Warendorfer Unternehmer fordern neuen Kurs für die Brinkhaus-Areal
Geduld am Ende? WIWA fordert mehr Tempo und mehr Realismus
Warendorf - Wie soll es mit der ehemaligen Brinkhaus-Brache weitergehen? Diese Frage beschäftigt Politik, Verwaltung und Bürgerschaft seit Jahren. Nun hat sich auch die lokale Wirtschaft deutlich positioniert. Der Warendorfer Wirtschaftsverein WIWA – Wirtschaft für Warendorf – hat seine Mitgliedsunternehmen zu ihrer Einschätzung zur Zukunft des Areals befragt. Das Ergebnis zeigt: Die Mehrheit der befragten Unternehmer wünscht sich einen pragmatischeren Kurs und eine stärkere Einbindung privater Investoren.
Mit einer Rücklaufquote von fast 45 Prozent der Mitgliedsunternehmen stieß die Umfrage auf eine beachtliche Resonanz. Für die WIWA unterstreicht dies die große Bedeutung, die das Projekt für die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt hat. Die Ergebnisse wurden inzwischen an Bürgermeister Peter Horstmann sowie an die Vorsitzenden der Ratsfraktionen übermittelt.
Klare Mehrheit für Investorenmodell
Besonders deutlich fällt die Haltung beim Thema Umsetzung aus: Rund 79 Prozent der teilnehmenden Unternehmen sprechen sich dafür aus, das Projekt nicht ausschließlich in kommunaler Eigenregie zu entwickeln, sondern private Investoren einzubeziehen – etwa durch einen Verkauf oder ein Erbbaurecht. Noch deutlicher ist die Zustimmung für erste Gespräche mit potenziellen Investoren: 85 Prozent der Befragten halten unverbindliche Sondierungen mit dem Markt für sinnvoll.
Gleichzeitig zeigt die Umfrage eine große Skepsis gegenüber einer alleinigen Umsetzung durch die Stadtverwaltung. 81 Prozent der Unternehmer bewerten eine Entwicklung in rein städtischer Verantwortung bis zum Jahr 2031 kritisch. Aus Sicht vieler Betriebe könnte die Komplexität des Projekts die Kapazitäten der Verwaltung überfordern.
Mehr Flexibilität bei den Planungszielen
Auch bei den bisherigen Planungsgrundlagen sehen die Unternehmen Anpassungsbedarf. Angesichts gestiegener Zinsen und Baukosten halten 96 Prozent der Befragten es für notwendig, dass die sogenannten „Warendorfer Positionen“ – also die bisherigen Planungsziele für das Gelände – bei Gesprächen mit Investoren verhandelbar bleiben. 74 Prozent sprechen sich zudem für eine fachliche Überprüfung dieser Ziele unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten aus.
Die Unternehmen plädieren dabei für einen pragmatischen Blick nach vorn. 72 Prozent der Teilnehmer sind der Meinung, dass zukünftige Entscheidungen vor allem am Marktwert und am langfristigen Nutzen für die Stadt ausgerichtet werden sollten – und nicht ausschließlich daran, vergangene Investitionen vollständig zu refinanzieren.
Städtebauliche Qualität bleibt wichtig
Trotz der klaren Offenheit für Investorenmodelle sehen die Unternehmer die Qualität der Entwicklung weiterhin als entscheidenden Faktor. 76 Prozent bevorzugen eine sogenannte Konzeptvergabe, bei der das beste städtebauliche und inhaltliche Konzept entscheidet, statt eines reinen Verkaufs nach Höchstpreis.
Sorge vor jahrelangem Stillstand
Für die WIWA spiegeln die Ergebnisse vor allem den Wunsch nach Bewegung im Projekt wider. Viele Unternehmen befürchten, dass die Brinkhaus-Brache noch über Jahre hinweg brachliegen könnte. Aus Sicht des Wirtschaftsvereins wäre daher eine Öffnung des Projekts für private Investoren ein wichtiges Signal – verbunden mit einem flexiblen Zielkatalog, der sich stärker an der wirtschaftlichen Realität orientiert.
Die Umfrage versteht die WIWA als konstruktiven Beitrag zur politischen Diskussion. Die endgültigen Entscheidungen über die Zukunft der Brinkhaus-Brache liegen nun bei Rat und Verwaltung der Stadt Warendorf.













