5. September 2022 / Aus aller Welt

30 Tote bei Erdbeben in Südwestchina - «Jeder hatte Angst»

Erdrutsche, beschädigte Häuser und blockierte Straßen: Wieder bebt die Erde im besonders gefährdeten Südwesten Chinas. Das Ausmaß wird langsam bekannt. Wie ist die Lage in den abgelegenen Gebieten?

Durch das Erdbeben sind Felsen auf eine Straße in der Nähe der Stadt Lengqi in der Provinz Sichuan gestürzt.
Veröffentlicht am 5. September 2022 um 17:29 Uhr

Bei einem Erdbeben in der südwestchinesischen Provinz Sichuan sind mindestens 30 Menschen ums Leben gekommen. Mehr als 30 Menschen wurden verletzt, wie das Staatsfernsehen berichtete.

Die Erdstöße am Montag erreichten nach Angaben von Seismologen die Stärke 6,8. Besonders betroffen war der Kreis Luding mehr als 200 Kilometer südwestlich der Provinzhauptstadt Chengdu, wie Staatsmedien berichteten. Es kam zu Erdrutschen, die Straßen blockierten. Auch wurden Fahrbahnen durch Risse beschädigt. Im Ort Detuo seien Häuser schwer zerstört worden, berichtete das Staatsfernsehen.

Angst vor Nachbeben

«Jeder hatte Angst», sagte eine Hotelangestellte in Luding am Telefon der Deutschen Presse-Agentur. Aus Angst waren die Menschen in der Kreisstadt aus den Häusern auf die Straßen gelaufen. Viele harrten im Freien aus und trauten sich aus Angst vor Nachbeben zunächst nicht zurück in die Gebäude. «Früher waren Erdbeben nicht so heftig.» In der Stadt seien die Erdstöße nicht einmal so stark gewesen. «Aber auf dem Lande war es schlimmer», sagte die Frau.

In Orten wie Moxi und Yanzigou in dem Landkreis wurden nach Angaben von Staatsmedien Kommunikationsverbindungen unterbrochen. In Videos war zu sehen, wie an Berghängen die Erde ins Rutschen kam. Große Felsbrocken lagen auf den Straßen. «Das Erdbeben war ziemlich heftig», berichtete die Mitarbeiterin eines anderen Hotels in Luding. Häuser seien dort aber nicht beschädigt worden. «Erdbeben gibt es hier häufig.» In Videos in chinesischen sozialen Medien war zu sehen, wie Regale so stark schwankten, dass die Sachen herausfielen.

Besonders erdbebengefährdet

Sogar in der mehr als 500 Kilometer entfernten Millionenmetropole Chongqing waren die Erdstöße deutlich zu spüren. «Ich dachte zuerst, ich falle in Ohnmacht», berichtete eine Frau, die im 10. Stock eines Hochhauses wohnt. Kurz danach sei aber alles vorbei gewesen. Im Erdbebengebiet wurden Hunderte Einsatzkräfte mobilisiert, wie staatliche Medien berichteten.

2008 war die Provinz Sichuan von einem schweren Erdbeben der Stärke 7,9 heimgesucht worden. Damals waren mehr als 80.000 Menschen ums Leben gekommen. Sichuan liegt am Rand der Überschiebungszone der indischen Kontinentalplatte und der eurasischen Platte. Wegen der Plattenverschiebungen ist die Provinz besonders erdbebengefährdet.


Bildnachweis: © Uncredited/Xinhua/AP/dpa
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