24. Oktober 2025 / Allgemein

Lachen, Nachdenken, Staunen: Ein Abend mit den „Köpfen“ unserer Stadt

Elf Persönlichkeiten, elf Geschichten: Ein Abend voller Warendorfer Lebensfreude

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Lachen, Nachdenken, Staunen: Ein Abend mit den „Köpfen“ unserer Stadt

Elf Persönlichkeiten, elf Geschichten: Ein Abend voller Warendorfer Lebensfreude

Warendorf - Der große Saal des Hotels Im Engel war bis auf den letzten Platz belegt – zu Recht, wie sich schnell herausstellen sollte. Denn elf hochinteressante Gesprächspartner wurden im Rahmen der „Warendorfer Köpfe“ von den Moderatoren Christoph Hess und Reinhardt Hesse (Buchhandlung Ebbeke) im Laufe des Abends interviewt. Dass es dabei recht locker zuging, war natürlich Programm – und aus den vorherigen Formaten bereits bestens bekannt.

Bürgermeister Horstmann über Verantwortung, Respekt und Schlaflose Nächte
Den Auftakt machte Bürgermeister Peter Horstmann, der unter anderem auf den Wahlabend einging: „Als die ersten Ergebnisse kamen, fiel ganz viel von mir ab. Das war schon ein tolles Ergebnis, das mir sehr viel Rückenwind gegeben hat.“ Befragt zum Gegenkandidaten der CDU sagte er: „Als ich erfuhr, dass der Kandidat Hermann-Josef Schulze-Zumloh ist, war ich erleichtert, dass die Ungewissheit ein Ende hat.“ Horstmann zollte seinem Gegenkandidaten viel Respekt: „Das ist aller Ehren wert, und ich ziehe den Hut.“
Weitere Fragen vom Moderator Gerd Leve betrafen unter anderem die Zusammenarbeit mit der CDU als parteiloser Bürgermeister, die aktuelle Wirtschaftslage in Warendorf und – ob er denn noch gut schlafen könne. „Ja, normalerweise schlafe ich gut. Aber manchmal gehe ich auch mit Sorgen ins Bett.“
Weitere Themen betrafen sowohl politische als auch private Aspekte des ersten Bürgers. „Wenn ich einen Sinn für Warendorf sehe, greife ich zu“, äußerte er sich etwa zur geplanten interkommunalen Wohnungsbaugenossenschaft.
Ein kleines Schmankerl: Als Bierkäufer mit dem höchsten Umsatz auf dem Fettmarkt wurde der Bürgermeister von den Hellebardieren der Bürgerschützen ausgezeichnet. Er erhielt ein Fahrrad als Preis.

Geschwister mit grünem Daumen: Hubertus Uehre und Mareike Ballantine über Natur und Glück
Der Frage „Was ist Glück?“ gingen die Geschwister Hubertus Uehre und Mareike Ballantine nach. Spontane Antwort von Mareike: „Draußen in der Natur sein. Ich habe immer Tiere gehabt und bin mit meinem Bruder durch die Wälder gestreift. Natürlich haben wir uns auch Prügeleien geliefert, sind jedoch am Ende des Tages gemeinsam zu Bett gegangen.“
Beide zog es im Rahmen ihrer Ausbildung in die Ferne. Während Mareike in England gastierte, war Hubertus von Australien bis Neuseeland und ins Ammerland unterwegs, um den Gartenbau in seiner ganzen Vielfalt zu erlernen, bis er 2011 seine Forstbaumschule eröffnete. Mit seinem Konzept hat sich der Unternehmer sehr gut aufgestellt – vermutlich betreibt er den einzigen Betrieb, dessen Bäume in Containern wachsen.
Mareike hingegen fühlte sich sehr zu Pferden hingezogen und arbeitet heute bei Kavalkade. Daher kam es ihr gerade recht, dass auch ihr mittlerweile angetrauter Ehemann ein Faible für die edlen Tiere hat. Die Jahreszeiten hätten beide infolge des Landlebens (bereits die Eltern hatten einen Gartenbaubetrieb) sehr intensiv erlebt. Und wenn es dann mal in den Urlaub geht, sei Camping in Kroatien – inklusive Sprung aus 15 Metern Höhe ins Meer – die erste Wahl.

