4. Dezember 2023 / Allgemein

Im Wandel der Zeit

125 Jahre weihnachtliche Werbung in der ebbers-Galerie

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Im Wandel der Zeit

125 Jahre weihnachtliche Werbung in der ebbers-Galerie

Im vergangenen Jahr bekam Rudolf Berger, der Senior im Modehaus Ebbers, ein Weihnachtsheft des Warendorfer Warenhauses Elsberg (1872 – 1936) aus dem Jahr 1928 geschenkt. Da entstand die Idee zur Ausstellung rund um „Weihnachtliche Werbung in Warendorf“.

„Weihnachten in der Provinz, speziell im kleinen Landstädtchen Warendorf, das reizte mich,“ begann Rudolf Berger seine Ausstellungsführung in der Ebbers-Galerie. Beispiele von Weihnachtswerbung aus drei Jahrhunderten sind zu sehen, von der einfachen Typografie der Lokalzeitung 1896 bis zum Offsetdruck des 21. Jahrhunderts.

Zu sehen sind in der Ausstellung Beispiele von „Werbung in der Zeitung“, von „Wurfsendungen“ und von „Weihnachtlichem Straßenschmuck“. Manches Ausstellungsstück ist Original aus den Archiven von Ebbers, Potthoff & Scholl und Opitz, vieles aber auch nur als Kopie zu sehen: die Originale werden nicht ausgeliehen, weil altes Papier empfindlich ist. 

In Warendorf konkurrierten zeitweise vier Zeitungsredaktionen, die die „weite Welt ins Haus holten“ und über Lokales berichteten. Viele Ausgaben sind im Kreisarchiv Warendorf einzusehen, einige Jahrgänge sind im Zeitungsarchiv NRW digitalisiert, andere alte Zeitungsausgaben, insbesondere aus den 1950er bis 2000er Jahren sind fototechnisch registriert wie z.B. die Ausgaben der Tageszeitung „die Glocke“. 

In all diesen Quellen hat Rudolf Berger für die Ausstellung in der ebbers-Galerie geblättert, recherchiert, fotografiert: „Es hat viel Freude gemacht – und manche Erinnerung geweckt.“ Zum Beispiel an ein großes Märchenbild zwischen den Emsbrücken.“ Die Erinnerung trügt nicht: In der Weihnachtsanzeigenseite 1954 im „Neuen Emsboten“ werben die Warendorfer Einzelhändler mit „1000 Lichtern und Großen Märchenbildern“. Im gleichen Jahr lobt der Verkehrsverein Warendorf eine Belohnung von 50 DM aus für diejenigen, die Mitteilung über die Personen machen, die das Märchenbild am Wilhelmsplatz zerstört haben.

Aber wie sahen die Märchenbilder aus? „Ein Bild dieser Märchengruppen habe ich in der Zeitungsrecherche und im Kreisarchiv nicht gefunden. Hat vielleicht ein Leser, eine Leserin ein Bild im Fotoalbum?“ fragt Rudolf Berger. 

Zu sehen in der Ausstellung sind Bilder der weihnachtlichen Straßenbeleuchtung. Ein Bild vom Manufakturwarengeschäft Wieskus in der Straße Im Ort zeigt die ersten Straßenüberspannungen der 60er Jahre, die Anfang der 1970er Jahre dann durch große „Eiskristalle“ ersetzt wurden. In den Giebelfenstern der Häuser leuchteten Tropfenbirnen, große Tannenbäume schmückten den Markt und die Zufahrten in die Altstadt. Die Straßenüberspannungen wurden mehrmals erneuert, die Motive wechselten. 

Weihnachtswerbung in den Zeitungen: die ältesten Anzeigenseiten betreffen das Jahr 1896. Viele kleine Annoncen weisen auf die Vielzahl der Geschäfte hin, die es damals gab. Geworben wurde schwerpunktmäßig an den Tagen direkt vor Weihnachten. 

Interessant sind die Marketingmaßnahmen (das Wort gab es allerdings damals noch nicht): „Jeder Käufer erhält ein praktisches Geschenk“ oder: „bis Weihnachten 5% Rabatt“, „Weihnachts-Ausverkauf“ und „Weihnachtsverlosung“.

