12. Januar 2025 / Allgemein

Könnte ja gut werden

Vorsichtig optimistischer Blick auf das Jahr 2025

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Könnte ja gut werden

Vorsichtig optimistischer Blick auf das Jahr 2025

Beim Neujahresempfang der Stadt warb Bürgermeister Peter Horstmann für mehr Gelassenheit und Optimismus. Vor rund 400 Gästen aus Bürgerschaft, Politik und Verwaltung spannte er im Warendorfer „Theater am Wall“ den Bogen von der kommunalen Gebietsreform vor 50 Jahren bis in die Gegenwart mit ihren zum Teil immensen Herausforderungen. Die letzten Wochen des vergangenen Jahres seien voller schlechter Nachrichten gewesen: Die Insolvenz des Warendorfer Krankenhauses, die Insolvenz von Sanitop, die Hausdurchsuchung in der Deutschen Reiterlichen Vereinigung FN und Todesfälle langjähriger Wegbegleiter in Politik und Verwaltung. Zudem habe der kommunale Haushalt ein Rekorddefizit.

Vor 50 Jahren, unmittelbar vor der kommunalen Gebietsreform, hätten die Schlagzeilen im Emsboten schon sehr ähnlich geklungen, sagte Peter Horstmann und relativierte damit augenzwinkernd die Herausforderungen der Gegenwart: Er zitierte aus dem Blatt und nannte Schlagzeilen, in denen es um Haushaltsprobleme, die Grundsteuerreform, große Investitionen in Warendorfer Schulen, den juristisch erzwungenen Rückbau der Fußgängerzone und den Bau des Emssees als Schutzmaßnahme gegen Emshochwasser ging. Und auch von Jubiläen war schon vor 50 Jahren die Rede, schon damals feierten Schützen und Hellebardiere. So, wie auch im Jahre 2025. Auch Warendorf werde in diesem Jahr feiern: 50 Jahre Warendorf als Flächengemeinde mit ihren Ortsteilen und 825 Jahre seit der Gründung des heutigen Ortsteils Warendorf.

Jubiläen seien Anlässe, die Herausforderungen der Gegenwart immer daran zu messen, ob zukünftige Generationen zufrieden auf heute getroffene Entscheidungen zurückblicken oder ob das heutige Tun oder Unterlassen künftig als negativ empfunden wird. Denn es gebe ja auch gute Nachrichten: Der Radweg am Alten Münsterweg stehe vor der Fertigstellung, der Abriss der Firma Brede in Freckenhorst sei fast abgeschlossen. Auch die Abrissarbeiten am alten Brinkhaus-Gelände auf der Emsinsel in Warendorf würden jetzt beginnen und so den Weg frei machen für die Emsrenaturierung. Die Brücke an der Nordumgehung sei so gut wie fertig und die Bauarbeiten für die Straße darüber könnten bald beginnen. Schließlich würden die Baugebiete in Hoetmar und Milte mit ihren angeschlossenen Gewerbegebieten das Bild Warendorfs in Zukunft verändern.

Die Finanzlage der Stadt sei aber ohne Zweifel eine Großbaustelle. Ohne Einschnitte bei den freiwilligen Leistungen der Stadt werde es nicht gehen. Sogar der Caritas-Warenkorb sei davon betroffen. Deshalb ließ Horstmann buchstäblich den Hut herumgehen und warb für großzügige Spenden zugunsten dieser caritativen Einrichtung. Indirekt machte Horstmann für die desolate Finanzsituation der Kommunen auch die Bundespolitik verantwortlich. Der Rede zur „Zeitenwende“ von Bundeskanzler Olaf Scholz im Jahr 2022 seien nicht die erhofften Reformen in Deutschland gefolgt. Die Parteien hätten sich schnell wieder im „Kleinklein“ verloren und so sei die Ampelkoalition gescheitert. Schließlich warb Horstmann für mehr Optimismus, mehr Konsens über alle Parteigrenzen und gesellschaftliche Gräben hinweg und – vor allem – für mehr Gelassenheit. Gelassenheit sei keine Faulheit oder Rückzug vor der Realität, sondern der pragmatische Weg, sich mit aller Kraft den Dingen zu widmen, die man zum Guten verändern kann und den Dingen, die man nicht beeinflussen kann, nicht zu viel Bedeutung beizumessen.

Der Rede des Bürgermeisters folgte ein musikalisches Highlight: Der erst 19-jährige Sassenberger Pianist Even Heinz spielte Stücke von Prokofjev und Rachmaninow und begeisterte das Publikum mit seiner Virtuosität.

Was die Stadt zunächst angekündigt hatte als „kurzen Impuls zum Jugendparlament“ entpuppte sich als zwei flammende, brillant vorgetragene Reden aus der jungen Generation: Die Sprecherin des Warendorfer Jugendparlaments Ingabelle Nikolitsch warb souverän dafür, die demokratische Grundordnung der Bundesrepublik zu verteidigen und durch mehr bürgerschaftliches und mehr politisches Engagement das Schicksal künftiger Generationen mitzugestalten. Politisches Engagement wäre nicht nur ein Kreuz auf dem Wahlzettel, sondern der Austausch von Meinungen und das Ringen um Kompromisse, das Formulieren von Ideen und das Erarbeiten von Konzepten und Eingaben, eben die gesamte Bandbreite des demokratischen Prozesses. Das Warendorfer Jugendparlament sei eine Institution, in der junge Menschen nicht nur gehört, sondern auch ernst genommen werden, ergänzte Anna Lutterbeck, die ihren Weg ins Jugendparlament skizzierte. Jeder kleine Schritt dahin sei ein Experiment gewesen, das sie jeweils optimistisch, vielleicht auch ein bisschen naiv angegangen sei, nach dem Motto „Könnte ja gut werden!“ Sie machte kurzen Prozess mit den medial verbreiteten Vorurteilen gegen die Generation Z: „So schlimm sind wir gar nicht. Aber wir sind eine kritische Generation, ständig im Krisenmodus!“ Viele ihrer Altersgenossen seinen sehr aktiv im Ehrenamt und auch politisch interessiert. Es sei wichtig, dass alle Generationen die Gesellschaft gemeinsam gestalten: „Alle Babyboomer, Generation X, Y und Z und alle Alphas und Betas – wir müssen zusammenarbeiten! Könnte ja gut werden!“ Für so viel Elan und Selbstbewusstsein gab es tosenden Applaus des Publikums im TaW. Genau wie für die Nova Beatz, die international erfolgreiche Hiphop-Dance-Formation des TSC Warendorf. Ihre mitreißende Performance riss die Gäste von den Stühlen. Sie klatschten begeistert mit und gaben sich hörbar enttäuscht, als nach der anstrengenden Tanzchoreographie keine Zugabe mehr möglich war. Die Nova Beatz hatten alles gegeben, und auch die Stadt Warendorf hatte sich beim Neujahrsempfang von ihrer besten Seite gezeigt.

 

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