21. Februar 2020 / Allgemein

Kapelle und Kamelle

Sassenberg feiert Altweiber

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Kapelle und Kamelle

Steht da so ein Steppke am Straßenrand, gerade einmal groß genug um schon die ersten Wörter schreiben und lesen zu können, und fragt seine Mutter „Warum hat denn die Kapelle mit spielen aufgehört?“ – Wie bitte? Kapelle? Ein in der Generation Facebook bereits vom Aussterben betroffenes Wort aus dem Mund eines Vierjährigen. Fehlt nur noch, dass er jetzt lauthals „Kamelle“ ruft.

Das tat er nicht, sondern beschränkte sich auf die emsige Auswahl der besten geworfenen Materialien. Chips gut, Plombenzieher schlecht. Lutscher will fast niemand mehr. Warum Parkscheiben geworfen werden, wissen wohl nur die Wagenbesatzungen. Ebenso wie die Gründe dafür, dass sie mit kubikmeterweise Kunstnebel den Fotografen mal wieder die besten Fotomotive kaputt machen. Fehlt nur noch ein Wagen mit Jugendlichen, die den Anhänger so weit aufschaukeln, dass er jeden Moment umstürzen kann. Ach ja, da kommt er schon.

Passiert aber nix. Denn alles in allem ist der Sassenberger Karnevalszug an Weiberfastnacht ein fröhliches, unkompliziertes Geschehen. Mit viel Spaß an der Freud, von den genannten Besonderheiten einmal abgesehen. Seit Jahren nach dem gleichen Muster, schon lange sehr erfolgreich und, wenn es nicht gerade aus Eimern meimelt, absolut beliebt.

Selbst beim Bürgermeister, obwohl der seinen schwersten Tag hat. Muss er doch die Macht abgeben. Nicht an einen anderen Kandidaten, das hat noch Zeit bis zur Kommunalwahl. Sondern an zwei Prinzen: „Prinz Lui I. - Von Gesang und Fanfarenklang“ und „Prinz Tim I., der Saubermann, der mit Sachsen kann“ übernahmen erwartungsgemäß die Regentschaft in Sassenberg. Obwohl sogar der Papst neben dem Bürgermeister stand, überschritten die Majestäten nach hartem Kampf – Josef Uphoff glaubte schon fast, gewonnen zu haben – die Schwelle des Rathauses, und ihnen folgte eine nicht enden wollende Zahl begeisterter Narren und Jecken, die sich vorher auf den Wagen und am Straßenrand bereits in Karnevalsstimmung gebracht hatten. Viele von ihnen kostümiert, alle in bester Laune. „Denn einmal nur im Jahr ist Karneval“, und am Aschermittwoch ist sowieso alles vorbei. Also besser Spaß haben. Sogar der WDR hatte die Sassenberger Narren auserkoren, die lokale Sendezeit zu bereichern. Mit Bildern vom Umzug und einer Schalte in das Festzelt neben dem Verwaltungsgebäude, wo es nach dem Kehraus im Rathaus noch lange feucht fröhlich weiter gehen sollte.

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