12. Dezember 2024 / Allgemein

Von guten Mächten wunderbar geborgen

Gespräch mit der Zeitzeugin Katharina Leendertse

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Von guten Mächten wunderbar geborgen 

Gespräch mit der Zeitzeugin Katharina Leendertse 

In Deutschlands Hauptstadt stößt man an vereinzelten Stellen noch auf ihre Reste, ehemals Bestandteile einer komplizierten Grenzanlage, deren Bedeutung im Einzelnen der Besucher nur mit zusätzlichen Hinweistafeln erschließen kann. An dieser im Jahr 1961 errichteten Grenze wurde am Valentinstag des Jahres 1964 Katharina Lässig für ein halbes Jahr ihrer Freiheit beraubt. Sie kam ins Stasi-Gefängnis Hohenschönhausen und wurde hier unter gewalttätigen Umständen festgehalten. Fast wurde sie sogar der Aussicht auf ein Leben mit Albert Leendertse beraubt, ihrem Verlobten im Westen. Das Ehepaar Leendertse lebt heute, mittlerweile 60 Jahre verheiratet, in Warendorf. „In Hohenschönhausen erwarteten mich psychische Foltermethoden, deren Auswirkungen mich das ganze Leben begleitet haben“ – Katharina Leendertse erinnert sich bis heute an jedes Detail.

An diesem Dienstag, dem 10. Dezember 2024, berichtete sie davon den Schülerinnen Romy Amsbeck, Emma Pfau und Freya Vorwerk. Die Jugendlichen der zehnten Jahrgangsstufe haben sich vorgenommen, das Leben dieser Zeitzeugin als Beitrag für den Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten zu dokumentieren. Dabei möchten sie die historischen Dokumente auf anschauliche Art und Weise in einem Gesellschaftsspiel zusammenzufügen. Tatkräftige Unterstützung erhalten sie dabei von ihrer Geschichtslehrerin, Dr. Stephanie Taube.

„Man fühlte sich in der Einzelhaft wie in einem Sarg, aber durch Klopfzeichen nach dem Alphabet konnte ich mit einer Zellennachbarin, einer Schweizerin, kommunizieren und ihr die Adresse meines Verlobten im Westen übermitteln. Früher als ich kam sie aus der Haft frei und konnte meinen Verlobten über meinen Verbleib informieren. Niemand wusste nach meiner gescheiterten Flucht ja, wo ich war. Ist das nicht ein Wunder gewesen?“, sagt Katharina Leendertse im Rückblick. Mit Rührung und Freude darüber, selbst in dieser Notlage Hilfe erhalten zu haben: „Ich war wie von guten Mächten wunderbar geborgen.“

Von Gerold Paul

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