Mit einem bewegenden Gedenkgottesdienst ist an die vier ermordeten Bewohner eines Potsdamer Wohnheims für behinderte Menschen erinnert worden. Die vier hilflosen Menschen waren vor einem Jahr von einer Pflegekraft in ihren Betten umgebracht worden. «Wir wollen der ermordeten Menschen gedenken, aber auch die Rückkehr ins Leben feiern», sagte der Theologische Vorstand des Potsdamer Oberlinhauses, Matthias Fichtmüller, am Donnerstag zu Beginn des Gottesdienstes unter freiem Himmel. Dazu waren rund 200 Bewohner, Angehörige, Politiker und Bürger gekommen. Ein Bewohner berichtete, dass sie damals viel Unterstützung auch von Angehörigen der getöteten Mitbewohner erfahren hätten. «Wir wussten, die anderen denken an uns, aber so haben wir es auch gespürt», sagte er. Geholfen habe manchen Bewohnern auch, dass das Urteil gegen die Täterin mit 15 Jahren Haft und Einweisung in die Psychiatrie so deutlich gewesen sei: «Wir wussten: Die Täterin kommt nicht zurück.» Die von einer Pflegekraft verübten Morde an vier Bewohnern im Alter von 31 bis 56 Jahren in ihren Betten hatten vor einem Jahr bundesweit für Entsetzen gesorgt. Eine 43-jährige Bewohnerin überlebte den Angriff nach einer Notoperation. Die Täterin, eine 52-jährige Deutsche, die viele Jahre dort gearbeitet hatte, war im Dezember 2021 vom Landgericht Potsdam wegen vierfachen Mordes und mehrfachen Mordversuchs zu 15 Jahren Freiheitsstrafe verurteilt worden. Das Gericht ordnete zudem ihre Einweisung in die Psychiatrie an. Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) sagte in seinem Grußwort zu dem Gottesdienst, die Tat habe auch das Vertrauen der hilfsbedürftigen Menschen erschüttert. Die Verantwortlichen und Mitarbeiter des Oberlinhauses hätten aber trotz eigener Lähmung und Entsetzen von Anfang an zusammengestanden und vorbildlich mitgehofen, das furchtbare Verbrechen zu verarbeiten. Bei dem Gottesdienst wurden vier Glasstelen präsentiert, die künftig an einem Gedenkort auf dem Gelände der Einrichtung an die ermordeten Bewohner erinnern sollen.
Bildnachweis: © Bernd Settnik/dpa
Copyright 2022, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten
Gedenken an ermordete Heimbewohner
Die Morde an vier Bewohnern eines Potsdamer Wohnheims für beeinträchtigte Menschen sorgten vor einem Jahr bundesweit für Entsetzen. Mit einer Trauerfeier wurde nun an die Ermordeten erinnert.
Meistgelesene Artikel
- 18. August 2026
Taira Löbke setzt dem Jubiläum der Damengarde die Krone auf
Erst die Feuerwehr, dann der Regen und am Ende eine Königin
- 11. August 2026
Einbahnstraße auf der B64: Das müssen Autofahrer jetzt wissen
Fernwärme-Arbeiten in Warendorf sorgen ab 13. August für weiträumige Umleitung
Barbecue und Live-Musik mit Rainer Migenda zum Ausklang des ersten Sommers im „Zum Kühlen Grunde“
Neueste Artikel
- 8. September 2026
Australien sagt Social-Media-Algorithmen den Kampf an
Nach dem weltweit ersten Verbot von Social-Media-Konten für unter 16-Jährige geht Australien den nächsten Schritt: Nutzer sollen künftig selbst entscheiden können, ob Algorithmen ihren Feed bestimmen.
- 8. September 2026
Rund 16.000 Hitzetote in diesem Jahr – und nun?
Mindestens 16.000 Menschen sind hitzebedingt in diesem Jahr in Deutschland gestorben. Experten erklären, warum viele Todesfälle unentdeckt bleiben – und wie sie verhindert werden könnten.
Weitere Artikel derselben Kategorie
- 8. September 2026
Australien sagt Social-Media-Algorithmen den Kampf an
Nach dem weltweit ersten Verbot von Social-Media-Konten für unter 16-Jährige geht Australien den nächsten Schritt: Nutzer sollen künftig selbst entscheiden können, ob Algorithmen ihren Feed bestimmen.
- 8. September 2026
Rund 16.000 Hitzetote in diesem Jahr – und nun?
Mindestens 16.000 Menschen sind hitzebedingt in diesem Jahr in Deutschland gestorben. Experten erklären, warum viele Todesfälle unentdeckt bleiben – und wie sie verhindert werden könnten.













