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Von Beethoven bis zur Schaumwaffel

Von Beethoven bis zur Schaumwaffel

Von Beethoven bis zur Schaumwaffel

Der Jour fixe im Theater am Wall in Warendorf ist nicht nur dafür bekannt, dass er Talenten die Möglichkeit zu einem Auftritt bietet, sondern auch dafür, dass die Spanne des Dargebotenen mitunter sehr groß ist. So war es auch am Freitag dem 13. April, der sich für dieses Kulturprogramm der Amateure zu einem Glückstag entwickelte. Und das obwohl sich mit Akkordeonkonzert und Youth Brass zwei gleichzeitige Programme in Warendorf als Mitbewerber im Veranstaltungskalender eingeschrieben hatten.
Gleich der erste Gast, der erst 13-jährige Lenhard Straub, der nach eigenem Bekunden erst seit vorletztem Jahr Dezember lernt die weißen und schwarzen Tasten des Klaviers zu bedienen, zog das Publikum in seinen Bann. Es verzieh dem leicht, locker und mit Gefühl spielenden Nachwuchs kleine nervöse Patzer und spendete seiner Darbietung von Beethoven und weiterer Klassik mehr als artigen Beifall.
Etwas langatmig entwickelte sich der Vortrag von Manfred Rotterdam, der mit seiner „Hymne an die Hülle“ Erinnerungen an das Vinyl Zeitalter weckte und einige interessante Hintergrundinformationen zu seiner persönlichen Hitparade der 15 besten Schallplattencover der 80er Jahre gab, von ABBA über Beastie Boys bis hin zu Dire Straits – warum auch immer. Bei diesem ganz netten Ausflug in jene Zeit, als Musik schleichend aufhörte Musik zu sein – was Don McLean bereits in den 70ern so treffend besungen hatte – kam es, von den Jüngeren kaum bemerkt, zu einigen inhaltlichen Patzern; schließlich handelte es sich bei dem relativ langen Vortrag nicht um eine wissenschaftliche Vorlesung.
Nach einer kurzen Pause zog ein junger, schlaksig gekleideter Liedermacher mit unaussprechlichem Namen das Publikum in seinen Bann. Als Leonard Ottilien war er im Programm ausgedruckt, was die Moderatoren gleich zu Beginn korrigierten. Nach mehreren Versuchen einigte man sich auf Leonhard Ottolien. Der stand mit Gitarre im Rampenlicht und trug einige deutsche Songs vor, die zu 100 Prozent dem aktuellen Liedermacherzeitgeist entsprachen. Poetisch mit viel Hintersinn, fraglos 1LIVE tauglich und viel zu intelligent für den ECHO. Der Auftritt fand beim Publikum großen Beifall und die mit 10€ sehr günstigen Eintrittkarten für das Konzert am 26. Mai, wenn Leonhard Ottolien mit Band im TaW auftritt, wurden gut gekauft.
Das Licht steuerte an diesem Abend Nils Hälker, Björn Mehlis war für den Ton zuständig. Seit einigen Jahren schon macht er „im TaW Technik“ und nach eigenem Bekunden kann er: nichts! Weil er aber unbedingt auch einen Flaffel wollte, jenes Maskottchen, das die Akteure als Anerkennung für ihren Auftritt erhalten, kam er in der Reihe „Netzfixe Spezial“ auf die Bühne und gab einen Einblick in die verworrene Kommunikation in sozialen Medien, konkret: DuBiWa! Seine Auswahl zeigte eine Welt zwischen orthographischen Fehlern und gnadenloser Dummheit, die sich neben – und das sei betont – den eigentlich recht sinnvollen Beiträgen in dieser Gruppe findet. Doch natürlich erhält ein „Du bist Warendorfer wenn –: Du mir sagen kannst, wo ich in Warendorf einen Strebergarten kaufen könnte“ sofortige Lacher. Dumm Tüch wie „Liebe Warendorfer, wo finde ich die Laurentiuskirche, ist das die bei Edeka Buller“ (statt auf Maps danach zu suchen), bringt die nächste intensive Zwerchfellbewegung, gleich gefolgt von „DuBiWa wenn: Du mir sagen kannst, wo ich in Warendorf Pferdefleisch kaufen kann“. Dann kommt Mehlis zum Hashtag „Schaumwaffel“ und das Publikum muss vor Lachen aufpassen, dass es nicht von den Stühlen fällt. Was sich hier in mehr als 95 Kommentaren an geballtem Einblick in die Kommunikation der Moderne findet, ist garantiert lesenswert. Toppen kann er das nur noch mit angekündigtem Nachwuchs. Auf die Info, dass es bald soweit sei, gratuliert ein DuBiWafler der Mutter und „Mike“. Die bedankt sich,weist aber darauf hin, dass sie nun mit einem gewissen Lorenzo zusammen sei. Der könne ebenfalls der Vater sein. Der Gratulant empfiehlt einen Test, den sich die Mutter allerdings sparen will. Sie warte lieber ein paar Monate. Die Frage des Gratulanten nach dem Warum beantwortet sie sehr schlicht: Lorenzo sei doch Italiener und wenn das Kind anfange zu sprechen und dann italienisch spreche, wisse sie Bescheid. Bleibt nur zu sagen: Für diesen Vortrag hätte Björn Mehlis alle Flaffel dieser Welt verdient gehabt.
Den sehr späten Abend beschloss eine gutmütige Mischung bluesiger Folk-Rock Musik, dargeboten von Orange Prime, einer 4-köfpigen Truppe etwas angegrauter Herren aus Telgte, Everswinkel und Münster.

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