Die meisten Anzeigen jener Zeit sind einspaltig und wirklich klein. So gut wie keine Firma, die 1896 geworben hat, ist heute noch vertreten. In welcher Straße war das Geschäft? Eine Straßenbezeichnung fehlte bei den meisten Annoncen, man kannte sich ja. 

Aber in einer Anzeige mit einem Strickwarenangebot der Frau E. Kolkmann stand eine Straßenbezeichnung mit Hausnummer: Totenstr. 1. „Das ist das Haus, in dem Maria Ebbers 1900 ihr Geschäft eröffnete. Also hat es eine Vorgängerin gegeben. Anlass, weiter zu forschen, seit wann in diesem Haus Textilien verkauft wurden, es vor Ebbers schon ein Manufakturwarengeschäft gab“, kennt Rudolf Berger seine nächste Rechercheaufgabe. Denn das 125-Jahre Jubiläum bei Ebbers steht bald an. 

Einige Bildtafeln beschäftigen sich mit den Jahren 1929 – 1931. Die Inflation war zwar vorbei, aber politische Unruhen und wirtschaftliche Repressionen bestimmten die Jahre. Besonders die Arbeitslosigkeit machte es den Geschäften schwer. Wer eine Zeitung abonnierte gehörte zu den Besserverdienenden, um die sich die Einzelhändler besonders bemühten. Auffällig in den Dezemberzeitungen 1929 bis 1931 sind die großen Anzeigen des Warenhauses L. Elsberg, die fast an jedem Tag in der Zeitung standen. 

Bei einigen Anzeigen tun wir uns beim Lesen heute schwer: die Sütterlinschrift ist uns nicht mehr geläufig. Da sind „Schriftdetektive“ gefragt, die die Texte „übersetzen“. In der Ausstellung liegen Kopien einer dieser Anzeigen bereit, damit man zuhause bei Oma oder Opa nachfragen kann, ob sie das noch lesen können …. 

(Anzeige im Anhang)

Die Anzeigengestaltung änderte sich nach dem 2. Weltkrieg anfangs nur wenig. Zur bildlichen Gestaltung wurden Strichzeichnungen eingesetzt, der Gebrauch von Fotografien kam erst langsam in Mode. Beworben wurden der „Kupferne“, der „Silberne“ und der “Goldene Sonntag“. Das waren die Sonntage vor Weihnachten, die im Ladenschlussgesetz 1956 geregelt wurden. 

Um eine breite Verteilung der Werbemittel zu erreichen gab es Wurfsendungen “An alle Haushalte“. An einen kaufkräftigen Kundenkreis richtete sich die Verteilung über die Post, die damals auch die Rundfunkgebühren einzog: „An alle Rundfunkteilnehmer“. 

Beispielhaft ist die Gemeinschaftswerbung Warendorfer Einzelhändler ausgestellt. Es gab sie als Beilagen der Zeitungen in den 1950er Jahren, als Anzeige in den Tageszeitungen mit wechselnden Bildmotiven bis Ende der 1960er. Im Ebbers-Archiv befinden sich über mehrere Jahre Gemeinschaftsanzeigen großer Warendorfer Geschäfte, die zum Adventsbummel einluden.

Seit den 1960er Jahren gestalteten die Tageszeitungen Anzeigen-Kollektive, in denen die Anzeigen mehrerer Geschäfte in Verbindung mit redaktionellen Texten als Beilage erschienen. Waren es zu Beginn kleine Hefte, sind es heute oftmals nur noch Doppelseiten, mit denen für einen Weihnachts-Einkaufsbummel in Warendorf geworben wird.     

Dieser „Streifzug durch die Jahrhunderte“ hat bei Rudolf Berger Wehmut aufkommen lassen: „Ich erinnere mich an viele Geschäfte, die es heut nicht mehr gibt, an die Inhaber, an ihre Sortimente.“ Berger gehörte 1972 zu den Grünern des „Werberings Einkaufsstadt Warendorf“, einer Vereinigung der Einzelhändler in der Stadt, auf deren Initiative  Weihnachtsmarkt, Fettmarkttrödel, Maibaumaufstellen, Weinmarkt und auch die „Warendorfer Rappen“ zurückzuführen sind:  diese „Gutscheinmünzen“ sind in einer Vitrine zu sehen.

Geöffnet ist die Ausstellung in der Ebbers-Galerie Montag bis Samstag von 10 bis 18 Uhr und am Sonntag, 10. Dezember von 13 bis 18 Uhr.

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