15. Oktober 2022 / Aus aller Welt

Knapp drei Dutzend Cholera-Tote in Haiti

Haiti droht im Chaos zu versinken: Banden versuchen, die Hauptstadt zu kontrollieren, es gibt Hunger, Gewalt und Korruption. Der Inselstaat registriert außerdem immer mehr Cholera-Infektionen.

Ein mit Cholera infiziertes Kind erhält eine medizinische Behandlung.
Veröffentlicht am 15. Oktober 2022 um 08:24 Uhr

Nach dem jüngsten Cholera-Ausbruch im karibischen Krisenstaat Haiti melden die Gesundheitsbehörden fast drei Dutzend Todesfälle. 35 Menschen seien bislang an der Infektionskrankheit gestorben, teilte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) am Freitag (Ortszeit) mit. Zudem seien 47 bestätigte Fälle und 560 Verdachtsfälle registriert worden. Die meisten Infektion und Opfer gab es demnach im Gefängnis der Hauptstadt Port-au-Prince.

Haiti ist das ärmste Land auf dem amerikanischen Kontinent und leidet seit Jahren unter Korruption, Gewalt und Naturkatastrophen. Seit dem verheerenden Erdbeben 2010 mit mehr als 220.000 Todesopfern hängt Haiti am Tropf der Entwicklungshilfe. Jetzt droht das Land völlig ins Chaos zu stürzen: Seit mehr als einem Jahr kämpfen Banden brutal um Kontrolle der Hauptstadt. Tausende Menschen leiden Hunger. Die Lage ist so ernst, dass die Interimsregierung die UN zuletzt um Hilfe durch eine bewaffnete internationale Truppe gebeten hat.

Nach dem Erdbeben 2010 kam es in Haiti bereits einmal zu einer Cholera-Epidemie. Nach Einschätzungen von Experten schleppten damals nepalesische UN-Blauhelmsoldaten die Seuche in das Land ein. Über 9300 Menschen starben an der Infektionskrankheit. Erst Jahre später räumten die Vereinten Nationen ihre «moralische Verantwortung» gegenüber den Opfern ein.


Bildnachweis: © Mohammed Mohammed/XinHua/dpa
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