Amt für Denkmalpflege beim LWL baugeschichtlich untersucht und hierbei auch eine dendrochronologische Datierung veranlasst. Dabei wurde festgestellt, dass das Kerngerüst des Gebäudes aus Holz verzimmert ist, das man in den letzten Jahren des 15. Jahrhunderts gefällt hatte. Ein aktuelles baugeschichtliches Gutachten zur Alten Synagoge in Telgte von Oberkonservator i.R. Dr. Fred Kaspar kommt zu der Einschätzung: „Das Kerngerüst dürfte daher im Zusammenhang mit dem Wiederaufbau der Stadt nach dem großen Brand 1499 errichtet worden sein“.

Als Fazit einer baugeschichtlichen Bestandsaufnahme, Auswertung der schriftlichen Überlieferung und der Literatur sowie einer vergleichenden Analyse kommt das baugeschichtliche Gutachten von Februar 2019 zu folgender Bewertung:

„ (…) Vor dem dokumentierten historischen Hintergrund ist das Gebäude heute das zentrale Zeugnis der jüdischen Bevölkerung in Telgte für die Zeit vor der Mitte des 19. Jahrhunderts und steht damit für einen wesentlichen Aspekt der Stadtgeschichte. (…) 

Vergleichbare Bauten einer Synagoge dieser frühen Zeitstellung haben sich nach aktuellem Forschungsstand zu den Lebensverhältnissen kleiner jüdischer Gemeinden in den Städten und Orten Westfalens, Lippes und dem anschließenden Niedersachsen selbst in Bauresten fast nirgends mehr erhalten. 

Solche Bauten sind auch kaum in ihrer Gestalt und inneren Struktur durch ältere Ab-bildungen oder Pläne bzw. Beschreibungen überliefert. Daher ist das Gebäude in Telgte ein nahezu einzigartiges historisches Zeugnis und für die Geschichte dieses Bautyps vor dem späteren 18. Jahrhundert ein unverzichtbares Beispiel. (…)“

Derzeit arbeiten alle Beteiligten an der Finanzierung des Projektes, an der baurechtlichen Genehmigung der Restaurierung und teilweisen Rekonstruktion sowie an den Rahmenbedingungen, um das Gebäude künftig für Schulklassen oder geführte Gruppen temporär zugänglich zu machen. Eine Kooperation mit dem Museum RELíGIO wird dabei ebenso in Erwägung gezogen wie mit dem Verein Erinnerung und Mahnung e.V.

Die ehemalige Synagoge in Telgte spiegelt das vielfältige religiöse und kulturelle jüdische Leben in einer Westfälischen Kleinstadt und wird es –sofern es wieder zugänglich geworden ist – erlebbar machen.

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