28. August 2025 / Aus aller Welt

Nach Abschuss auf Sylt: Wal soll untersucht werden

Orientierungslos war der Meeressäuger in der Nordsee vor Sylt umhergeschwommen. Eine Rettung bleibt erfolglos. Mit einer Genehmigung durften Seehundjäger das rund 3,80 Meter lange Tier töten.

Der im Watt gestrandete Schnabelwal war abgemagert.

Das Knallen war an diesem fast windstillen Morgen auch auf dem Friedhof der Kirche St. Severin in Keitum zu hören. Ein im nahen Munkmarsch auf Sylt angetriebener Wal war am Donnerstag mit einer Jagdbüchse von einem Seehundjäger erschossen worden. 

«Es ist immer im Kreis geschwommen, das deutet auf eine neurologische Störung hin», sagte der Seehundjäger Thomas Diedrichsen der Deutschen Presse-Agentur. An der Körperform lasse sich erkennen, dass es sich bei dem Tier um einen Schnabelwal handele. Das Tier habe orientierungslos gewirkt. 

Einige Jogger und Passanten, die auf dem Wanderweg am Watt unterwegs waren, beobachteten das Geschehen. Reiter auf einem Ausritt stoppten und filmten den Kadaver, der in der Morgensonne im Watt lag. Urlauberin Gaby Gaßmann aus Hamburg war am Morgen eine der Ersten am Strand, als sie mit ihrem Hund unterwegs war: «Er hat sich nur ganz schwach bewegt und war nur noch ganz schwach am Atmen», sagte sie der dpa.

Passanten versuchten das Tier zu retten

Das Tier war im Watt angetrieben und laut Diedrichsen bereits in den vergangenen zwei Tagen an der Ostseite sowie im Norden der Insel an der Ellenbogen-Spitze gesehen worden. Am Donnerstagmorgen hatten Passanten vor dem Eintreffen der Experten den Wal zunächst wieder ins tiefere Wasser geschoben, allerdings ohne Erfolg - er sei stets wieder gestrandet. 

«Das Tier wäre so oder so gestorben, ob mit oder ohne Schuss», erklärte Seehundjäger Diedrichsen. Geschossen hatte sein Kollege Sönke Lorenzen. Der Schnabelwal sei stark abgemagert gewesen und habe vermutlich eine Pilzinfektion am Maul gehabt - darauf könnten Hautablösungen hinweisen. Möglicherweise sei der Wal verhungert. Das tote Tier wurde mit einem Radlader und einem Seil geborgen.

Untersuchung des Wals

Nach Angaben der Nationalparkverwaltung Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer wird der Kadaver an das Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung in Büsum (Kreis Dithmarschen) transportiert. Dort würden die sterblichen Überreste wissenschaftlich untersucht, um mehr über die genaue Art und den Gesundheitszustand zu erfahren. Die Auswertung werde einige Wochen in Anspruch nehmen. 

Allgemein gehören Schnabelwale laut der Nationalparkverwaltung zu den Zahnwalen und verbringen einen Großteil ihres Lebens in der Tiefsee. Die scheuen Tiere würden nur selten in Küstennähe gesehen - über ihre Lebensweise sei wenig bekannt. Auch Seehundjäger Diedrichsen sagte, dass er diese Art Meeressäuger bisher nicht auf der Insel gesehen habe.


Bildnachweis: © Lea Albert/dpa
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