Standing Ovations für ein außergewöhnliches Theaterfest
Kulturfeuerwerk begeistert hunderte Besucher im Theater am Wall
Warendorf - Seit mehr als einem Vierteljahrhundert ist das Jour fixe Theaterfest eine feste Institution im Warendorfer Veranstaltungskalender. Doch die XXL-Variante, die am Samstag hunderte Zuschauer in das altehrwürdige Theater am Wall lockte, setzte dem Ganzen noch einmal die Krone auf. Ein Frühlingsfest der Extraklasse, bei dem sich die Künstler förmlich die Klinke in die Hand gaben.
Den tiefgründigen Auftakt machte die Essener Singer-Songwriterin Hannah Stienen. Die einstige „Dein Song“-Finalistin fand mit ihren handgemachten Eigenkompositionen sofort den Draht zum Publikum. Zum ersten Mal stand sie nach zwei Soloauftritten gemeinsam mit ihrer Band auf den Warendorfer Bühnenbrettern und überzeugte mit emotionalen Songs und authentischer Bühnenpräsenz.
An zweiter Stelle folgte die Premiere des Beatles Choir aus Münster, der sich der Musik der legendären Pilzköpfe widmete und diese in frischen Arrangements präsentierte. Einen energetischen Kontrast dazu setzte anschließend das Große WaKaGe-Ballett mit seinem Schautanz „Fire and Ice“. Die präzise Choreografie verschmolz mit eindrucksvollen Lichteffekten und treibenden Beats zu einem dynamischen Gesamtkunstwerk, das die Zuschauer so sehr begeisterte, dass die Formation erst nach einer lautstark geforderten Zugabe die Bühne verlassen durfte.
Für leise, fast schon kammermusikalische Momente sorgte danach das Trio Jazzfalia aus Drensteinfurt, das in der Besetzung Trompete, Gesang und Gitarre brillierte. So einfühlsam kann Vocal Jazz aus Westfalen tatsächlich sein. „Jazz muss ja nicht weh tun“, lautete augenzwinkernd der Tenor der Band.
Direkt im Anschluss übernahm der Warendorfer Popchor Voice Cappella das musikalische Ruder. Unter der kurzweiligen Moderation von Chorleiter Thomas Michaelis sprang der Funke bereits mit den ersten Takten auf das Publikum über. Mit einer wohltemperierten Mischung aus Popsongs und volkstümlichen Weisen traf die Formation punktgenau den Nerv der Besucher. Natürlich blieb auch hier eine Zugabe nicht aus.
Ganz „perfide“ ging schließlich das Moderationsteam um Jochen Walter, Monika Mulder und Simon Groß zu Werke, als es einen KI-generierten Song präsentierte, der zuvor mit Schlagworten der auftretenden Künstler gefüttert worden war. „Eins kann KI nicht“, kommentierte Jochen Walter augenzwinkernd das Ergebnis: „KI kann keine Satire – und das ist tröstlich.“
Den fulminanten Abschluss des Abends übernahm schließlich die Formation „Sennet in Darkness“ aus Everswinkel. Thomas Kraß präsentierte dabei sein neuestes musikalisches Projekt. Besonders Leadsänger Stephan Hinssen, eigentlich klassischer Tenor, wusste hier zu überzeugen, indem er den symphonischen Songs eine majestätische Klangfärbung verlieh, die stark an die Progressive-Metal-Band Dream Theater erinnerte.
Am Ende feierte das Publikum im Theater am Wall ein abwechslungsreiches Kleinkunstfestival, das eindrucksvoll zeigte, wie lebendig, kreativ und vielseitig die regionale Kulturszene ist.













