Reisende in Fernzügen müssen sich weiter mit Masken gegen eine Ansteckung mit dem Coronavirus schützen, Passagiere im Flieger nicht. Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) sagte jüngst, das Risiko, sich zu infizieren, sei in Bussen und Bahnen «sehr viel höher» als im Flugverkehr. Doch so einfach ist es nicht. Eine Rolle bei der Verbreitung von potenziell infektiösen Tröpfchen und Aerosolen, die beim Atmen, Husten oder Niesen ausgestoßen werden, spielen die jeweiligen Belüftungssysteme. Und darin unterscheiden sich Flugzeuge und Züge durchaus. Flugzeugkabinen sind eine Art geschlossenes System, in dem die Luft abgesaugt, durch Filter geleitet und mit Außenluft angereichert wieder zurückgeführt wird. Sogenannte Hepa-Filter in Fliegern können Viren und Aerosole aus der Luft abfangen. In Fernverkehrszügen hingegen sind üblicherweise Filter der Klasse G4 eingesetzt. Sie sind grobmaschiger und meist nicht gegen Aerosole und Viren geeignet. In der Luft, die aus den Düsen in ein Flugzeug strömt, sind in der Regel keine Coronaviren enthalten. Der Verband der Fluggesellschaften (IATA) behauptet, dass die Kabinenluft alle zwei bis drei Minuten komplett durch Frischluft ausgetauscht wird und daher eine Atmosphäre wie in einem Operationssaal herrscht - eine Aussage, die nach Ansicht von Dieter Scholz vom Department Fahrzeugtechnik und Flugzeugbau an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg nicht zu halten ist. Der Luftaustausch dauert seiner Erkenntnis nach länger als ein paar Minuten, zudem sei die Kabine nicht komplett frei von Viren. Es ist also davon auszugehen, dass Passagiere in unmittelbarer Nähe eines Infizierten - auch in den Sitzreihen davor und dahinter - stärker von einer möglichen Ansteckung gefährdet sind als andere Menschen im Flieger. Eine richtig angelegte Mund-Nasen-Bedeckung kann daher zusätzlich schützen. Auch in der Bahn gilt: Als eine der wirksamsten Maßnahmen gegen eine Corona-Infektion erweist sich «das konsequente Tragen einer gut sitzenden FFP2-Maske», wie das Deutsche Zentrum für Schienenverkehrsforschung im Juni 2021 erklärte. In einem ICE wird die Luft nach Angaben der Deutschen Bahn alle sieben Minuten ausgetauscht, allerdings eben nur durch den groberen G4-Filter. Eine gemeinsame Studie mit dem Institut für Aerodynamik und Strömungstechnik am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt von Ende 2020 ergab, dass die Klimaanlage in Zügen nicht zur Verbreitung der Aerosole beiträgt. Eine Ausbreitung sei «nur über wenige Sitzreihen hinweg erfolgt», hieß es. «Wir haben sowohl in den Zügen als auch in den Flugzeugen keine großen Superspreading-Events gesehen», sagte der Virologe Hendrik Streeck am Mittwoch bei n-tv. «Es gibt einzelne Studien, die gezeigt haben, dass es zu Übertragungen kommen kann.» Eine belastbare Übersicht, wie viele Menschen sich in der Vergangenheit in Flugzeugen oder der Bahn angesteckt haben, gibt es nicht. Häufig war eine Kontaktnachverfolgung nicht möglich.Die Art des Luftfilters ist entscheidend
Luftaustausch alle sieben Minuten im ICE
Bildnachweis: © Daniel Karmann/dpa
Copyright 2022, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten
Flugzeug oder Bahn? Die Frage nach dem Corona-Risiko
Über den Wolken soll die Maskenfreiheit grenzenlos sein, im Zug hingegen wird weiter ein Mund-Nasen-Schutz vorgeschrieben. Vielen erscheint das nur wenig logisch.
Meistgelesene Artikel
- 18. August 2026
Taira Löbke setzt dem Jubiläum der Damengarde die Krone auf
Erst die Feuerwehr, dann der Regen und am Ende eine Königin
- 11. August 2026
Einbahnstraße auf der B64: Das müssen Autofahrer jetzt wissen
Fernwärme-Arbeiten in Warendorf sorgen ab 13. August für weiträumige Umleitung
Barbecue und Live-Musik mit Rainer Migenda zum Ausklang des ersten Sommers im „Zum Kühlen Grunde“
Neueste Artikel
- 10. September 2026
Philippinen: 87 Menschen nach Brand auf Fähre vermisst
Auf dem Weg ins philippinische Urlaubsparadies Coron bricht auf einer Fähre Feuer aus. Fünf Menschen sterben – von mehr als 80 weiteren fehlt zunächst jede Spur.
- 10. September 2026
Geht es ohne? – Wie Tierversuche ersetzt werden sollen
Rund zwei Millionen Tiere wurden 2024 für Forschungszwecke eingesetzt beziehungsweise getötet. Das sind weniger als in früheren Jahren, aber immer noch viele. So könnte die Zahl reduziert werden.
Weitere Artikel derselben Kategorie
- 10. September 2026
Philippinen: 87 Menschen nach Brand auf Fähre vermisst
Auf dem Weg ins philippinische Urlaubsparadies Coron bricht auf einer Fähre Feuer aus. Fünf Menschen sterben – von mehr als 80 weiteren fehlt zunächst jede Spur.
- 10. September 2026
Geht es ohne? – Wie Tierversuche ersetzt werden sollen
Rund zwei Millionen Tiere wurden 2024 für Forschungszwecke eingesetzt beziehungsweise getötet. Das sind weniger als in früheren Jahren, aber immer noch viele. So könnte die Zahl reduziert werden.













