Der Hund im winzigen Pullover, teures Premium-Futter im Napf, vielleicht sogar eine Hackfleisch-Torte zum Geburtstag: Vielfach werden Hunde verhätschelt wie Babys. Die Zahl der Haushalte mit Hund ist auch in Deutschland groß, gleichzeitig sinkt wie in vielen Ländern die Geburtenrate. Forschende haben sich gefragt: Gibt es da eigentlich einen Zusammenhang? Immer mehr Erwachsene hätten in ihrem Alltag kaum noch Kontakt zu kleinen Kindern, erläutern ungarische Forscherinnen im Fachjournal «European Psychologist». In westlichen und ostasiatischen Gesellschaften übernähmen Haustiere zunehmend die Rolle von Gefährten und Hunde würden weitgehend als Mitglied der Familie angesehen. «Immer mehr Besitzer betrachten ihre Hunde sogar als ihre Kinder.» Je nach Lebenssituation nehme der Hund verschiedene Rollen ein, erläutern die Forscherinnen. Mitbewohner oder bester Freund bei jungen Alleinstehenden; erstes Kind bei frisch Verheirateten; Spielkumpel in Familien mit kleinen Kindern oder Ersatz für ausgezogene Kinder - und schließlich Helfer gegen Einsamkeit bei Verwitweten. Angenommen werde, dass Menschen ihr eigentlich auf Kinder ausgerichtetes biologisches Bedürfnis, sich um jemanden zu kümmern, auf Tiere umgelenkt haben. Doch warum nehmen gerade Hunde so oft die Rolle als geliebtes pelziges Baby ein? Die Vierbeiner erfüllten teilweise ähnliche Funktionen, erläutern Laura Gillet und Enikő Kubinyi von der Eötvös Loránd Universität Budapest nach der Auswertung verschiedener Studien zum Thema. «Hunde können eine ähnliche Bindung zu ihren Bezugspersonen aufbauen wie Kleinkinder.» Und die Rolle, sich umsorgen zu lassen, fülle ein Hund womöglich sogar besser aus als ein Mensch. Denn: Babys werden Kinder und Kinder immer eigenständiger – Hunde hingegen brauchen über ihre gesamte Lebensspanne hinweg jemanden, der sich um sie kümmert. Zudem sprächen Hunde mit ihren teils kindlichen Merkmalen das Bedürfnis von Menschen an, sich zu kümmern. Viele Hundebesitzer betrieben großen Aufwand bei der Pflege ihres Hundes - manchmal opferten sie ihr eigenes Wohlbefinden zugunsten ihres Lieblings. «Diese offensichtlich große Hingabe an Haushunde kann mit dem Konzept der intensiven Mutterfürsorge verglichen werden.» Hierzulande lebt nach aktuellen Daten des Zentralverbands Zoologischer Fachbetriebe in etwas mehr als jedem fünften Haushalt (21 Prozent) ein Hund, der Anteil war in den vergangenen Jahren recht stabil. Gut sieben Milliarden Euro wurden in Deutschland 2024 allein für Tiernahrung und Zubehör ausgegeben. Man könne nicht verallgemeinern, dass Hunde als Kindersatz gehalten werden, meinen Gillet und Kubinyi. Die Entscheidung für einen Hund anstelle eines Kindes werde vielfach sehr bewusst getroffen, mit klarem Blick darauf, dass es entscheidende Unterschiede in der Beziehung zum Hund im Vergleich zum Kind gibt. «Tatsächlich haben sich laut mehreren Studien viele Besitzer vor allem Ein weiterer Hinweis darauf, dass viele Hundehalter einen deutlichen Unterschied zwischen Mensch und Tier machen, ist demnach, dass sie menschliches Leben priorisieren: Vor das theoretische Dilemma gestellt, sich zwischen einem Menschenleben und hundert Hundeleben entscheiden zu müssen, gäben die meisten Befragten an, den Menschen retten zu wollen. Noch eindeutiger sei das, wenn es um das Leben eines Kindes gehe. Auch sei die Wahrscheinlichkeit, die Beziehung zum Hund zu beenden, höher als bei einem Kind, heißt es in der Analyse. Allein in den USA kommen demnach jedes Jahr etwa drei Millionen Hunde in Tierheime - mehr als drei Prozent der dort insgesamt gehaltenen Hunde. Die Beziehung zum Hund sei auch kulturell geprägt, ergänzen Gillet und Kubiny. US-amerikanische Halterinnen und Halter sprächen vor Freunden oder der Familie von sich als «Mama» oder «Papa» ihres tierischen «Kindes». Bei Kollegen oder Fremden nutzten sie eher neutralere Begriffe. In anderen Ländern wiederum sei das Verhältnis überwiegend viel distanzierter.Das Bedürfnis, sich um jemanden zu kümmern
Zumindest nach Umfragen nicht als gleichwertig betrachtet
deshalb für die Anschaffung von Hunden entschieden, weil Hunde nicht
wie Kinder sind.»Nicht überall Kindersatz
Bildnachweis: © Julian Stratenschulte/dpa
Copyright 2025, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten
Sind Hunde die besseren Kinder? In bestimmter Hinsicht schon
Mama, Papa, Hund. Nicht wenige Menschen sorgen für ihre tierischen Begleiter wie fürs eigene Kind. Was steckt dahinter?
Meistgelesene Artikel
- 18. August 2026
Taira Löbke setzt dem Jubiläum der Damengarde die Krone auf
Erst die Feuerwehr, dann der Regen und am Ende eine Königin
Barbecue und Live-Musik mit Rainer Migenda zum Ausklang des ersten Sommers im „Zum Kühlen Grunde“
- 15. August 2026
Mit Warendorfs „Flugbegleiterinnen“ zurück in die 90er
Damengarde feiert zum Auftakt des Bürgerschützenfestes ihr zehnjähriges Jubiläum – Startfreigabe für „Neon Vibes & 90s Beats“
Neueste Artikel
- 12. September 2026
Polizei: Mann erschießt Bruder in Seniorenheim
Schock in einem Seniorenheim in Südniedersachsen: Zwei Brüder sterben durch Schüsse. Die Polizei geht von einem «innerfamiliären» Hintergrund aus. Was bislang bekannt ist.
- 12. September 2026
Bewährtes Küchenduo ist wieder vereint –
Jäger und Roerkohl kochen gemeinsam im Giebel & Galopp
Weitere Artikel derselben Kategorie
- 12. September 2026
Polizei: Mann erschießt Bruder in Seniorenheim
Schock in einem Seniorenheim in Südniedersachsen: Zwei Brüder sterben durch Schüsse. Die Polizei geht von einem «innerfamiliären» Hintergrund aus. Was bislang bekannt ist.
- 11. September 2026
Zug in Frankreich entgleist - über 40 Verletzte
Ein Teil eines Zugs mit rund 180 Passagieren ist in Nordfrankreich nach einer Kollision entgleist. Mehr als 40 Menschen wurden nach vorläufigen Angaben verletzt, darunter eine Frau schwer.













