10. Januar 2022 / Aus aller Welt

Experten: Vermeintlicher «Demikron»-Nachweis wohl Artefakt

Erst die Delta-Variante, dann die hochansteckende Omikron-Mutation - nun eine Mischung aus beidem? Experten klären auf.

Sequenzierproben in einem Labor für Corona-Varianten.
Veröffentlicht am 10. Januar 2022 um 11:47 Uhr

Der vermeintliche Nachweis einer Misch-Variante aus Delta und Omikron in Zypern geht Experten zufolge wohl auf Verunreinigungen während der Analyse zurück.

«Diese Genome sind mit hoher Wahrscheinlichkeit Artefakte», erläuterte Richard Neher von der Universität Basel (Schweiz), führender Experte für Virusvarianten, der Deutschen Presse-Agentur. Die Omikron-Mutationen, die hier in einem Zusammenhang mit Delta-Genomsequenzen beobachtet würden, beträfen alle einen DNA-Abschnitt, der bei Delta-Nachweisen oft sehr schwach ausfalle und daher sehr anfällig für Kontamination sei. Ähnlich äußerten sich weitere Experten bei Twitter, etwa die WHO-Expertin Maria van Kerkhove: Das Ergebnis gehe wahrscheinlich auf Verunreinigungen beim Sequenzieren zurück.

Zuvor kursierten Berichte mit Verweis auf ein Interview mit dem örtlichen Sender Sigma TV, denen zufolge Leontios Kostrikis von der Universität Zypern 25 Fälle identifiziert haben will, in denen eine Mischvariante aus Delta und Omikron - Deltakron genannt - Ursache der Infektionen war.

«Es ist zwar durchaus möglich, dass es Rekombinanten gibt, aber bislang wurden keine größeren Ausbrüche mit solchen Varianten beobachtet», betonte Neher. «Diese Genome aus Zypern sind vermutlich keine Rekombinanten.»

Auch ein Mitglied des griechischen Krisenstabes für die Corona-Pandemie, Gikas Magiorkinis, erklärte, dass Kostrikis' Schlüsse falsch seien. «Erste Analysen zeigen, dass es sich um einen technischen Fehler des Labors handelt», twitterte der Epidemiologe. Kostrikis selbst allerdings wollte eine Fehleinschätzung zunächst nicht einräumen, er beharrte am Montag auf seinen Ergebnissen.


Bildnachweis: © Jens Büttner/dpa
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