Glamping statt Gottesdienste: Zukunft der Warendorfer Marienkirche nimmt Gestalt an
Warendorf – Über 100 interessierte Bürgerinnen und Bürger kamen in dieser Woche in die Marienkirche, um sich aus erster Hand über deren Zukunft zu informieren. Kreisdechant Peter Lenfers begrüßte die Gäste und machte gleich zu Beginn deutlich: Der sakrale Raum, der seit 2018 nicht mehr von der katholischen Kirche gefördert oder instandgesetzt wird, steht vor einem tiefgreifenden Wandel.
Vom Gotteshaus zum besonderen Übernachtungsort
Nach langen Gesprächen zwischen Bistum, Architekturbüro und der St.-Laurentius-Gemeinde war die Suche nach einem Investor alles andere als einfach. Schließlich erfuhr der Sendenhorster Unternehmer Wiechmann, Mitglied im Bund katholischer Unternehmer und ausgewiesener Tourismusexperte, von den Plänen – und entwickelte sofort Interesse.
Seine Vision: Unter dem Titel „St. Marien Kirche by BioNaturChurch“ soll das denkmalgeschützte Gebäude zu einem nachhaltigen Übernachtungs- und Erlebnisort werden. Das Hauptschiff bleibt dabei weitgehend erhalten, während die Seitenschiffe mit sogenannten „Kloster-Cubes“ ausgestattet werden. Auf drei Etagen sollen bis zu 72 Holzwürfel entstehen, in denen bis zu 144 Gäste übernachten können.
„Kirche 4.0“ – Einfachheit und Nachhaltigkeit
Der Investor betont: „Der Kirchenraum bleibt im Mittelpunkt. Es geht nicht darum, die Kirche zu verbauen, sondern sie in ihrer ganzen Atmosphäre erlebbar zu machen.“ Die Cubes bieten einfachen Schlafkomfort – ohne eigene Dusche oder WC. Wie auf Campingplätzen üblich, wird es zentrale Sanitäranlagen geben.
Damit setzt das Projekt auf den Trend des Glamping: glamouröses Camping an besonderen Orten. Ob diese Form des „einfachen Luxus“ auch für Bus- und Fahrradtouristen in Warendorf attraktiv genug ist, bleibt abzuwarten. Der geplante Preisrahmen liegt bei 25 bis 55 Euro pro Bett.
Neue Nutzungsmöglichkeiten für Altar und Außenbereich
Neben den Übernachtungsmöglichkeiten sieht das Konzept weitere Ideen vor:
- Das Hauptschiff wird zur Lobby und Rezeption.
- Der Altarraum soll als Veranstaltungs- und Frühstücksfläche dienen – auch für Hochzeiten, Tagungen oder Coworking.
- Im Außenbereich sind eine Gastronomie im Lindenwäldchen, Picknick- und Grillflächen sowie eine Fahrrad-Servicestation geplant.
So könnte die Marienkirche in Zukunft auch für Einheimische und Touristen ein lebendiger Ort der Begegnung werden.
Tourismus im Kreis Warendorf im Aufwind
Die Übernachtungszahlen zeigen: Das Münsterland wächst als touristische Region. 2024 zählte der Kreis Warendorf rund 197.000 Gäste mit knapp 530.000 Übernachtungen – ein Plus von 43,4 Prozent seit 2014. Mit ihrem besonderen Konzept könnte die Marienkirche also eine neue Nische im boomenden Tourismusmarkt erschließen.
Ein sensibles Projekt
Trotz aller Euphorie bleiben kritische Fragen: Ist Übernachten in einer 3 x 2,6 Meter großen Holzkiste wirklich „glamourös“ genug? Wird das historische Gebäude durch die neue Nutzung ausreichend respektiert? Und was bedeutet es für die Kirchengemeinde, wenn sie endgültig keinen Raum mehr in der Marienkirche hat?
Klar ist: Mit dem geplanten Verkauf verpflichtet sich der Investor auch, das denkmalgeschützte Bauwerk zu erhalten. „Eine Immobilie wie diese trägt Verantwortung“, so Wiechmann. Die Einigung mit der Kirchengemeinde über die Kaufsumme sei bereits erfolgt.
Fazit
Die Warendorfer Marienkirche steht vor einer ungewöhnlichen Transformation: vom Gotteshaus zum nachhaltigen Glamping-Hotel. Das Projekt verspricht Chancen für Tourismus und Stadtentwicklung – wird aber zugleich aufmerksam beobachtet werden müssen, ob es gelingt, den besonderen Charakter der Kirche zu bewahren.




























