4. September 2021 / Allgemein

Ich nehm‘ mal Gas raus

Ursula Pinnekamp geht in den verdienten Ruhestand

Ursula Pinnekamp, Warendorf,Haus der Familie,Ruhestand,

Ich nehm‘ mal Gas raus

Ihre letzte große Aufgabe war die Bewältigung der Einschränkungen, die die Coronapandemie mit sich gebracht hat. „In 34 Jahren Bildungsarbeit habe ich mir niemals vorstellen können, Kurse die nicht stattfinden hier zu verwalten“, sagt Ursula Pinnekamp, Leiterin des „Haus der Familie“ in Warendorf. Ab dem 18. September muss sie sich damit nicht mehr auseinandersetzen, denn ihr offiziell letzter Arbeitstag – nach diesen 34 Jahren – ist am 17. September.

Der erste war am 1. Oktober 1987. „Lang, lang her“, sagt sie mit kleinem Schmunzeln. Die Zeitspanne wird zusätzlich durch die Programmhefte dieser Jahre verdeutlicht, die sie auf einem Tisch ausgebreitet hat. Sie reicht von 1988 bis 2021 – das Programm 2022 befindet sich noch in der Druckerei. Als 30jährige war die studierte Sozialarbeiterin und Sozialpädagogin seinerzeit die jüngste Leiterin einer Familienbildungsstätte im Bistum Münster. Sie habe ein gut vorbereitetes Haus übernehmen können, erinnert sie sich. Qualitativ gut aufgestellt und mit seinerzeit „nur“ 6.000 Unterrichtsstunden jährlich. Eine „Aufbauphase“ sei das damals gewesen, sagt sie und spricht von einer „Zeit, als sehr viel möglich war“. Die Eltern-Kind-Kurse waren sehr voll, „es gab dicke Aktenordner mit Wartelisten für diese Kurse“. Sie lacht bei dem Wort „Aktenordner“, denn es zeigt, wie lange das alles bereits zurück liegt.

Die Bevölkerung habe ein großes Interesse an Weiterbildung gehabt, sagt Pinnekamp, die im weiteren die Zusatzausbildung zur Gesundheitspädagogin machte. Freizeitgestaltung, Gesundheit – die Themenfelder im Haus der Familie wurden breiter, das Angebot größer. Nach ein paar Jahren lag die Stundenzahl bereits wesentlich höher. Ohne Einbußen bei der Qualität, denn das Team hatte immer einen hohen Anspruch an sich selbst. Sie habe aber auch oft sehr viel vom Team verlangt, sagt sie, womit sie dem Team viel abverlangt habe. „Das waren manchmal auch recht unbequeme Visionen, die ich hatte“. Sie sei dankbar für das Engagement der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, zu denen immer mehr freie Referentinnen und Referenten hinzukamen.

Die finanziellen Ressourcen waren mit den größeren Aufgaben natürlich auch enger geworden, so dass es 2006 zu einem bedeutenden Schritt kam: dem Zusammenschluss mehrerer Bildungsinstitute im Kreis zum Katholischen Bildungsforum im Kreisdekanat Warendorf. Durch die Fusion ist das Haus der Familie nunmehr in der Trägerschaft eines gemeinnützigen Vereins. „Das Dekanat ist größer als der Kreis Warendorf“, erläutert Frau Pinnekamp, und zeigt sich dankbar, dass der Vorstand ihr sein Vertrauen schenkte und ihr die Geschäftsführung übertrug. Damit hatte sich ihre Arbeit noch einmal massiv verändert. Doch der Zusammenschluss habe allen gut getan, denn damit wurden finanzielle und personelle Ressourcen und Synergien nutzbar. „Heute sind wir als großer Bildungsträger ganz gut aufgestellt“, so ihr vorsichtiges Understatement.

Die große Vielfalt in den Arbeitsbereichen habe ihr immer besonders gut gefallen, versichert sie und unterstreicht, dass dies alles nur möglich war durch das Engagement und die Mitarbeit aller Haupt- und Ehrenamtlichen sowie der freien Mitarbeiter. Sie sei unendlich dankbar für die vielen guten Stunden in der Arbeit, die so möglich geworden seien. Sie lobt die Flexibilität des Teams, das oft Wege mitgegangen sei, die nicht einfach schienen. Dadurch sei es möglich geworden, dass das Katholische Bildungsforum und das Haus der Familie sehr gut aufgestellt ist. „Wir machen kreisweit – außerhalb von Corona – 25.000 Stunden mit 34.000 Teilnehmern“, zeigt sie auf. Im Haus der Familie sind es 11.000 Stunden mit 15.000 Teilnehmern jährlich.

Lernen solle niedrigschwellig sein, bezahlbar und allen die Möglichkeit geben, daran teilzunehmen, wünscht sich Ursula Pinnekamp. Und neben der kognitiven Wissensvermittlung habe sie seit Anbeginn ihrer Tätigkeit auch Raum geben wollen für Begegnungen und Beziehungspflege. Sie wolle mit dem Haus Menschen Mut machen Bindungen aufzubauen, in Beziehungen zu gehen, Vertrauen reifen zu lassen und ihnen das Gefühl geben, wertgeschätzt zu sein. Gerade bei der Bildungsarbeit mit Kindern gebe ihnen dies eine gute Basis für die Weiterentwicklung.

Die Werte die ihre Arbeit ausgemacht haben, behält Ursula Pinnekamp bei und nimmt sie mit in einen neuen Lebensabschnitt, auf den sie sich sichtlich freut. Sie betont dabei aber auch die Freude, mit der sie immer zur Arbeit gefahren sei und äußert einmal mehr ihre Dankbarkeit. Einiges werde sie durchaus vermissen, weiß sie. Nun aber stehe zunächst ein etwas längerer Urlaub an. „Ich nehm‘ mal Gas raus“, hat sie beschlossen. „Aber das“, so ahnt Ursula Pinnekamp „muss ich bestimmt auch üben!“

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