21. Oktober 2022 / Allgemein

"In den Krisen rücken die Warendorfer zusammen"

Wie "Warendorfer Köpfe" mit den aktuellen Situationen umgehen und was sie bewegt

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"In den Krisen rücken die Warendorfer zusammen"

Wie "Warendorfer Köpfe" mit den aktuellen Situationen umgehen und was sie bewegt

Warendorf ist liebens- und lebenswert, dass stellte die Veranstalter- und Modertorengemeinschaft Reinhard Hesse, Gerd Leve und Christioph Hess zu Beginn klar. Viele Events, nicht nur rund ums Pferd, die wunderschöne Altstadt und vor allem die Menschen hier machen den Reiz aus und prägen die Stadt. Und genau um die Menschen ging es bei „Warendorfer Köpfe“, die jetzt nach zweieinhalb Jahren in die nunmehr dritte Runde ging. Rund 150 Gäste ließen sich das Format im Hotel Im Engel am Donnerstagabend nicht entgehen. Schwerpunktthemen waren dabei Corona und der Krieg in der Ukraine. Den Auftakt machte Warendorfs Bürgermeister Peter Horstmann, der am Fettmarktmittwoch seinen 36. Geburtstag feierte. „Das war ein besonderer Tag. 140 Gäste haben mir ein Ständchen gebracht“, sagte der Bürgermeister. Mit dem Fettmarkt sei er sehr zufrieden gewesen. Diese Rückmeldung habe er auch von den Schaustellern bekommen. Befragt zu Kindheitserinnerungen wusste Horstmann zu berichten, dass er immer mit dem Fahrrad zur Schule gefahren sei und er auf Wunsch seiner Großmutter das  Gedicht „Dat Pöggsken“ von Augustin Wibbelt auswendig lernen musste. Eine Kostprobe davon trug er dem begeisterten Auditorium auch sogleich vor. Weiter erfuhren die Gäste, dass der erste Bürger gerne Fußball gespielt hat, aber seine Treffquote wohl nicht so berauschend war und das er es bis zum Europameister im Kung Fu gebracht hat. „Unser Verein war sehr klein, da war man schnell auf Europaebene“, warf er schmunzelnd ein. Auch eine romantische Ader wohne in ihm, wie Gerd Leve feststellte. „Ich kaufe immer reichlich Bücher, komme jedoch kaum zum Lesen“, so Horstmann. Als Ausgleich zum Beruf würde er Gedichte schreiben, „die aber oft unvollendet bleiben.“ Als eine prägende Zeit gab der Bürgermeister seinen Zivildienst in der Pflege an, den er als große Bereicherung erlebt habe. Mit Blick auf den Krieg in der Ukraine und die Energiekrise sagte Horstmann: „Ich merke, dass die Menschen mehr zusammenrücken. Es hilft nicht, in Depressionen zu verfallen. Wir haben eine solide und resilliente Gesellschaft. Das Leben geht weiter und wir sollten die Freude nicht verlieren.“ In diesem Sinn hoffe er, dass wir weiter in Frieden und ohne große Katastrophen leben „und wir unseren kleine heile Welt Status beibehalten können.“

In noch sehr lebhafter Erinnerung ist der Beginn der Coronapandemie bei Florian Brechtken. Dem stellvertretende Stationsleiter der Intensivpflege am Josephs Hospital wurde seine Berufung praktisch in die Wiege gelegt, sein Vater ist Pflegedirektor und seine Mutter in der Personalabteilung des Warendorfer Krankenhauses. Und auch seinen Kindheitswunsch konnte Brechtken verwirklichen – er engagiert sich seit seinem 17. Lebensjahr in der Freiwilligen Feuerwehr. „Ich kann mich noch sehr gut an meine erste Corona-Patientin erinnern. Die hat es ganz gut geschafft.“ Isolationsmaßnahmen seien schon vor Corona bekannt gewesen, jedoch nicht in dieser Fülle. „Das gab es vorher nicht, dass man drei bis vier schwerkranke Patienten über Wochen intensivmedizinisch betreuen musste. Wir haben viele gehen sehen.“ Die ersten beiden Wellen habe man gut hinbekommen, so Brechtken. „Momentan wird es aber kritisch. Die Intensivstationen im Kreis Warendorf sind ausgelastet. Es ist wirklich ganz dramatisch.“

