7. Juli 2025 / Aus aller Welt

Giftpilze im Beef Wellington: Angeklagte schuldig gesprochen

Der Fall hat weltweit für Schlagzeilen gesorgt: 2023 soll eine Australierin drei Menschen mit Giftpilzen ermordet haben. Nach einem zehnwöchigen Verfahren ist nun das Urteil gefallen.

Erin Patterson hat stets ihre Unschuld beteuert - wurde aber während des Prozesses vieler Lügen überführt. (Archivbild)

   In einem der spektakulärsten Mordprozesse der vergangenen Jahrzehnte in Australien ist das Urteil gefallen: Fast zwei Jahre nach dem mysteriösen Giftpilz-Tod von drei Menschen nach einem Mittagessen ist die 50-jährige Angeklagte schuldig gesprochen. Ihr droht eine lebenslange Haftstrafe - allerdings wird Richter Christopher Beale das Strafmaß erst zu einem späteren Zeitpunkt verkünden, wie australische Medien berichteten.

Erin Patterson musste sich seit Ende April wegen dreifachen Mordes und versuchten Mordes an einer weiteren Person vor einem Geschworenengericht in Morwell nahe Melbourne verantworten. Ende Juni hatte sich die Jury zur Urteilsfindung zurückgezogen, seither harrten Dutzende Journalisten vor dem Latrobe Valley Magistrates' Court aus. Gegen Mittag zirkulierten erste Gerüchte, wonach die Geschworenen eine Einigung erzielt hätten.

«Schuldig, schuldig, schuldig, schuldig», hieß es wenige Stunden später in schneller Abfolge innerhalb von weniger als einer Minute. Während die Jury sie nach und nach in allen Punkten schuldig sprach, habe Patterson scheinbar emotionslos die Geschworenen fixiert, sagten Augenzeugen. «Vier Schuldsprüche, und die Mörderin hat nicht einmal gezuckt», titelte die Zeitung «Sydney Morning Herald». 

Die Mutter von zwei Kindern war wenige Monate nach den Todesfällen festgenommen und ihr Haus durchsucht worden. Seither saß sie in Haft. Patterson hat seither stets ihre Unschuld beteuert. Sie sollte nun zunächst ins Hochsicherheitsgefängnis Dame Phyllis Frost Centre westlich von Melbourne gebracht werden. 

Was war passiert?

Die Geschichte liest sich wie ein Krimi aus der Feder von Agatha Christie: Die Australierin aus dem beschaulichen Örtchen Leongatha, zwei Autostunden südöstlich von Melbourne, lädt Ende Juli 2023 ihre Ex-Schwiegereltern (beide 70 Jahre alt) und ein weiteres Ehepaar im Alter von 66 und 68 Jahren zum Lunch. Auf den Tisch kommt Beef Wellington. Rinderfilet in knusprigem Blätterteig, verfeinert mit Pilzen. Am Ende sind drei Gäste tot, der vierte überlebt nur um Haaresbreite.

Später stellt sich heraus, dass in dem vermeintlichen Gaumenschmaus hochgiftige Knollenblätterpilze (Amanita phalloides) lauerten, auch «Todeskappe» genannt. Experten zufolge ist eine durch sie verursachte Vergiftung extrem qualvoll und meist tödlich. 

Köchin gerät ins Visier

Schnell gerät die Köchin ins Visier der Polizei, auch wenn sie wiederholt beteuert, sie wisse nicht, wie die Giftpilze ins Essen gekommen seien. Der Polizei sagte sie, sie habe das Essen sowohl mit frischen Champignons aus einem Supermarkt als auch mit getrockneten Pilzen aus einem Asia-Shop zubereitet. Vor Journalisten brach sie damals in Tränen aus.

Kurz vor ihrer Festnahme ließ Patterson den Ermittlern über ihre Anwälte schriftlich ihre Version der Ereignisse zukommen. «Ich bin am Boden zerstört, wenn ich daran denke, dass diese Pilze zur Erkrankung meiner Lieben beigetragen haben könnten», schrieb sie. «Ich möchte wiederholen, dass ich absolut keinen Grund hatte, diese Menschen, die ich liebte, zu verletzen.» Diese Aussagen, wie viele weitere, seien Lügen gewesen, hatte die Staatsanwaltschaft argumentiert. Die Jury stimmte dem nun zu.

Warum überlebte Patterson selbst?

Besonders verwunderte, dass Patterson selbst ihr Essen überlebte. Zwar ließ sie sich wegen starker Magenschmerzen und Durchfalls im Krankenhaus behandeln - aber am Ende habe sie sich gegen ärztlichen Rat auf eigene Gefahr selbst entlassen, sagte die zuständige Ärztin Veronica Foote vor Gericht. Auch Pilz-Experten wurden während des fast zehnwöchigen Verfahrens in den Zeugenstand gerufen.

Der Prozess hat nicht nur in Australien, sondern international in den vergangenen Wochen viele Schlagzeilen gemacht. Der Sender ABC begleitete das Verfahren sogar mit einem eigenen Podcast namens «Mushroom Case Daily» (auf Deutsch etwa: Pilz-Prozess täglich). Minutiös berichteten Zeitungen und Fernsehsender über jedes Detail und jede Zeugenaussage. 

Das Privatleben der Angeklagten, inklusive ihrer Beziehung zu ihrem Ex-Mann und den Schwiegereltern, wurde dabei genauestens unter die Lupe genommen. Der einzige Überlebende des fatalen Mittagessens, Pastor Ian Wilkinson, sagte in seiner Zeugenaussage, Patterson habe darauf bestanden, ihren Gästen selbst das Essen aufzutragen - und sie habe seltsamerweise als einzige einen Teller in einer anderen Farbe benutzt.

Wann das Strafmaß verkündet werden soll, war noch unklar. Patterson kann aber nach Angaben des Obersten Gerichtshofs von Victoria noch Berufung gegen das Urteil einlegen. 

Warum ist die «Todeskappe» so heimtückisch?

Der Grüne Knollenblätterpilz ähnelt harmlosen Pilzen wie Champignons, so dass es zu gefährlichen Verwechslungen kommen kann. Schon der Verzehr von 50 Gramm kann laut Experten tödlich enden. «Denn die darin enthaltenen lebergiftigen Amatoxine verursachen ohne medizinische Versorgung ein mehrfaches Organversagen», heißt es auf der Webseite der Deutschen Gesellschaft für Mykologie. 

Besonders heimtückisch: Wenn erste Symptome wie Brechdurchfälle auftreten, ist es meist schon zu spät. «Unbehandelt oder zu spät behandelt erfolgt der Tod zwischen dem 3. und 10. Tag im hepatischen Koma und/oder durch Multiorganversagen», warnen die Pilz-Experten. Das Perfide: Knollenblätterpilze sollen nach Berichten von Überlebenden ziemlich gut schmecken.


Bildnachweis: © James Ross/AAP Image/AP/dpa
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