Schülerinnen und Schüler beschäftigen sich intensiv mit Widerstand, Unterdrückung und Flucht
„Wertewoche“ am Paul-Spiegel-Berufskolleg
Warendorf – Das Paul-Spiegel-Berufskolleg hat rund um den Gedenktag zur Reichspogromnacht am 9. November eine „Wertewoche“ durchgeführt und damit eindrucksvoll gezeigt, wie moderne politische Bildung an Schulen aussehen kann. In mehreren Projekten setzten sich die Schülerinnen und Schüler mit historischen und aktuellen Formen von Unterdrückung, Widerstand und Flucht auseinander – und erhielten dabei bewegende Einblicke in Lebensgeschichten, die weit über den Unterricht hinaus wirken.
Theaterstück „Stauffenberg“ eröffnet das Programm
Zum Auftakt gastierte die Kulturschule Leipzig mit dem Theaterstück „Stauffenberg“ in der Aula. Schauspieler Günther Frese schlüpfte in die Rolle des Widerstandskämpfers Claus Schenk Graf von Stauffenberg und ließ das Publikum an dessen inneren Konflikten und Motiven im Kampf gegen das NS-Regime teilhaben. Daniela Frese ergänzte die Inszenierung mit historischen Hintergründen und moderierte durch das Stück. Originale Tonaufnahmen aus der Zeit des Nationalsozialismus verliehen der Aufführung eine besondere Intensität.
Im Anschluss konnten die Schülerinnen und Schüler mithilfe von VR-Brillen einen virtuellen 3D-Rundgang durch das Anne-Frank-Haus in Amsterdam erleben – eine Kooperation mit dem Medienzentrum des Kreises Warendorf, die den historischen Blick zusätzlich vertiefte.
Uigurischer Aktivist berichtet über Unterdrückung in China
Wie aktuell das Thema Menschenrechtsverletzungen ist, zeigte der Vortrag von Haiyuer Kurban, Mitglied der Volksgruppe der Uiguren und Büroleiter des Weltkongresses der Uiguren e.V. Kurban schilderte seine Kindheit und Jugend in einem autokratischen System, in dem freie Meinungsäußerung nicht möglich war. Besonders bewegend waren seine Berichte über Internierungslager in China, in denen Uiguren zur Umerziehung und Zwangsarbeit festgehalten würden. Die Schülerinnen und Schüler verfolgten seine persönlichen Erfahrungen und eindringlichen Schilderungen mit großer Aufmerksamkeit.
Workshop zu Fluchtursachen und globalen Zusammenhängen
Einen weiteren Schwerpunkt setzte der Workshop der Organisation HÁWAR. Unter Leitung von Projektmanager Filipo Steven Ferrara beschäftigten sich die Teilnehmenden mit Ursachen, Routen und weltweiten Verflechtungen von Fluchtmigration – unter anderem aus Syrien, Afghanistan, Venezuela und dem Irak.
Den emotionalen Abschluss bildete das Gespräch mit Trina Mansoor, die als kleines Mädchen aus Afghanistan floh und heute in Deutschland lebt. Offen berichtete sie von ihrer Flucht über Pakistan und die Niederlande sowie über die aktuelle Situation von Frauen unter der Herrschaft der Taliban. Ihr Appell an die Jugendlichen: „Redet miteinander! Hinterfragt Internetinhalte – und lest, um kritisch denken zu können.“
Eine Schülerin fasste die Eindrücke der Wertewoche so zusammen: „Es ist wichtig, die Situation der Menschen in ihren Herkunftsländern anzusehen, bevor man urteilt.“
Ein starkes Zeichen für politische Bildung
Mit der „Wertewoche“ ist es dem Paul-Spiegel-Berufskolleg gelungen, historische Ereignisse, aktuelle politische Konflikte und persönliche Lebensgeschichten zusammenzuführen. Die vielfältigen Angebote machten deutlich, wie wichtig Dialog, Aufklärung und Empathie für ein respektvolles gesellschaftliches Miteinander sind.













