15. Juni 2023 / Aus aller Welt

Mehr Infektionskrankheiten durch Klimakrise

Klimawandel, Globalisierung und immer mehr Antibiotikaresistenzen: Studien zeigen, dass Infektionskrankheiten stetig zunehmen werden. Haben Kliniken dafür genug Fachpersonal?

Eine Asiatische Tigermücke (Symbolbild). Experten rechnen für die kommenden Jahrzehnte mit deutlich mehr Infektionskrankheiten durch den Klimawandel.
Veröffentlicht am 15. Juni 2023 um 15:22 Uhr

Infektionskrankheiten werden aus Sicht von Infektiologen allein durch die Klimakrise in den kommenden Jahrzehnten deutlich zunehmen. Es sei zu erwarten, dass 50 bis 60 Prozent der relevanten Infektionskrankheiten als Folge der Erwärmung häufiger werden, sagte der Infektiologe Christoph Lübbert beim 16. Kongress für Infektionskrankheiten und Tropenmedizin (KIT) am Donnerstag in Leipzig.

Hierzu gehören etwa durch Stechmücken übertragene Erkrankungen. Lübbert zufolge könne es auch dazu kommen, dass durch das Erwärmen der Meere bestimmte bakterielle Infektionskrankheiten häufiger werden. Hiervon sei beispielsweise die Ostsee betroffen. Zudem werde auch mit einer immer älter werdenden Bevölkerung die Zahl der Infektionskrankheiten zunehmen. Bereits heute seien Infektionskrankheiten in deutschen Krankenhäusern häufige Diagnosen: Bei rund 20 Prozent aller Behandlungsfälle in Kliniken stellen Infektionen die Haupt- oder Nebendiagnose dar.

Demnach werden gut ausgebildete Ärztinnen und Ärzte mit spezieller infektiologischer Expertise dringend benötigt. Lübbert betont, dass es einer Bedarfsanalyse zufolge 1000 dieser Ärzte oder zumindest 500 Schwerpunktweitergebildete mit einer mindestens dreijährigen Ausbildung brauche, um komplexe Infektionen künftig auf höchstem Niveau behandeln zu können.

Die Leiterin der Abteilung Infektiologie des Uniklinikums Gießen, Susanne Herold, ergänzte: «Patienten mit schweren Infektionen haben einen deutlich günstigeren Krankheitsverlauf und versterben seltener, wenn Infektiologen in die Behandlung eingebunden sind.» Dennoch gebe es aktuell sogar in vielen großen Kliniken keine Abteilungen mit infektiologischem Schwerpunkt. Die Aufgabe bestehe darin, die 2021 auf dem Deutschen Ärztetag beschlossene Ausbildung zum Schwerpunkt-Infektiologen in den einzelnen Bundesländern umzusetzen. Die Mehrheit der Landesärztekammern hätten dies bereits getan.


Bildnachweis: © Ennio Leanza/KEYSTONE/dpa
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