23. April 2021 / Allgemein

Groteske Coinzidenz

Wirtschaftsministers Andreas Pinkwart besuchte Modeerlebnishaus

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Groteske Coinzidenz

Wirtschaftsministers Andreas Pinkwart besuchte Modeerlebnishaus

In normalen Zeiten wäre der Besuch des nordrhein-westfälischen Wirtschaftsministers Andreas Pinkwart (FDP) im Warendorfer Modeerlebnishaus Ebbers ein sicherlich positiv betrachtetes Ereignis gewesen, denn Inhaber Christoph Berger zählt zu den vorausschauendsten, motivierendsten und innovativsten seiner Zunft. Digitalisierung sowie der Einsatz „Künstlicher Intelligenz“ (KI) im traditionellen, stationären Einzelhandel, ist ein Themenkomplex, mit dem sich Berger nicht nur theoretisch bestens auskennt. Auch praktisch hat er darin vielfältige Erfahrungen sammeln können, weil er in einem Modellversuch KI einsetzt, um den Geschäftsbetrieb datenbasiert und auf seine Kundschaft maßgeschneidert zu optimieren.

So weit, so innovativ, so zukunftsweisend. Leider fand das Gespräch, zu dem neben NRW-Wirtschaftsminister Professor Dr. Andreas Pinkwart (FDP) weitere illustre Gäste den Traditionsbetrieb aufgesucht hatten, just am selben Tag statt, an dem die sogenannte Bundesnotbremse ihre letzte parlamentarische Hürde passierte und somit die Schließung des nicht der Grundversorgung dienenden Einzelhandels im Kreis Warendorf bereits für den übernächsten Tag perfekt machte.

Die zwangsweise Schließung eines Geschäftsbereiches der nachweislich nicht zu den Pandemietreibern zählt. Nur ein Bruchteil der Menschen, die sich durch das Einkaufen infizieren, kann auf den stationären Einzelhandel, so wie er in Warendorf vielfach üblich ist, zurückgeführt werden. Andererseits ist genau dieser stationäre Einzelhandel, speziell die Individualität der inhabergeführten Geschäfte, wie es sie in Warendorf (noch) gibt, der Motor, der die Alt- und Innenstadt belebt. Er ist der Motor, der derartige Orte lebens- und liebenswert macht, der ihren Besuch und den dortigen Einkauf lohnenswert macht.

Am Tag des Ministerbesuchs meldete das Robert-Koch-Institut (RKI) für Warendorf eine Inzidenz von 171; 21 Punkte über der Schließungsschwelle von 150. Am Vortag hatte sie 161, tags davor 162 betragen. Eine Schließung bereits ab Samstag erscheint damit gemäß Gesetzestext unausweichlich.

Die Landesregierung versuche, „mit dem Handel, der Wissenschaft und der Beratung neue Wege für den Präsenzhandel mit Hilfe der Digitalisierung zu erreichen“, so Dr. Pinkwart. Christoph Berger und das Modehaus Ebbers seien ein Motor dieser Entwicklung. „Und ich möchte Sie auch motivieren da weiterzumachen, denn wir brauchen diesen unternehmerischen Mut!“

Salbungsvolle Sätze, die Wunden, die durch die Pandemie und das politische Missmanagement derselben geschlagen Wurden, nicht heilen können. Ein Blick in die Warendorfer Altstadtstraßen und -gassen zeigt, dass die ersten Einzelhändler bereits aufgeben mussten. Nach einem weiteren, jetzt leider notwendigen, aber im Vorfeld absolut vermeidbaren, längeren Lockdown, wird auch Warendorf einen Teil seines liebenswerten Gesichts verlieren.

Eine Entwicklung, die absolut vermeidbar war. Es wäre nur nötig gewesen, mit „der Wissenschaft und der Beratung“, um den Minister zu zitieren, gemeinsame Wege zu gehen. So allerdings bietet  das von Christoph Berger im guten Glauben bereits lange vorher anberaumte Treffen, an dem auch Daniel Hagemeier und Henning Rehbaum (beide MdL CDU) sowie Markus Diekhoff (FDP), Bürgermeister Peter Horstmann, Heiner Kamp (WIWA Geschäftsführer), Prof. Dr. Reinhard Schütte (Wirtschaftsinformatiker Uni Duisburg-Essen), Susanne Sorg (Handelskooperation EK / Servicegroup) und Start-up-Unternehmer Nils Streitbürger (Panthersolutions) teilnahmen, eine groteske Coinzidenz mit einer zu hohen Inzidenz. Nahezu zeitgleich mit der Verabschiedung der Gesetzesänderungen im Bundesrat sprach der Minister von Testungen „damit man  wirklich ein Ticket hat, mit dem man überall hingehen kann“ und Fortschritten in den nächsten Wochen. Wissend (oder nicht wissend?), dass diese „Tickets“ im Kreis Warendorf in den nächsten Wochen nichts nützen.

Vor diesem Hintergrund und mit diesen düsteren Zukunftsaussichten verblasst der wichtige, gute und sachliche Informationsaustausch über das Thema, mit dem der stationäre Handel im Wettlauf gegen die Online-Mitbewerber Boden gutmachen könnte, völlig. Es ist positiv, dass Kaufleute wie Christoph Berger noch in die Zukunft schauen können. Doch viele andere können auch durch künstliche Intelligenz nicht gerettet werden. Dafür hätte es mehr natürlicher und politischer Intelligenz bedurft.

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