16. April 2025 / Aus aller Welt

Warum vor Ostern so viele Spanier auf den Straßen sind

In der Karwoche ziehen wieder Zehntausende bei den berühmten Oster-Prozessionen durch Spaniens Städte und Dörfer. Auch ein Reformator aus deutschen Landen hat dazu beigetragen.

Die dramatischen Umzüge sind gelebte Religion und Touristenmagnet zugleich. (Foto aktuell)

Bei den berühmten Osterprozessionen in Spanien säumen dieser Tage wieder Millionen Menschen die Straßen. Ebenso viele verfolgen die prachtvollen und zugleich mysteriösen Umzüge am heimischen Fernseher. Die Veranstaltungen versetzen das Land auch dieses Jahr wieder in einen regelrechten Ausnahmezustand. Die Umzüge in Sevilla, vor allem die in der Nacht von Gründonnerstag auf Karfreitag, gehören zu den größten und weltweit bekanntesten. 

Schon am Palmsonntag fanden zum Start der Karwoche Umzüge in Palma de Mallorca und vielen anderen Städten des Landes statt. Am Montag und in der Nacht auf Dienstag standen zum Beispiel allein im andalusischen Málaga sechs Prozessionen auf dem Programm.

Die «Semana Santa» (Heilige Woche), wie die Karwoche in Spanien genannt wird, ist in dem katholischen Land wichtiger als Weihnachten. Vor allem im Süden, in Städten wie Sevilla, Málaga oder Granada, sind die Prozessionen nicht nur Ausdruck tiefer Religiosität, sondern auch ein opulentes buntes Volksfest. Die Menschen in Andalusien lieben das Dramatische und Sinnliche. 

Die Umzüge muten deshalb fast wie religiöse Theateraufführungen mit Licht, Weihrauch und Klageliedern an. Teils tonnenschwere große Christus- und Marienfiguren werden dabei durch die Straßen getragen. 

Geheimnisvolles, beinahe angsteinflößendes Ambiente

Die Mitglieder frommer Bruderschaften tragen Büßergewänder und verhüllen sich mit spitzen Kapuzen. Ihre Gesichter sind oft bis auf zwei Augenschlitze komplett bedeckt, sie wirken unheimlich, geheimnisvoll, ja beinahe etwas angsteinflößend. Doch auch das ist ein Aspekt, der den Reiz ausmacht. 

Die Osterprozessionen haben ihren Ursprung zwar im Mittelalter. Im 16. Jahrhundert wurden sie aber auch angesichts der von Martin Luther angestoßenen Reformation bewusst immer prächtiger ausgestaltet. Als Antwort auf die vom Protestantismus betonte innere Frömmigkeit und die Kritik am Prunk der katholischen Kirche sollten die Umzüge die Glaubensbotschaft sichtbar und sinnlich erfahrbar machen und so die Bindung der Menschen an die katholische Kirche festigen.


Bildnachweis: © Clara Margais/dpa
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