Warendorf - Was für eine Premiere! Mehr als 450 Zuschauer, 13 Kämpfe, drei Titelentscheidungen und zum großen Finale ein spektakulärer K.o. des Gastgebers: Die erste „Vitos Fight Night“ hat am Samstagabend eindrucksvoll gezeigt, dass der Boxsport auch in Warendorf ein begeistertes Publikum hat.
Schon im Vorfeld hatte sich abgezeichnet, dass das Interesse groß sein würde. Die rund 300 Sitzplätze waren restlos ausverkauft, an der Abendkasse gingen zusätzlich zahlreiche Stehplätze über den Tresen. Besonders bemerkenswert: Die Boxfans kamen nicht erst zu den Profikämpfen. Bereits bei den ersten Amateurduellen war die Halle gut gefüllt und die Stimmung entsprechend lautstark.
„Ich bin ehrlich gesagt überwältigt von dem, was hier heute entstanden ist“, zog Johann Kessler, Bruder des Veranstalters und Cheftrainers Victor Kessler von Vitos Gym, ein rundum positives Fazit. Besonders freute ihn die Unterstützung für die Nachwuchsboxer: „Die Leute waren fairerweise von Anfang an dabei und haben die Amateure lautstark unterstützt.“
13 Kämpfe und drei WBF-Titelentscheidungen
Sportlich hatte die Premiere einiges zu bieten. Insgesamt standen 13 Kämpfe auf dem Programm – sieben im Amateur- und sechs im Profibereich. Gleich drei Begegnungen wurden als offizielle Titelkämpfe der WBF (World Boxing Federation) ausgetragen.
Für zusätzliche Stimmung sorgte das große Lager des Gütersloher Partnervereins, das seine Kämpfer lautstark unterstützte und damit seinen Teil zur besonderen Atmosphäre des Abends beitrug.
Im Mittelpunkt stand jedoch ein Mann, für den die Fight Night gleich in mehrfacher Hinsicht zu einem außergewöhnlichen Ereignis wurde: Victor Kessler.
Er hatte das Großevent organisiert, fünf seiner Schützlinge auf ihre Ringdebüts vorbereitet und sollte schließlich selbst noch einmal die Boxhandschuhe schnüren. Ein Mammutprogramm, das ihm an diesem Abend einiges abverlangte.
Auch seine Nachwuchsboxer konnten bei ihren ersten Auftritten überzeugen und bescherten dem heimischen Lager mehrere Erfolgserlebnisse.
Victor Kessler verabschiedet sich mit einem K.o.
Dann gehörte der Ring dem Hausherrn selbst – und es sollte ein ganz besonderer Kampf werden. Im Halbschwergewicht traf Victor Kessler auf Nikolaj Radulovic. Gleichzeitig war es der letzte Profikampf in Kesslers langjähriger Karriere.
Und für seinen Abschied hätte er sich wohl kaum ein besseres Drehbuch wünschen können.
In der dritten Runde machte Kessler kurzen Prozess und beendete den Kampf mit einem spektakulären Knockout. Der Jubel im eigenen Lager und unter den Zuschauern kannte anschließend kaum Grenzen. Nach einem Abend, an dem er als Organisator und Trainer gefordert gewesen war, setzte Kessler als Boxer selbst den emotionalen Schlusspunkt unter die Premiere seiner Fight Night.
„Mr. Bomb“ holt sich den Weltmeistertitel
Nicht weniger eindrucksvoll verlief der WBF-Weltmeisterschaftskampf von David „Mr. Bomb“ Kerkmann gegen Sladan Janjanin. Kerkmann ließ keinen Zweifel daran aufkommen, wer den Ring als Sieger verlassen sollte.
Bereits in der zweiten Runde war der Kampf beendet. Damit zahlte sich die intensive Vorbereitung aus und Kerkmann durfte sich über den WBF-Titel freuen.
Einen weiteren WBF-Titel des Abends sicherte sich der Brite Neill Wilson, der sich nach sechs Runden durchsetzen konnte.
„Boxen ist eine extrem technische Sportart“
Doch für die Kesslers geht es beim Boxsport um weit mehr als Siege, Titel und spektakuläre K.o.-Erfolge. Johann Kessler nutzte die erfolgreiche Premiere auch, um mit einem Vorurteil aufzuräumen.
„Boxen ist nichts Aggressives, sondern eine extrem technische Sportart, die enorm viel Disziplin erfordert und perfekt zur Selbstverteidigung geeignet ist“, betonte er.
Gerade Frauen und Kinder möchte er dazu ermutigen, mögliche Berührungsängste abzubauen und den Sport selbst kennenzulernen. Dafür bietet Vitos Gym unter anderem ein kostenloses Probetraining an.
Wie wichtig Gemeinschaft im Kampfsport ist, zeigt sich auch abseits großer Veranstaltungen. Regelmäßig treffen sich die Warendorfer an den Wochenenden mit befreundeten Kampfsportschulen aus Gütersloh, Bielefeld oder Oelde zum gemeinsamen Sparring.
Gibt es eine zweite Vitos Fight Night?
Nach dem erfolgreichen Auftakt dürfte diese Frage viele der mehr als 450 Zuschauer beschäftigen. Eine sofortige Antwort gibt es allerdings noch nicht.
„Wir lassen Victor jetzt erst einmal abkühlen“, sagte Johann Kessler mit einem Schmunzeln.
Nach monatelanger Vorbereitung, fünf betreuten Ringdebüts, der Organisation eines kompletten Boxevents und dem eigenen Karriereabschluss dürfte diese Pause durchaus verdient sein.
Die erste Vitos Fight Night hat jedenfalls gezeigt, dass Warendorf Lust auf Boxsport hat. Und nach diesem Auftakt dürfte es niemanden überraschen, wenn es irgendwann wieder heißt: Ring frei für die nächste Runde!
Möglich wurde die Premiere auch durch die Unterstützung zahlreicher Sponsoren. Dazu gehörten unter anderem Klaus Fot vom Wellnesscenter Warendorf, Phoenix Budosport aus Ennigerloh sowie das Warendorfer Logistikunternehmen Miller und Becker.
















