16. November 2022 / Aus aller Welt

Feuerwehrmann nach Brand in Flüchtlingsunterkunft verhaftet

Der Brand in einer Flüchtlingsunterkunft hat vermutlich keinen politischen Hintergrund. Die bisherigen Ermittlungen stützen die Vermutungen nicht. Im Fokus der Ermittler steht nun ein Feuerwehrmann.

Das Gebäude in Groß Strömkendorf, in dem Flüchtlinge aus der Ukraine untergebracht waren, ist in der Nacht vom 19. zum 20.10.2022 komplett abgebrannt.

Beim Brandanschlag auf eine Flüchtlingsunterkunft nahe Wismar hat die Staatsanwaltschaft keinen Hinweis auf einen politischen Hintergrund. Am Mittwochmorgen wurde ein 32-jähriger Feuerwehrmann als Verdächtiger festgenommen.

Es gebe keine staatsschutzrelevanten Erkenntnisse, sagte Oberstaatsanwältin Claudia Lange von der Staatsanwaltschaft Schwerin. «Wir gehen im Ergebnis der Ermittlungen davon aus, dass die Tat in Groß Strömkendorf Teil einer Brandserie ist.» Der Verdächtige, der sowohl in der Berufs- als auch in der Freiwilligen Feuerwehr aktiv ist, streitet die Vorwürfe ab.

Das reetgedeckte ehemalige Hotel in Groß Strömkensdorf war in der Nacht vom 19. zum 20. Oktober weitgehend abgebrannt. Die 14 ukrainischen Bewohner der Unterkunft und ihre drei Betreuer konnten sich unverletzt aus dem Gebäude retten. Die Tat schlug umgehend hohe Wellen, noch am selben Tag besuchte neben Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) auch Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) den Brandort.

Vermutlich doch nicht rassistisch motiviert

Die bisherigen Ermittlungsergebnisse der Kriminalpolizei und der Staatsanwaltschaft widersprechen den direkt nach dem Großbrand in der Öffentlichkeit und dem Medien geäußerten Vermutungen einer rassistisch motivierten Straftat. Diese entzündeten sich an einer Hakenkreuz-Schmiererei, mit der zwei Tage vor dem Brand ein Schild des Deutschen Roten Kreuzes vor dem Gebäude beschmiert wurde. Auch die Ermittler hatten einen politischen Hintergrund deshalb zunächst nicht ausgeschlossen.

Die Anwohner in dem kleinen Ort dürften sich hingegen bestätigt sehen, sie hatten sich dagegen gewehrt, in die Nähe des Extremismus gerückt zu werden. «Das ist doch eine Vorverurteilung», sagte eine Anwohnerin am Tag nach dem Feuer. Auch der Bürgermeister des zuständigen Amts Neuburg, Tino Schmidt (SPD), hatte sich umgehend vor seine Bürger gestellt.

Die aktuellen Ermittlungsergebnisse bewertete er gegenüber der Deutschen Presse-Agentur jedoch nicht als Grund zur Erleichterung. Bewahrheitet sich der Tatverdacht, so sei zwar die Brandserie aufgeklärt und der Vorwurf der rassistisch motivierten Tat vom Tisch, für alle Ehrenamtler in der Region - wie die bei der Freiwilligen Feuerwehr - wäre dies jedoch eine Enttäuschung. Auch Landrat Tino Schomann (CDU), der selbst in der Brandnacht vor Ort war und sich in der Freiwilligen Feuerwehr engagiert, sagte: «Einen Brandstifter in den eigenen Reihen zu haben, ist für jede Feuerwehr ein Alptraum.»

Brand vorsätzlich gelegt

Der Staatsanwaltschaft zufolge geht das Brandgutachten von einer vorsätzlichen Brandlegung aus, bei der auch ein Brandbeschleuniger zum Einsatz kam. Dem Beschuldigten zum Verhängnis wurde jedoch laut Kriminalpolizei nicht das Gutachten, sondern seine eigene Aussage: Diese passte demnach nicht zu den Angaben der restlichen über 120 befragten Anwohner und Einsatzkräfte. Diese Ungereimtheiten in Verbindung mit den gesicherten Spuren rechtfertigen laut Staatsanwaltschaft die Vermutung, dass sich der Beschuldigte bereits zur Tatzeit am Tatort befand. Er habe sich jedoch auch an den Löscharbeiten beteiligt.

Der dringende Tatverdacht erstreckt sich nicht allein auf den Brand der Flüchtlingsunterkunft, sondern auch auf drei weitere Feuer in einem Waldstück, einem Carport und einer Strohmiete. Zusätzlich sei er verdächtig, 15 weitere Brände seit April dieses Jahres gelegt zu haben.

Der 32-Jährige wurde am Mittwoch bereits der Haftrichterin am Amtsgericht Schwerin vorgeführt und sitzt nun in Untersuchungshaft. Bei einer Hausdurchsuchung wurden zudem weitere Beweise sichergestellt, die jedoch noch nicht ausgewertet worden seien.

Innenminister Christian Pegel (SPD) dankte den Ermittlungsbehörden. «Ich bin - und damit stehe ich sicher nicht allein - erleichtert, dass knapp einen Monat nach dem Brand der mutmaßliche Täter ermittelt und in Untersuchungshaft ist», sagte er. Er hoffe, dass dies den vielfältigen Spekulationen ein Ende setze.

Auch aus dem Landtag kamen Reaktionen. Die Linksfraktion will einen rassistisch motivierten Anschlag trotz des aktuellen Ermittlungsstands noch nicht ausschließen: «Es war bekannt, dass unter dem Reetdach derzeit ukrainische Kriegsgeflüchtete untergebracht waren», sagte der innenpolitische Sprecher der Fraktion, Michael Noetzel. Er verwies zudem auf kürzliche Übergriffe gegen Ukrainerinnen und Ukrainer im Land.


Bildnachweis: © Jens Büttner/dpa
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