23. August 2022 / Aus aller Welt

Schlafmangel macht Menschen weniger hilfsbereit

Unausgeschlafen sind einige Menschen ganz schön grummelig. Manche sind bei Schlafmangel offenbar auch weniger hilfsbereit. Die Gründe könnten in bestimmten Bereichen unseres Gehirns liegen.

Ein gähnender Patient in einem Schlaflabor im Universitätsklinikum Münster.
Veröffentlicht am 23. August 2022 um 19:59 Uhr

Schlafmangel macht Menschen einer neuen Studie zufolge weniger großzügig und hilfsbereit. Das berichten Forschende der US-Universität Berkeley im Fachmagazin «PLOS Biology». Sie hatten unter anderem Testpersonen nach genügend und ungenügend viel Schlaf zu bestimmten Situationen befragt, in denen es um Hilfsbereitschaft geht. Zudem analysierten sie das Spendenverhalten in den USA nach einer Zeitumstellung.

Die Wissenschaftler um Eti Ben Simon konnten zeigen, dass die über 100 Probandinnen und Probanden nach einer Nacht mit zu wenig Schlaf nach eigener Aussage weniger Drang verspürten, Anderen zu helfen. Dabei ging es beispielsweise um das Aufhalten einer Fahrstuhltür oder auch um Hilfe für einen verletzten Fremden auf der Straße.

Es ist bekannt, dass ausreichender und stabiler Schlaf eng mit unserer Gesundheit verknüpft ist. So stehen viele psychische Probleme im Zusammenhang mit schlechtem Schlaf. Auch körperliche Leiden können dadurch begünstigt werden. Nun konnten die Forschenden nach eigener Aussage zeigen, dass ungenügender Schlaf nicht nur einem selbst schadet, sondern auch die Interaktionen mit dem Umfeld beeinflusst.

Auch die Zeitumstellung hat Auswirkungen

Die Forschenden um Eti Ben Simon untersuchten auch, ob sich die Umstellung auf Sommerzeit - die Nacht ist eine Stunde kürzer - auf das Spendenverhalten von Bürgern auswirkt. Tatsächlich spendeten Menschen in der Woche nach der Zeitumstellung im Schnitt zehn Prozent weniger. «Ein Rückgang, der nicht in Staaten zu beobachten ist, die ihre Uhren nicht umstellen», hieß es. «Wenn Sie nicht genug Schlaf bekommen, schadet das nicht nur Ihrem eigenen Wohlbefinden, sondern auch dem Wohlbefinden Ihres gesamten sozialen Umfelds», kommentierte Eti Ben Simon.

Die Forscherinnen und Forscher unterzogen Probandinnen und Probanden auch Gehirnscans nach acht Stunden Schlaf sowie nach einer Nacht ganz ohne Nachtruhe. Sie fanden heraus, dass bestimmte Bereiche des Gehirns, die für Einfühlungsvermögen und Empathie wichtig sind, nach einer schlaflosen Nacht weniger aktiv sind.

Dieser Teil des Gehirns wurde Simon zufolge deutlich beeinträchtigt, wenn Personen Schlafentzug hatten. «Es ist, als würden diese Teile des Gehirns nicht reagieren, nachdem wir nicht genug Schlaf bekommen haben.»


Bildnachweis: © Friso Gentsch/dpa
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