3. April 2024 / Aus aller Welt

Weltkriegsbombe in der Nähe der RTL-Zentrale ist entschärft

«Auch wenn es ein bisschen regnet, das ist uns ganz egal»: Ein Blindgänger in der Nähe der RTL-Zentrale hat am Mittwoch das Programm des Senders verändert. «Punkt 12» wurde zur Open-Air-Veranstaltung.

Blick auf den Rheinpark, wo der Fernsehsender RTL eine provisorische Übertragungsstation aufgebaut hat.
Veröffentlicht am 3. April 2024 um 18:03 Uhr

Eine in der Nähe des RTL-Sendezentrums gefundene Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg hat zu sichtbaren Veränderungen im Programm des Senders geführt. Da das am Rhein in Köln gelegene RTL-Gebäude evakuiert werden musste, zog unter anderem das Mittagsjournals «Punkt 12» kurzerhand um - aus dem Studio in einen nahe gelegenen Park. «Das wird eine etwas turbulente "Punkt 12"-Sendung heute», begrüßte Moderatorin Roberta Bieling ihre Zuschauer auf ungewohnte Weise.

Der amerikanische Bombenblindgänger war am Morgen bei Baggerarbeiten im Rhein gefunden worden. In dem 500 Meter großen Evakuierungsradius befanden sich zwar nur wenige Anwohner, aber unter anderem Gebäude von RTL, des Versicherungskonzerns HDI und auch der Sitz der Europäischen Agentur für Flugsicherheit (EASA). Auch der Schiffs- und der Bahnverkehr waren von der Entschärfung betroffen.

Sendebetrieb läuft weiter

RTL teilte jedoch früh mit, dass der Sendebetrieb weiterlaufen solle. «Auch in so einer erschwerten Situation wollen wir für unser Publikum da sein. Daher verlegen wir kurzerhand unser Studio nach draußen», wurde RTL-News-Geschäftsführer Martin Gradl auf der Seite des Senders zitiert. Vorübergehend werde das Berliner RTL-Studio die Regie für alle Sendungen übernehmen, hieß es.

«Punkt 12»-Moderatorin Roberta Bieling war zunächst noch im Studio zu sehen und sagte, dass noch nicht klar sei, wie lange sie und das Team dort bleiben könnten. «Sie können ja mit uns hoffen, dass es möglichst lange geht», sagte sie den Zuschauern. Wie der Sender auf seiner Seite RTL.de schrieb, hätten dann allerdings die Moderatorin sowie alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter «mittendrin» das Gebäude verlassen müssen.

Auf Instagram gab Bieling Einblicke in den spontanen Umzug ins Freie. Sie habe schon die Tasche gepackt, sagte sie - «mit schönen warmen Schuhen, Pullöverchen, Hose». Draußen sei es ja «usselig», also eher ungemütlich. «Hier passiert auch immer etwas Neues», stellte Bieling fest.

Wenig später sah man die Moderatorin dann in einer blauen Jacke an der frischen Luft stehen - vor Blumen, Bäumen und der Sendezentrale im Hintergrund. «Da ist jetzt niemand mehr drin», berichtete sie. «Damit sie auf ihr "Punkt 12" nicht verzichten müssen, sind wir einfach umgezogen». Man mache weiter - «auch wenn es ein bisschen regnet, das ist uns ganz egal.»

Bombe entschärft

Um 16.28 Uhr verkündete die Stadt dann die Entschärfung der Bombe. «RTL atmet auf», schrieb der Sender auf seiner Seite. «Exclusiv» mit Frauke Ludowig (60) und «RTL Aktuell» am späteren Nachmittag konnten nach Angaben einer RTL-Sprecherin wieder aus dem Sendezentrum übertragen werden.

Blindgänger-Funde sind in Köln nicht ungewöhnlich und werden von den Bewohnern meist relativ emotionslos zur Kenntnis genommen - unter der Erde schlummert viel Material aus Zeiten des Zweiten Weltkriegs. Etwa die Hälfte der Luftattacken gegen Nazi-Deutschland konzentrierte sich auf das heutige Nordrhein-Westfalen - wegen der damals überragenden industriellen Bedeutung des Ruhrgebiets, aber auch wegen der geografischen Nähe westdeutscher Städte zu England.

Die Entschärfung sei allerdings «ein anspruchsvoller und ungewöhnlicher Einsatz» gewesen, erklärte die Stadt. Die im Rhein gefundene Zehn-Zentner-Bombe sei von einer Baggerschaufel auf einen Ponton - eine schwimmende Insel - gelegt worden. Dort habe sie der Kampfmittelbeseitigungsdienst dann entschärft.

Zu einer vergleichbaren Entschärfung und Evakuierung war es 2020 gekommen. Damals zog Katja Burkard (58) für die Moderation des Mittagsjournals «Punkt 12» kurzerhand nach Berlin um.


Bildnachweis: © Sascha Thelen/dpa
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