Grenzen überwinden – Marienschülerinnen entwickeln preisgekröntes Brettspiel
Mit einem besonderen Beitrag haben sich die drei Marienschülerinnen Emma Pfau, Freya Vorwerk und Romy Amsbeck an einem Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten beteiligt und ein Brettspiel entworfen. Emma und Freya präsentierten ihr Werk dem interessierten Publikum.
Bei dem Spiel geht es – wie der Name „Gefangen hinter Grenzen“ schon vermuten lässt – um die ehemalige innerdeutsche Grenze ebenso wie um grenzüberschreitendes Verhalten. Es gibt nur eine Spielfigur, denn das Spiel wird in einer Gruppe gespielt. Einen Gewinner im klassischen Sinn gebe es nicht, erläuterten die beiden Jugendlichen, aber dafür sehr viele Informationen.
Das Trio hatte in der Spielarchitektur, die sie auch vom Design her vollständig selbst kreiert haben, ein Interview mit der Zeitzeugin Katharina Leendertse geführt, die an diesem Abend ebenfalls Gast der Veranstaltung war.
Für ihr Projekt, das vom Bundespräsidenten ausgezeichnet wurde, und vor allem für Katharina Leendertse gab es im Anschluss stehende Ovationen. Das Spiel dauere zwischen 90 und 120 Minuten und komme besonders bei 16- bis 17-jährigen Jugendlichen gut an. „Erwachsene können davon natürlich ebenfalls profitieren“, stellten sie klar.
Da das Spiel aufgrund der kleinen Auflage sehr kostspielig in der Entwicklung war, gibt es „Gefangen hinter Grenzen“ aktuell nicht im Handel. Eine großzügige Spende durch das Veranstalterteam dürfte den Mädchen jedoch ermöglichen, eine kleine Auflage zu produzieren, die dann im Schulunterricht zum Einsatz kommen oder in der Stadtbücherei ausgeliehen werden könnte.

Landwirtschaft im Wandel – die Schulze-Osthoff-Schwestern denken weiter
Quasi „zurück in die Zukunft“ ging es dann mit den Schulze-Osthoff-Schwestern Carmen und Marisa, die sich – fast wie im Gleichschritt, nur mit etwas Verzögerung – der Landwirtschaft auf dem elterlichen Hof verschrieben haben. Beide haben eine fundierte Ausbildung, teils im Ausland, absolviert und mittlerweile ihren Weg gefunden.
„Die Landwirtschaft ist sehr vielseitig – mit allerlei möglichen Bereichen wie Ackerbau, Biogas, Geflügelzucht und vielem mehr.“ Beide haben eine Leidenschaft für Tiere, die sicherlich im elterlichen Hof ihren Ursprung hat.
„Ich habe ein Praktikum auf einem Hof gemacht, dessen Familie drei Jungs hatte. Da bin ich nicht so oft auf den Trecker gekommen“, sagte Carmen schmunzelnd.
Zur Sprache kam auch das Thema Partnerschaft, die für beide „Schollen-Kinder“ (wir haben unser Leben im Hägerort verbracht) zwar nicht so einfach sei, aber nicht unmöglich.
Da die Schwestern unter anderem auch auf dem Warendorfer Wochenmarkt einen Stand haben, machen sie sich viele Gedanken über ihre weitere Zukunft. „Möglicherweise bieten wir unsere Waren einmal im Internet an“, sagten sie mit Blick auf das veränderte Kaufverhalten.
Zurzeit experimentieren sie zudem mit Sojaanbau, der in unserer Region sehr schwierig bis fast unmöglich ist. Vom für den menschlichen Verzehr bestimmten Soja haben die Schwestern bereits Abstand genommen und versuchen es derzeit mit Soja als Tierfutter.
Ein Biosiegel für ihre landwirtschaftlichen Produkte, inklusive Fleisch, halten die jungen Frauen aktuell nicht für notwendig. „Wir haben sehr hohe Standards – auch beim Fleisch, wo wir auf kurze Wege und gute Schlachtbedingungen in kleinen Schlachtereien der Region großen Wert legen.“

Gastgeber aus Leidenschaft – Familie Leve über elf Generationen im Hotel Im Engel
Tief verwurzelt ist die Hotelierfamilie Leve nun schon seit elf Generationen in der Emsstadt. „Lediglich Ute Leve wurde nicht mit Emswasser getauft“, merkte Christoph Hess schmunzelnd an.
Die gelernte Restaurantfachfrau und Weinexpertin ist seit 1997 im Engel tätig – ein Allroundtalent, Prokuristin und seit 25 Jahren mit Gerd Leve verheiratet, der im Alter von 23 Jahren in den elterlichen Betrieb einstieg.
Aktuell steht der Nachwuchs der Familie Leve bereits in den Startlöchern: Während Justus derzeit als Rezeption Supervisor im Hotel Rosewood in München arbeitet, ist Frederik nach umfangreicher Ausbildung mit Stationen unter anderem in Münster und Düsseldorf zurückgekehrt und als Senior Assistant im Engel tätig.
„Ich mache hier von allem ein bisschen und greife meiner Mutter unter die Arme“, spielt er sein Engagement ein wenig herunter.
Auf Dauer ist die Heimkehr übrigens auch für Justus ein ganz reales Thema. „Mein Ziel ist es, mit den Gästen auf Augenhöhe zu sein und dafür zu sorgen, dass sie zufrieden sind. Mit digitalen Neuerungen hingegen hab ich es nicht so. Die Jungs hingegen machen das perfekt“, ist Gerd Leve stolz auf seine Söhne, die auch solche Themen beherzt und gerne anpacken.
„Wir brennen für Warendorf und werfen gern unseren Hut in den Ring“, sagte Leve zum Abschluss eines informativen wie auch humorvollen Abends.

Für das passende Licht und für den guten Ton sorgten die beiden Warendorfer Jungunternehmer Finn Wörmann und Mart Evermann.

Die nächste Auflage der „Warendorfer Köpfe“ findet übrigens am 19. Februar kommenden Jahres statt. Karten sind bereits bei der Buchhandlung Ebbeke erhältlich.

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