16. Februar 2023 / Allgemein

High-Tech Gesundheitshandwerk

Orthopädie-Technik Zentrum Künzelt ist in unserer Region Vorreiter

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High-Tech Gesundheitshandwerk

„High-Tech Medizin“ ist ein allgemein bekannter Begriff. Computergestützte Untersuchungs- und Behandlungsmethoden mit Apparaturen, die vor wenigen Jahren noch Bestandteil von Science-Fiction Filmen gewesen wären, haben sich längst etabliert.

Beim Wort Orthopädietechnik, sofern es einem überhaupt etwas sagt, denkt man doch zunächst an unbequeme Schuheinlagen, Bandagen und, weil das Sanitätshaus meist ebenfalls zum Betrieb gehört, an Kompressionsstrümpfe.

Dabei sind Lasertechnik, Hochleistungsscanner und 3D-Druck längst dabei, Einzug zu halten. Das Orthopädie-Technik Zentrum und Sanitätshaus Künzelt im Warendorf am Heumarkt 1 und, bis Jahresende an der Emsstraße 13-15, ist in unserer Region Vorreiter der neuen patientengerechten – und vor allem schonenden – Versorgungstechniken. Mit Produkten, die nicht nur technisch ausgereifter, sondern meist auch weniger stigmatisierend oder belastend für die Verwender sind.

Tobias Flechtker, Orthopädietechnik-Meister und Betriebsleiter, erläutert dies am Beispiel der Schutzhelme, die beispielsweise nach schweren Kopfverletzungen zum Einsatz kommen oder genau davor schützen sollen. Dafür wird zunächst der Kopf des Patienten schonend gescannt, statt wie früher mit einem Gipsabdruck zu arbeiten. Das sei sowohl für den Kunden, wie auch für den Techniker sehr belastend gewesen, erklärt Flechtker, denn oftmals handele es sich um frisch am Schädel operierte Personen, denen eben auch Teile der Schädelplatte fehlen können. Nach diesem behutsamen Vorgang, beginnt die Arbeit am Computer. Der Helm wird modelliert und anschließend in einem 3D-Drucker gefertigt, der statt mit Filamentfäden mit staubfeinem Kunststoff-Granulat arbeitet. Hierdurch können auch feinste Nuancen eingearbeitet werden, die diese Helme noch stabiler machen als gängige Motorradhelme. Sie wirken modern, funktional und wenig auffällig. Dazu sind sie hygienisch und bei Bedarf leicht zu reinigen, sogar in der Spülmaschine. Die Polster lassen sich herausnehmen, die Verschlusssysteme können minutenschnell getauscht werden. Der zweieinhalb Meter breite 3D-Drucker für diese Orthesen – so nennt man äußerlich angelegte Gerätschaften zur Unterstützung und Beeinflussung von Muskeln, Nerven und Skelett – steht in Quakenbrück. Auch Teile von Prothesen können darin gefertigt werden.

Inhaber Kai Künzelt stellt die umgangssprachlich auch Bethel-Helme genannten Protektoren daneben. Aus Leder genäht, schweißtreibend und nicht nur im Sommer das Gegenteil von hygienisch und frisch. Von weitem als Helm, der meist von Epileptikern getragen wird, erkennbar und durchaus stigmatisierend. In wochenlanger Handarbeit hergestellt, wobei die Produktion durch Fachkräftemangel immer länger dauert.

„Das ist eins der Probleme“, erklärt Künzelt, denn die Patienten „mit einem Loch im Kopf“ können nicht so lange warten, sollen aber andererseits das Krankenhaus schnell verlassen. Das andere Problem stellen die Krankenkassen dar, die die Zahlung verweigern wollen. Sie fragen, warum der binnen 48 Stunden mit sündhaft teurer Hochleistungstechnik gefertigte Hochleistungshelm denn genau so teuer ist, wie das in wochenlanger Handarbeit gefertigte Produkt. Ohne die „Androhung von Rechtsanwälten oder die Hilfe von Chefärzten“ beiße man bei den Kassen oft auf Granit, verdeutlicht Künzelt.

Das macht Daniel Hagemeier, CDU Mitglied im NRW Landtag, hellhörig, denn beruflich kommt er aus dem Bereich der Krankenkassen. Auch der ebenfalls anwesende Henning Rehbaum, CDU Mitglied im NRW Landtag, nimmt diese Botschaft mit. In dem zirka einstündigen Gespräch werden den Politikern gleich zahlreiche Mankos deutlich, mit denen die Gesundheitsversorgung zu kämpfen hat, darunter vor allem der bereits genannte Fachkräftemangel. Die Ausbildung sei fehlerhaft strukturiert, hören sie. Beispielsweise liege die zwei Mal wöchentlich zu besuchende Berufsschule für Auszubildende aus Warendorf in Recklinghausen. „Nicht nur für Warendorfer“, zählt Künzelt eine Reihe weiterer Orte auf, die von dort zentral versorgt werden. Auch sei die Ausbildung vielfach nicht zielführend. Vielfach werden antiquierte, nicht mehr nutzbare Techniken gelehrt. Die neuen hingegen blieben unbekannt. „Schulen wissen, dass es 3D-Technik gibt“, sagt er ironisch, und alle wissen, wie das gemeint ist. Zudem sei dieser Handwerksberuf, mit dem sich Handwerk einerseits und die Arbeit mit Menschen andererseits ideal verbinden lassen, vielfach einfach unbekannt. „Wir suchen immer wieder händeringend Nachwuchs“, sagt Flechtker, der sogar proaktiv Schulen aufsucht und den Beruf dort vorstellt. Nur eine Bewerbung habe es zum Beginn des letzten Ausbildungsjahres gegeben. Zu wenige, um Patienten auf Dauer ausreichend versorgen zu können, erkennen die Politiker. „Wir wollen, dass die Gesundheitsversorgung vor Ort erhalten bleibt“, sagt Hagemeier. Die Sanitätshäuser gehörten, wie auch die Apotheken, einfach dazu.

Denn sie bieten, neben der Hochleistungstechnik mit der Hand-, Fuß-, Kopf- und weitere Orthesen gefertigt werden, die ganze Palette der notwendigen Patientenversorgung. „Die komplette Reha-Technik“, sagt der Inhaber. Dazu gehören ebenfalls die eingangs genannten Schuheinlagen. Die, so Tobias Flechtker, werden allerdings nicht mehr mit Metall – „zum sofortigen Wegwerfen“ – gefertigt, wie es teilweise noch gelehrt wird, sondern ebenfalls hochmodern. So wie die mit Lasertechnik ausgemessenen Kompressionsstrümpfe, die mit den abschreckenden Modellen von (Ur-)Oma nicht mehr viel zu tun haben.

Künzelt würde die Möglichkeiten zur Patientenversorgung gerne um einen Silikon-Drucker erweitern, mit dem für Gewebeverletzungen adäquate Hilfe geschaffen werden könne. Der koste allerdings einen höheren sechsstelligen Betrag. Schon für die Orthesen liege der Hochleistungsscanner bei rund 23.000 Euro, die Software bei 15.000 und kleinere Drucker bei mehreren tausend Euro – da sei die Frage nach einer Förderung der Politik sicher berechtigt.

Da das Sanitätshaus Künzelt auch Rollatoren im Portfolio hat, bringt CDU-Ratsmitglied Johannes Austermann die Sprache noch auf die Erreichbarkeit. Künzelt würde unterstützen, wenn die Fußgängerzone Münsterstraße bis zu seinem Geschäft verlängert würde, denn das Gros der Kunden komme zu Fuß, mit dem Rollator oder auch dem Elektro-Rollstuhl.

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