5. September 2022 / Aus aller Welt

Privatflugzeug in Ostsee gestürzt: Vier Tote befürchtet

Ein Privatjet ist auf dem Weg von Spanien nach Köln, doch fliegt immer weiter Richtung Nordosten. Vor der lettischen Ostsee-Küste nimmt der mysteriöse Geisterflug ein dramatisches Ende.

Die letzte bekannte Position der Cessna mit der Kennung OE-FGR - der in Österreich registrierte Privatjet ist vor der Küste Lettlands in die Ostsee gestürzt.

Nach dem rätselhaften Absturz eines Privatjets in der Ostsee fehlt weiterhin jede Spur von den vier Insassen. Bei einer umfassenden Suchaktion auf See fanden lettische Einsatzkräfte bislang zwar ein größeres Stück des Flugzeugwracks und mehrere Trümmerteile, allerdings keine Passagiere.

Die Anlagentechnik-Firma Griesemann aus Wesseling bei Köln teilte am Montagabend mit, dass es sich bei den vier Vermissten um den Unternehmensgründer Peter Griesemann sowie zwei Familienmitglieder und eine weitere Person handele. Man sei bestürzt. Griesemann war 2015 in den Ruhestand getreten.

«Wir suchen weiterhin nach Überlebenden», sagte der Leiter des lettischen Seerettungskoordinationszentrums, Peteris Subbota, der schwedischen Nachrichtenagentur TT. Außerdem wolle man weitere Wrackteile aufspüren und sicherstellen, dass kein Öl ausgetreten sei.

Kampfjets verfolgten die Maschine

Das Privatflugzeug, das auf eine der Griesemann-Familie gehörende Luftfahrtfirma zugelassen war, war am Sonntag auf dem Weg aus dem südspanischen Jerez nach Köln bis über die Ostsee geflogen und dort am Abend vor der Küste Lettlands ins Meer gestürzt. Abfangjäger aus mehreren Ländern verfolgten die Maschine während ihres mysteriösen Flugs über weite Teile des europäischen Kontinents, darunter auch deutsche. Ein Flugzeug der schwedischen Küstenwache entdeckte schließlich die Absturzstelle westlich der lettischen Hafenstadt Ventspils, ehe die Sucheinsätze eingeleitet wurden. Am Dienstag sollte mit Hilfe von Drohnen auch unter Wasser gesucht werden.

Die Kommunikation mit der Cessna 551 sei vor dem Unfall für lange Zeit unterbrochen gewesen, sagte Subbota im lettischen Fernsehen. Medienberichten zufolge handelte es sich neben Griesemann um seine Frau, seine Tochter und einen Mann. Das Auswärtige Amt teilte der dpa dazu mit: «Unsere Botschaft in Riga steht mit den lettischen Behörden in engem Austausch und bemüht sich um Sachverhaltsaufklärung.»

Cessna offenbar auf Autopilot geschaltet

Auch am Tag nach dem mysteriösen Geisterflug blieben einige Fragen offen. Die Behörden gehen davon aus, dass die düsengetriebene Cessna auf Autopilot geschaltet war. Sie sei am Zielflughafen Köln/Bonn mit unverminderter Höhe und Geschwindigkeit vorbeigeflogen und dann über Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern bis über die Ostsee, hieß es aus Polizeikreisen. Westlich der lettischen Hauptstadt Riga sei sie in den Sinkflug gegangen. Zeitweise hätten französische und deutsche Abfangjäger die Maschine begleitet. Im Cockpit seien keine Bewegungen erkennbar gewesen.

Der Flugsicherheitsexperte Hans Kjäll vermutete nach Angaben des schwedischen Rundfunksenders SVT, dass es einen Druckabfall in der Kabine des Flugzeugs gegeben haben könnte, worauf die Insassen bewusstlos geworden seien. Das Flugzeug sei in einer Höhe von etwa 11.000 Metern unterwegs gewesen, wo der Luftdruck niedrig sei. Komme es in solch einer Höhe zu einem Druckabfall, könne man damit rechnen, bewusstlos zu werden, sagte er demnach.

Griesemann ist ein rheinischer Mittelständler, der nach eigenen Angaben mehr als 1600 Beschäftigte in Deutschland, Österreich und den Niederlanden hat und der unter anderem im Blitzschutz tätig ist. Der jetzige Firmenchef ist der Sohn des Gründers, Björn. Er saß Berichten zufolge nicht im Flieger.


Bildnachweis: © Helmut Fohringer/APA/dpa
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