21. Januar 2024 / Allgemein

Mehr Karnevalsfreude geht nicht

111 Jahre Warendorfer Prinzen

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Mehr Karnevalsfreude geht nicht

Den Höhepunkt der Höhepunkte – es gab viele davon – hatten sich die Karnevalisten quasi bis zuletzt aufgespart und – glaubhaft – als Überraschung angekündigt. Denn als sich einige der charmanten Tänzerinnen des Großen WaKaGe-Balletts nach ihrem Showtanz – der eigentlich immer einen großen Höhepunkt der Veranstaltungen darstellt – zu einem weiteren Tanz auf der Bühne postierten, ahnte kaum jemand was geschehen würde. Bis sie den Blick freigaben auf Gerd Leve, als „Gerd I., das Weingenie aus der himmlischen Hotellerie“ 2012 zum Prinz erkoren. Im goldenen Anzug, ganz im Stil der Entertainer großer Galas, legte er mit den Damen eine flotte Sole aufs Parkett, die das Publikum johlend aus den gemütlich weichen Sesseln des Theater am Wall riss.

Hier hatten die große Warendorfer Karnevalsfamilie, sozusagen bei einer Familienfeier, am Samstagabend bereits viele Überraschungen erleben dürfen und derart gelacht, dass einige von ihnen das eine oder andere Freudentränchen verdrücken mussten. Sie feierten zwei Jubiläen zugleich: 111 Jahre Prinzen in Warendorf und 55 Jahre WaKaGe-Balletts.

Der Abend hatte festlich aber ernst begonnen. Denn die ersten Worte von Hermann-Josef Schulze-Zumloh, Präsident der Warendorfer Karnevalsgesellschaft WaKaGe, und Großfürst Peter Steinkamp, der sichtlich und hörbar gegen seine überstrapazierten Stimmbänder kämpfte, machten deutlich, was Karneval und Karnevalisten in Warendorf verkörpern: „Karneval ist bunt, nicht braun!“, betonte der Präsident und Großfürst Steinkamp unterstrich, dass die Karnevalsfreunde den Parteien jegliche Unterstützung gegen Rechts bieten wollen.

Auch Bürgermeister Peter Horstmann ging in seiner launigen, von feinsinnigem Humor geprägten Hommage an den Karneval auf die Beziehung der fünften Jahreszeit zur Politik ein. Er würdigte dabei unter welchen Gefahren die Karnevalisten der 1930er Jahre der Politik den närrischen Spiegel vorgehalten hatten. Ein bedachter Applaus bewies, dass die Zuhörer verstanden hatten.

Was folgte war Klamauk der allerfeinsten Sorte. Der ursprünglich bereits für die Prinzenproklamationen 2021 und 2022 gebuchte Christoph Engels, den Vizepräsident Bernd Wiese blumig als „Gaukler, Komödiant, Improvisationsgenie“ und mehr angekündigt hatte, bewies sich als genau das. Er spielte mit dem Publikum und wusste dabei jede scheinbar noch so ungünstige Entwicklung in der Wahl seiner Mitspielenden, klamaukig aber feinfühlig, zu humoristischen Knallern umzumünzen, die diese ihm nicht übel nehmen konnten. Frank Schröder, zufällig ausgewählt und zum Running-Gag des Abends erhoben, wird diesen Abend so schnell nicht vergessen. Engels, der die Feier der Karnevalsfamilie kurzzeitig zu einer Art Kindergeburtstag umwandelte, erntete brüllende Lacher. Er hatte aber auch Glück. Denn neben Schröder, der trocken und humorig mitspielte, hatte er noch Johannes Schöttler von den Dreibrückenschützen und Stefan Blanke aus der JuKa als Mitstreiter gewinnen können. Wobei gerade letzterer, ausgestattet mit dem „Trömmelsche“, sich bei der Bedienung dieses doch recht einfachen Instruments so dusselig anstellte, dass der Saal tobte. Schröder, Schöttler und Blanke nahmen den Abend so, wie echte Karnevalisten es tun: mit Humor!

Zur doppelten Jubiläumsfeier zählten aber auch vielfältige Erinnerungen aus der Geschichte der 55 Jahre WaKaGe-Balletts und der 111 Jahre Prinzen während derer es – wegen Kriegen, Nazizeit und Pandemie – insgesamt nur (soweit bekannt) 80 Prinzen gab. Wie wird man Prinz, welche Rolle spielen die Frauen der Prinzen, welche Aufgaben haben die Hofmarschälle, wie kam es zu den Balletts, was tun die Annemaries, und, nicht zuletzt, wie fühlt man sich als Ex-Prinz, waren einige der Fragen die in den Gesprächsblöcken auf der Bühne eine Rolle spielten.

Die Antwort auf einige davon dauerte rund 20 Minuten und klang zugegebenermaßen total schräg. In goldenem Galadress betraten die Ex-Prinzen Hanns-Jörg Ahmerkamp, Peter Böhm und Markus Hinnüber als „Magis Strings“ die Bühne und „sangen“. Während Ahmerkamp den Showstar mimte, war sich seine „Begleitband“ mit den Luftgitarren nicht zu schade, die Nasen aneinander zu reiben und sogar „Stippeföttche“ zu präsentieren.

Wesentlich weniger schräg, genaugenommen sogar gar nicht schräg, waren die Lieder, die Hofsängerin Linda Tönnies und Ex-Hofsänger Frank Hülsbusch beisteuerten. Und wesentlich ansehnlicher als die „Magis Strings“ tanzten die Balletts, deren Auftritte einen großen Anteil des Abends einnahmen. Grandiose Darbietungen der Hüpfer, Flöckchen und des Großen Balletts – die Bambinos durften aufgrund der Uhrzeit nicht auftreten – bewiesen, warum ihre Namen bei den Veranstaltungen hoch gehandelt werden. Eine Ehrung für Renate Günnewig, die die Balletts vor 55 Jahren initiierte, war mehr als nur selbstverständlich. Und sie war bewegend!

Die Aufzählung aller Ehrungen des Abend würde jegliches Maß überschreiten. 111 Jubiläumsorden – mit beweglichem Moritz – hat die WaKaGe anfertigen lassen und die allermeisten schon jetzt verteilt. Während es also kaum möglich sein wird, einen solchen Orden zu bekommen, ist es ein leichtes, die Jubiläumsschrift zu erwerben, die die Zeit seit 1913 akribisch darlegt. Sie ist zum Preis von nur 5 Euro erhältlich, wobei die Einnahmen der weiteren Arbeit der WaKaGe-Balletts zufließen.

Am morgigen Montagabend gibt es eine Fortsetzung im Modeerlebnishauses ebbers. Um 19:11 Uhr öffnet in der Galerie eine faszinierende Ausstellung, die zahlreiche Bilder der Warendorfer Prinzen der letzten 111 Jahre präsentiert. Ein abwechslungsreicher Abend erwartet die Besucher mit beeindruckenden Showeinlagen und attraktiven Angeboten. Freuen Sie sich auf einen gemütlichen Shoppingabend, der nicht nur tolle Einkaufsmöglichkeiten bietet, sondern auch viel Unterhaltung verspricht. Wir laden Sie herzlich ein, vorbeizukommen und mit uns zu genießen!

Alle Information dazu gibt es hier.

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