Viel dichter am Abgrund geht nicht - und nach fast 70 Jahren geht es nun wirklich nicht mehr. Über Jahrzehnte hatte das «Haus Seeblick» am Brodtener Steilufer bei Lübeck-Travemünde Tausenden jugendlichen Feriengästen einen fantastischen Blick über die Ostsee geboten. Direkt am Steilufer gelegen, trennte zuletzt nur ein schmaler Wanderweg das Haus vom Abgrund. Doch Meer und Sturm haben immer weiter an dem Steilufer genagt, und jetzt ist der Wanderweg gesperrt - ein Stück vom Weg direkt vor dem Haus ist abgebrochen. Die Jugendorganisation «Die Falken», die das Haus 2011 übernommen hatte, zieht die Reißleine. «Das Haus steht jetzt nicht mehr für Kinder und Jugendliche zur Verfügung», sagte Renate Paulien-Wittmaack von der SPD-nahen «Sozialistischen Jugend Deutschlands - Die Falken» der Deutschen Presse-Agentur. Alle Buchungen für das Jahr müssten abgesagt werden. Zuvor hatten die «Lübecker Nachrichten» darüber berichtet. Ende Januar war ein Baum in die Ostsee gestürzt und hatte ein Loch in den ohnehin nur schmalen Wanderweg gerissen. Das Loch und die Absperrung des Wanderwegs lassen sich von einem der vorderen Zimmer erschreckend gut sehen. Nur noch gut vier Meter liegen zwischen einer Ecke des Hauses und dem Abgrund. Der kleine Vorgarten liegt noch näher an der Abbruchkante. Der jüngste Abbruch habe den Ausschlag gegeben. «Das Haus muss abgerissen werden, wie das geschehen wird, darüber sind wir mit der Stadt in Verhandlungen», sagte Paulien-Wittmaack. Die Jugendorganisation hatte das Haus 2011 erworben, aber schon seit den 50er Jahren hatte der Lübecker Jugendring hier Freizeiten veranstaltet. 2011 lag das Haus noch relativ sicher, etwa zwölf Meter an der dichtesten Stelle vom Steilufer entfernt. Unternehmen konnten die Falken nichts, da sich das Brodtener Steilufer in einem Landschaftsschutzgebiet befindet. Die rund vier Kilometer lange Steilküste liegt zwischen Travemünde und dem zu Timmendorfer Strand gehörenden Ort Niendorf. Der Wanderweg entlang des Steilufers ist bei Spaziergängern und Radlern wegen der tollen Aussicht auf das Meer beliebt. Das Haus am Abgrund ist dabei ein beliebtes Fotomotiv. Das Steilufer hier gehört nach Angaben des Landesbetriebs für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz Schleswig-Holstein (LKN.SH) zu den aktivsten Kliffs Schleswig-Holsteins. Jedes Jahr bricht demnach durch Regen, Wind und das Meer etwa ein Meter ab. An der Ostseeküste Schleswig-Holsteins gibt es nach Angaben des Landesbetriebs insgesamt 122 Kilometer Steilufer, etwa 80 Kilometer davon bröckeln mehr oder weniger stark. Die Jugendorganisation will das Haus nun abreißen und würde gerne ein neues weiter hinten auf dem Grundstück errichten - doch da mache die Stadt nicht mit. Aufgrund der Lage des angefragten Vorhabens im Außenbereich sowie im Landschaftsschutzgebiet sei eine Bebauung für die vorgesehene Nutzung gemäß den Vorschriften des Baugesetzbuchs nicht zulässig, teilte die Stadt der dpa auf Anfrage mit. Am Steilufer endet damit eine Ära.«Das Haus muss abgerissen werden»
Das Haus ist ein beliebtes Fotomotiv
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Haus am Abgrund: Jugendorganisation muss Gebäude schließen
Nur vier Meter bis zum Abgrund - ein Jugendhaus bei Travemünde bietet einen spektakulären Blick über die Ostsee. Doch es liegt inzwischen viel zu nah am Steilufer, und das hat nun Konsequenzen.
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