Fast sechs Jahre nach dem Mord an einem Flüchtling auf Amrum hat das Landgericht Flensburg am Donnerstag eine heute 22-Jährige wegen Beihilfe zum Totschlag zu einer Jugendstrafe von drei Jahren verurteilt. Drei Monate davon gelten wegen Verfahrensverzögerung als vollstreckt, wie ein Gerichtssprecher mitteilte. Die Urteilsverkündung war wie der gesamte Prozess vor der Großen Jugendkammer nicht öffentlich. Es geht um den gewaltsamen Tod eines 27-jährigen Flüchtlings aus dem Irak. Der Bruder der Angeklagten, H., und ihr damaliger Lebensgefährte, A., sind 2018 bereits wegen Mordes aus Heimtücke verurteilt worden. Das Landgericht sah es als erwiesen an, dass die beiden Deutschen den Iraker im April 2017 unter einem Vorwand in die Dünen der Nordseeinsel lockten und dort töteten. Dann vergruben sie die Leiche im Sand. Sie wurde erst Monate später gefunden. A. sah nach Angaben des Gerichts kurz vor der Tat Bilder, die seine Freundin mit dem Flüchtling in einer augenscheinlich vertrauten Situation zeigten. Sie stritt demnach ab, eine Affäre mit ihm gehabt zu haben, was ihr Partner ihr nicht glaubte. Am Tattag sagte sie A., sie sei von dem Iraker vergewaltigt worden. A. fragte seine Freundin demnach, ob er den 27-Jährigen töten beziehungsweise umbringen solle. Diese Frage bejahte die Angeklagte den Angaben zufolge. Die Kammer ist überzeugt, dass die Angeklagte die Vergewaltigung erfunden hat. Das Gericht geht davon aus, dass die Angeklagte erkannt hat, dass ihr damaliger Lebensgefährte den 27-Jährigen möglicherweise töten könnte und sie hat dies auch billigend in Kauf genommen. Eine Verurteilung wegen Beihilfe zum Heimtücke-Mord kam nicht in Betracht, auch wenn die beiden jungen Männer deswegen verurteilt worden sind. Eine Beihilfe zum Heimtücke-Mord hätte nur vorgelegen, wenn die Angeklagte die genauen Umstände der geplanten Tötung gekannt und die Täter in ihrem Vorhaben bestärkt hätte, wie der Gerichtssprecher weiter sagte. Das war hier nach Auffassung des Gerichts jedoch nicht der Fall.
Bildnachweis: © Christian Charisius/dpa
Copyright 2023, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten
Weiteres Urteil fast sechs Jahre nach Mord an Flüchtling
Eine 22-Jährige ist wegen Beihilfe zum Totschlag zu einer Jugendstrafe verurteilt worden. Der Prozess war nicht öffentlich.
Meistgelesene Artikel
- 29. Juni 2026
Westkirchen erlebt ein außergewöhnliches Schützenfest
Traktoren statt Pferde, Hitzeschlacht unter der Vogelstange und ein Präsident als König
- 21. Juni 2026
Vom „König der Könige“ zum König von Gröblingen
Bernhard Kunstleve schreibt Schützengeschichte in Gröblingen-Velsen
- 29. Juni 2026
Spannendes Vogelschießen endet mit Windaus Königsschuss
Ende einer Ära: Joachim Windau wird letzter Schützenkönig auf dem Platz der Firma Altefrohne
Neueste Artikel
- 13. Juli 2026
Social-Media-Verbot? Was Experten von der Leyen raten
Ab wann ist man alt genug für TikTok, Snapchat und Co.? Experten sollten für die EU-Kommission klären, ob es ein Social-Media-Verbot braucht. Ihre Antworten sind auch für die deutsche Debatte wichtig.
- 13. Juli 2026
Weiterer Ebola-Patient in Deutschland - Zustand stabil
Wieder hat sich ein US-Mediziner im Kongo mit dem gefährlichen Ebola-Virus angesteckt, wieder geht es zur Behandlung nach Deutschland. Die behandelnde Klinik gibt nur wenige Informationen zu dem Fall.
Weitere Artikel derselben Kategorie
- 13. Juli 2026
Social-Media-Verbot? Was Experten von der Leyen raten
Ab wann ist man alt genug für TikTok, Snapchat und Co.? Experten sollten für die EU-Kommission klären, ob es ein Social-Media-Verbot braucht. Ihre Antworten sind auch für die deutsche Debatte wichtig.
- 13. Juli 2026
Weiterer Ebola-Patient in Deutschland - Zustand stabil
Wieder hat sich ein US-Mediziner im Kongo mit dem gefährlichen Ebola-Virus angesteckt, wieder geht es zur Behandlung nach Deutschland. Die behandelnde Klinik gibt nur wenige Informationen zu dem Fall.













