20. Juni 2023 / Aus aller Welt

Island setzt Walfang wegen Tierschutzbedenken aus

Ist dies der Anfang vom Ende für die umstrittene Jagd auf Wale? Wegen Expertensorgen um das Tierwohl legt die zuständige Ministerin die Finnwaljagd auf Island für über zwei Monate auf Eis.

Island ist eines der wenigen Länder der Erde, in denen noch Jagd auf Wale gemacht werden darf.

Kurz vor dem Auslaufen der ersten Schiffe für die diesjährige Jagdsaison hat die isländische Regierung den Walfang mit sofortiger Wirkung vorübergehend für mehr als zwei Monate gestoppt. Lebensmittel- und Fischereiministerin Svandís Svavarsdóttir habe beschlossen, die Finnwaljagd bis zum 31. August auszusetzen, teilte ihr Ministerium am Dienstag mit. Grund dafür sind demnach Zweifel, ob die Jagd vereinbar mit dem Tierschutz ist. Walschützer hoffen darauf, dass die Entscheidung einen entscheidenden Wendepunkt bedeutet - und dem isländischen Walfang ein dauerhaftes Ende setzt.

Ein Inspektionsbericht der isländischen Veterinärbehörde habe geschlussfolgert, dass die Tötung der Tiere in der vergangenen Saison länger als erlaubt gedauert habe, erklärte das Ministerium. Daraufhin sei ein Expertenrat für Tierschutz mit der Prüfung beauftragt worden, ob die Waljagd überhaupt mit dem isländischen Tierschutzgesetz vereinbar sei. In einer Stellungnahme sei der Rat zu dem Schluss gekommen, dass die Fangmethode bei der Jagd auf große Wale nicht mit dem Gesetz in Einklang stehe. Angesichts dieser Einschätzung der Experten sei es nötig, den Beginn der Walfangsaison zu verschieben.

Kein Walfang mehr in diesem Jahr?

In der Praxis könnte die Entscheidung sogar bedeuten, dass in diesem Jahr überhaupt keine Wale auf Island gefangen werden: Normalerweise geht die Jagdsaison von etwa Mitte Juni bis September. Svavarsdóttir machte jedenfalls bereits klar: «Diese Aktivität kann in Zukunft nicht weitergeführt werden, wenn die Behörden und die Lizenzinhaber nicht die Erfüllung der Tierschutzanforderungen sicherstellen können.» Der Beschluss soll nach Ministeriumsangaben nun Spielraum geben, um mögliche Verbesserungen und rechtliche Rahmenbedingungen für weitere Beschränkungen des Walfangs festzulegen.

Ein Vertreter des Walfangunternehmens Hvalur hatte jüngst der Fachzeitschrift «Fiskifrettir» gesagt, wenn das Wetter mitspiele, werde die Jagdsaison an diesem Mittwoch beginnen. Die dafür nötigen Dokumente und Lizenzen hatte Hvalur demnach beisammen.

Die Nordatlantik-Insel Island zählt zu den wenigen Ländern der Erde, in denen Wale noch gejagt werden dürfen. Im vergangenen Jahr waren 148 Finnwale gefangen worden. Nahezu das gesamte Walfleisch wird nach Angaben von Tierschutzorganisationen nach Japan exportiert. Die globale Nachfrage ist demnach aber rückläufig. Die Tierschützer hoffen, dass die Jagd auf die Meeressäuger nach dem Auslaufen der bis einschließlich 2023 laufenden Fangquoten ein Ende hat.

Hoffnung auf Ende der Waljagd

Der nun gefällte Beschluss von Svavarsdóttir gibt diesen Hoffnungen weitere Nahrung. «Wir hoffen, dass diese Entscheidung der Waljagd in Island ein Ende bereitet», sagte Astrid Fuchs von der Wal- und Delfinschutzorganisation WDC. Und nicht nur das: «Darüber hinaus könnte diese Entscheidung auch den Weg für die Einstellung des Walfangs in Norwegen und Japan ebnen.»

Sandra Altherr von Pro Wildlife sagte, alles andere als die Einstellung des Walfangs für diese Saison sei angesichts der vernichtenden Einschätzung der isländischen Tierschutzbehörden nicht zu rechtfertigen gewesen. «Uns fällt ein Stein vom Herzen, dass das zweitgrößte Tier der Erde künftig durch die Ozeane ziehen kann, ohne das Risiko, von Explosivharpunen qualvoll getötet zu werden.»

Die Tierschutzorganisation IFAW sprach der isländischen Regierung ihre Anerkennung für den von ihr gefällten «mutigen Schritt» aus. «Das ist der Todesstoß für den kommerziellen Walfang auf Island und ein Schlüsselmoment für den Schutz der Wale», sagte der IFAW-Meeresschutzexperte Patrick Ramage. Die Jagdsaison für die Walfänger sei somit bereits beendet, bevor die Schiffe überhaupt den Hafen verlassen hätten.


Bildnachweis: © Steffen Trumpf/dpa
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