Everswinkel startet mit genehmigtem Haushalt ins Jahr 2026 – Warnung vor struktureller Unterfinanzierung
Everswinkel kann mit der Umsetzung seiner Haushaltsplanung 2026 beginnen: Der Kreis Warendorf hat den Haushalt der Gemeinde geprüft und als zulässig eingestuft. Mit der nun möglichen Veröffentlichung der Haushaltssatzung ist der Weg frei für dringend notwendige Investitionen. Trotz des formell ausgeglichenen Haushalts bleibt die finanzielle Lage jedoch angespannt.
Zwar gelingt es der Gemeinde erneut, einen fiktiv ausgeglichenen Haushalt vorzulegen – das geplante Defizit von rund 1,9 Millionen Euro wird durch Mittel aus der Ausgleichsrücklage kompensiert. Doch diese Rücklage schrumpft damit auf nur noch gut 3,2 Millionen Euro. Bereits ab 2027 drohen weitere Fehlbeträge, die voraussichtlich nicht mehr vollständig aufgefangen werden können.
Landrat Dr. Olaf Gericke sieht darin ein deutliches Warnsignal: „Auch wirtschaftlich starke Gemeinden wie Everswinkel leiden unter einer massiven strukturellen Unterfinanzierung, die ihre Handlungsfähigkeit zunehmend einschränkt.“ Besonders steigende Sozialausgaben, die auf Bundes- und Landesebene beschlossen wurden, belasteten die Kommunen erheblich. „Wir brauchen dringend eine dauerhafte, den Aufgaben angemessene Finanzierung durch Bund und Land. Allein durch Sparanstrengungen lassen sich die Haushalte nicht sanieren.“
Auch Bürgermeister Sebastian Seidel mahnt eindringlich: „Damit Daseinsvorsorge in den Kommunen gelingen kann, müssen Bund und Land für eine auskömmliche Finanzierung sorgen. Es kommen immer weitere Aufgaben auf uns zu – die Mittel fehlen. Wir dürfen unsere Kommunen nicht kaputt sparen.“
Der Kreisdirektor und Kämmerer Dr. Stefan Funke lobt die vorsichtige Planung der Gemeinde, warnt jedoch vor den wachsenden Belastungen durch notwendige Kreditaufnahmen. Allein bis 2029 sollen die Verbindlichkeiten auf rund neun Millionen Euro ansteigen, unter anderem wegen des Neubaus des Feuerwehrgerätehauses in Alverskirchen. Rechtlich sei dies unbedenklich, finanziell jedoch eine Herausforderung für die kommenden Jahre.
Funke fordert daher grundlegende Reformen: „Kommunen brauchen eine dauerhafte und dynamische Entlastung bei den Sozialausgaben sowie einen höheren Anteil an Steuereinnahmen, der den übertragenen Aufgaben gerecht wird.“
Fazit: Everswinkel startet zwar handlungsfähig in das Haushaltsjahr 2026 – doch die finanziellen Spielräume werden enger. Ohne strukturelle Unterstützung von Bund und Land droht auch hier mittelfristig eine spürbare Einschränkung der kommunalen Gestaltungsfreiheit.













