12. August 2018 / Allgemein

Im Schweinsgalopp durch Warendorf

Pferdeprozession 2018

Im Schweinsgalopp durch Warendorf

Im Schweinsgalopp durch Warendorf
„Kann man sich denn hier nirgendwo setzen? Sonst konnte man doch hier so schön dabei sitzen!“ Die ältere Dame ist sichtlich irritiert. Suchend wandern ihre Blicke durch die Warendorfer Fußgängerzone, wo hunderte Menschen bei herrlichem Wetter auf die diesjährige Pferdeprozession durch die Marienbögen warten. „Nein, Mutti, das geht nicht!“ – „Ich muss aber sitzen, so lange kann ich nicht stehen! Dann bring mich nach Hause!“
All zulange hätte die Frau aber ohnehin nicht bleiben müssen, denn die Prozession war in diesem Jahr mit weniger Teilnehmern besetzt als sonst bei schönem Wetter, und sie lief auch sehr schnell ab. Warum genau, konnte man auf dem Marktplatz erfahren. Hier erläuterten die Moderatoren den neuen Ablauf, der zwar wieder über den Marktplatz führte, aber durchaus anders war als sonst. Nicht nur, dass sämtliche Außengastronomie aus Sicherheitsgründen abgebaut war – dazu zählten auch Werbeaufsteller und sonstige Auslagen der an der Strecke liegenden Händler – auch der Ablauf am Markt war verändert. „Quasselmarathon“ war das Wort, das Moderator Mike Atig benutzte, als die Pferde und Kutschen den Markt erreichten. Anstatt wie früher kurz oder länger hier zu verweilen, damit die vielen Zuschauer neben einem ausgiebigen Blick auch ebensolche Informationen zu den jeweiligen Teilnehmern erhalten konnten, ging es im Schweinsgalopp über den Markt, während Mike Atig im besten Dieter Thomas Heck Schnellsprechstil kurz das Wissenswerteste über die vorbeirauschenden Gruppen erwähnte. Teils waren die Pferde dabei schneller als der Sprecher – für die Zuhörer eine Zumutung. Pausen sollten offensichtlich nur gemacht werden, wenn sie nicht vermeidbar waren, wie beispielsweise für den Rettungswagen mit Blaulicht, der sich seinen Weg durch die Menge bahnte und den gemeldeten Notfall suchte.
Weitere Notfälle gab es keine. Diese zu vermeiden war der Grund des neuen Sicherheitskonzepts, das zwar mehr Sicherheit schafft, der Prozession, die ohnehin weniger Teilnehmer als sonst verzeichnete, aber viel von ihrem Charme nimmt und für Händler wie Gastronomen eine zusätzliche Belastung bedeutet. „Verständnis ja, Begeisterung nein“, so die erste Einschätzung befragter Gastronomen, die ihren Gästen erklären mussten, warum die glücklich ergatterten Sitzplätze vor Beginn der Prozession zu räumen waren. Die meisten zeigten Verständnis, einige nicht. Wie die eingangs erwähnte Dame, aus deren Altersgruppe viele hoffnungsvoll zur Prozession gekommen waren. Für sie reichten die wenigen fest installierten Bänke bei weitem nicht aus.
Es gibt also – mit Sicherheit – noch einige Probleme zu lösen.

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