In der damaligen Sowjetunion hat das Ehepaar Bograd gelebt. Leonid wurde in Russland geboren und hat in Moskau studiert. Bis zu seinem Ruhestand hat er seit 2006 als Viszeralchirurg am Josephs Hospital gearbeitet. Seine Frau Inna erblickte in Deutschland – in der ehemaligen DDR – das Licht der Welt, hat ihre Wurzeln allerdings in der Ukraine. „Warendorf hat eine besondere Aura.“ Was sie ihren Freunden über Warendorf sagen würden? „Was soll ich denen denn sagen? Die waren alle bereits hier und würden hier gern ein Haus bauen“, sagte Leonid Bograd. Ursprünglich wollte der Mediziner übrigens den Ruhestand in Russland verbringen. „Diese Hoffnung habe ich aufgegeben. Ich bin sehr froh, dass ich nicht in Russland bin. Meine Landsleute erkenne ich nicht wieder. Das ist unglaublich.“ Sie würden ständig fernsehen, um sich über den Krieg in der Ukraine über  zahlreiche Kanäle zu informieren. „Wir haben anfangs gar nicht geschlafen. Gott sei dank sind die Ukrainer stoische Menschen. Die haben es mit wenigen Mitteln geschafft, sich zu verteidigen und ich bin wirklich stolz auf diese Menschen“, sagte Inna Bograd. Vehement forderte sie, auch wenn Deutschland bereits viele Hilfen leiste, auch Waffen in die Ukraine zu liefern. „Die Ukraine braucht wirklich Waffen. Man darf schließllich nicht vergessen, dass die Ukraine ein Schild für Deutschland ist. Das ist kein Spaß.“ Das Ehepaar machte deutlich, dass die Propaganda im russichen Staatsfernsehen sehr professionell sei. Deutschland, Europa und Amerika seien die Feinde, die Russland bekämpfem müsste, werde da zum Beispiel verbreitet. „Für die Ukraine sehe ich gute Aussichten, für Russland nicht“, sagte Leonid Bograd.

Der Lebenslauf von Johannes Austermann sei kurz, stellte Reinhard Hesse fest: „etwa 90 Prozent Ehrenamt.“ Das Ehrenamt sei ihm bereits in die Wiege gelegt worden. Er wolle der Gesellschaft etwas zurückgeben, weil es Freude mache. „Das Ehrenamt macht Warendorf aus“, sagte der Betreiber des Filmtheaters Scala. Als schst Klässler habe er gemerkt, dass Klassensprecher eine interessante Tätigkeit sei. Der weg zum Schulsprecher sei dann nicht mehr weit gewesen. Ebenfalls habe er sehr lange als Meßdiener gearbeitet. „Wenn man tut, was einem Spaß macht, kann sich eigentlich jeder ehrenamtlich engagieren“, sagte Austermann und findet: „das Ehrenamt sollte besser dargestellt werden. Das Ehrenamt kann auch für berufliche Arbeit förderlich sein.“ Seinen weg in die Politik indes habe er quasi am Küchentisch für sich entschieden, familiär „vorbelastet“ sei er hier allerdings nicht. „Ich hatte wenig Berührungspunkte mit der Politik.“ Als wichtige Basis betrachtet der Jungunternehmer vor allem sein Engagment im Theater am Wall. Die Bedienung der 35 mm Projektoren habe sich hier zu einer Leidenschaft entwickelt, die letztlich auch den Anstoß gab, nach einer Banklehre bei der Sparkasse das Scala Kino zu übernehmen. Johannes Austermann war jedoch schon vor seiner Ausbildung nebenberuflich mit einem Getränkehandel selbstständig. Die kleine graue Ape, mit der er Limonaden ausliefert, dürfte in Warendorf bestens bekannt sein. „Man braucht viel Leidenschaft und Spaß für die Selbstständigkeit, sonst schafft man das nicht“, so sein Fazit. Bezugnehmend unter anderem auf die Corona Pandemie, wo auch Austermann sein Kino zeitweise schließen musste bemerkte er: „Jede Krise birgt auch eine Chance für Neues. Einen Masterplan habe ich nicht. Der Plan entsteht, wenn es eng wird. Es werden bestimmt noch viele Projekte geboren, von denen ich jetzt noch nichts weiß.“ Nur sein größter Traum, einmal in einem Loriot-Film mitzuspielen, der dürfte wohl nicht in Erfüllung gegen.

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