Willi I. schwingt wieder das närrische Zepter in der Stiftsstadt
Federviehflüsterer übernimmt Prinzenthron
Freckenhorst. Nach einem Jahr Vakanz ist Freckenhorst wieder fest in (närrischer) Prinzenhand. Pünktlich um 21.11 Uhr präsentierte die Karnevalsgesellschaft Silber-Blau am Freitag im „Alten Westfalen“ ihre neue Tollität: Willi Keiskemper wird als Prinz Willi I., der Federviehflüsterer, in der Karnevalszeit sein närrisches Zepter – das die Freckenhorster Pielepogge „Jopp“ zeigt – schwingen. Dieses erhielt er aus den Händen des stellvertretenden Bürgermeisters Johannes Austermann.
Erste Amtshandlung des frischgebackenen Prinzen war selbstverständlich die Verleihung seines Karnevalsordens, dessen erste Trägerin natürlich Prinzen-Ehegattin Birgit wurde.
Das Rampenlicht und das Vereinsleben sind dem 64-jährigen Neuprinzen nicht fremd. Seit 20 Jahren ist er Vorsitzender des Rassegeflügel- und Kaninchenzuchtvereins. Und schon Jahre zuvor war der Geflügelzüchter – was ohne weitere Erklärung den prinzlichen Namen erklärt – als Vorsitzender der Geflügelzüchter aktiv. Beim Schützenfest half er über viele Jahrzehnte hinweg als Ehrendiener so mancher Majestät in die und später wieder aus der Kutsche. Bei Heimspielen der TuS-Fußballer fehlt Prinz Willi nur selten; oft ist er im Kassenhäuschen im Einsatz. Am Sonntag wird er dann als Prinz den Anstoß beim Spiel gegen den SVE Heessen machen.
Fußballtechnisch haben es ihm neben den schwarz-gelben TuS-Farben die blau-weißen Farben des FC Schalke 04 angetan. Im Freckenhorster Fanclub „FC Knappen“ ist er zweiter Vorsitzender.
Ursprünglich erlernte der Vater von vier inzwischen erwachsenen Kindern das Kfz-Handwerk, bevor er viele Jahre als Dachdecker „über den Dingen“ stand. Die letzten 13 Jahre war er als Taxifahrer unterwegs, bis er im vergangenen Monat in den Ruhestand ging.
Ein silberblauer Glücksfall: „Wenn ich in Rente gehe, dann werde ich auch Prinz“, hatte er sich vorgenommen, als er vor einigen Jahren eine Mitfahrt auf dem Rosenmontagswagen der KG Silber-Blau gewonnen hatte. Ab und zu besuchte er – eher unauffällig im Hintergrund – Karnevalsveranstaltungen und wurde immer weiter vom Karnevalsfieber gepackt. Beim diesjährigen Kreisprinzentreffen überlegte er erstmals, die diesjährige Prinzenschaft tatsächlich anzustreben, und nach dem Rosenmontagsumzug stand die Entscheidung für ihn fest. Verein und Ehefrau ließen sich nicht lange bitten und stimmten zu.
Schon im April wurden die Planungen konkreter. „Ich habe ein super Team, das mich unterstützt hat“, dankt er seinem närrischen Amtsvorgänger Achim Hensdiek sowie Wilma und Christian Murrenhoff. Sie haben unter anderem bei der Gestaltung des Ordens mitgeholfen. Dieser zeigt einen stolzen Hahn, der eine Hose in TuS- und Schützenvereinsfarben trägt. Mit Tanja und Markus Vecchio wurde im Studio das Prinzenlied aufgenommen, das die beiden Stimmungssänger gemeinsam mit dem frischgebackenen Prinzen nach dessen Inthronisierung natürlich direkt live zum Besten gaben und das Narrenvolk auf eine „geile Zeit“ einstimmten.
Eingebettet war die Prinzenproklamation der Stiftsstadt in ein buntes Programm. Die Nachwuchsnarren der Juka erlebten einen besonderen Moment: Die nagelneue Standarte der Jungkarnevalistenformation wurde ihrer Bestimmung übergeben. Der Ahlener Noch-Prinz Rosi I. machte den Freckenhorster Narren seine Aufwartung – ein letzter externer Auftritt im Karneval. Zugunsten des Kinderkarnevals verloste die KG ein beim Freckenhorster Herbst entstandenes buntes Kratzbild.













