14. Februar 2026 / Allgemein

Investieren trotz Engpässen

Wie Telgte seine Zukunft sichern will

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Investieren trotz Engpässen

Wie Telgte seine Zukunft sichern will

Die Herausforderungen sind enorm – doch der Gestaltungswille ist ungebrochen. Beim Rathausgespräch in Telgte diskutierten die neue Bürgermeisterin Katja Behrendt, Kämmerer Stephan Herzig, Fachbereichsleiter Stefan Klein-Ridder sowie der CDU-Landtagsabgeordnete Daniel Hagemeier über die Zukunft der Stadt zwischen Haushaltskrise und Investitionsdruck.

Haushalt am Limit – Stadt fordert Entlastung
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Mit einem Defizit von 13,1 Millionen Euro steht Telgte vor dem bislang schlechtesten Haushalt seiner Geschichte. „Uns steht das Wasser finanziell bis zum Hals“, brachte Bürgermeisterin Behrendt die Situation auf den Punkt.

Steigende Aufgaben, eine schwache Konjunktur und wachsende strukturelle Belastungen setzen Kommunen landesweit unter Druck. Telgte fordert daher von Bund und Land die konsequente Einhaltung des Konnexitätsprinzips: Wer Aufgaben überträgt, muss auch für deren vollständige Finanzierung sorgen. Zudem wünscht sich die Stadt klare Sparanstrengungen auch auf übergeordneten Verwaltungsebenen.

Milliarden für Städte und Gemeinden
Daniel Hagemeier zeigte Verständnis für die Sorgen vor Ort. Das Land Nordrhein-Westfalen halte trotz wirtschaftlich anspruchsvoller Zeiten an seinem Investitionskurs fest. Von einem Landeshaushalt in Höhe von 112,3 Milliarden Euro fließe jeder dritte Euro an die kommunale Familie.

Mit dem Nordrhein-Westfalen-Plan stelle das Land zusätzlich 21 Milliarden Euro für Städte und Gemeinden bereit. Über das Gemeindefinanzierungsgesetz erhält Telgte in diesem Jahr 9,3 Millionen Euro. Besonders wichtig für die Planungssicherheit: Die Investitionspauschalen seien für die kommenden zwölf Jahre garantiert – unabhängig von der Wirtschaftsentwicklung.

„Wir investieren, priorisieren und stellen unser Land zukunftsfest auf“, betonte Hagemeier.

Rathaus: Sanierung oder Neubau?
Ein zentrales Projekt ist das 1974 errichtete Rathaus. Nach rund 50 Jahren gilt das Gebäude als technisch marode und teilweise schadstoffbelastet. Gleichzeitig steht der markante Bau an der Ems unter Denkmalschutz.

Die Frage „Sanierung oder Neubau?“ ist noch offen. Klar ist jedoch: Die Kosten werden in jedem Fall erheblich sein. „Wir müssen die Menschen in dieser Stadt mitnehmen“, so Behrendt. Fördermöglichkeiten und Gespräche mit den zuständigen Stellen sollen helfen, eine tragfähige Lösung zu entwickeln.

Bahnübergänge und komplizierte Förderstrukturen
Dringenden Handlungsbedarf sieht die Stadt zudem bei der Sicherung mehrerer Bahnübergänge an einer stark frequentierten Strecke. Nachdem eine Vorfinanzierung durch das Land nicht zustande kam, steht nun eine Zwischenfinanzierung durch die Stadt im Raum.

Angesichts der Haushaltslage könne dies jedoch nur kurzfristig erfolgen, machte Kämmerer Herzig deutlich. Problematisch sei darüber hinaus das Fördersystem insgesamt: Förderprogramme erfordern stets einen kommunalen Eigenanteil – fehlt das Eigenkapital, können Mittel nicht abgerufen werden.

Hier brauche es schnellere Verfahren und weniger Bürokratie, so der Tenor des Gesprächs.

Bildung, Betreuung und Zukunftsperspektiven
Neben baulichen Maßnahmen stellen auch gesellschaftliche Aufgaben die Stadt vor Herausforderungen. Der vorübergehende Rückgang der Kinderzahlen erschwert die Personalplanung – insbesondere mit Blick auf das Wohnbaugebiet Telgte-Süd, das künftig wieder steigende Bedarfe erwarten lässt.

Auch die geplante ganzjährige OGS-Betreuung wirft organisatorische und finanzielle Fragen auf. Die Verwaltung machte deutlich, dass eine vollständige Abdeckung aller Ferienzeiten unter den aktuellen Rahmenbedingungen kaum leistbar sei.

Daniel Hagemeier sicherte zu, die Themen mit nach Düsseldorf zu nehmen. „Bildung hat für uns höchste Priorität. Kinder und Jugendliche zu fördern, bleibt unser zentrales Anliegen.“

Blick nach vorn: Ausstellung im „Religio“ 2027
Trotz aller finanziellen Engpässe richtet Telgte den Blick nach vorne. Für das Jahr 2027 ist im Religio eine Ausstellung zum Thema „Judentum im ländlichen Raum“ geplant – ein Projekt mit besonderer gesellschaftlicher Relevanz.

Telgte steht vor schwierigen finanziellen Entscheidungen. Doch trotz angespannter Haushaltslage will die Stadt investieren, Prioritäten setzen und ihre Zukunft aktiv gestalten. Klar ist: Ohne verlässliche Unterstützung von Land und Bund wird dieser Kraftakt kaum zu bewältigen sein.

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