Premiere nach 95 Jahren
Bei 30 Grad schießt Vanessa Pawlewski den Vogel ab
In der ersten Zeit wird bei Vereinen gerne jedes fünfte Jahr des Bestehens gefeiert. Das hätten die Schützen in Neuwarendorf nun bereits 19 Mal tun können, aber nach einer gewissen Zeit beschränkt man sich auf die großen Zahlen. Die nächste ganz große wird die 100 sein – in fünf Jahren. Daher blieb das 95-jährige Bestehen in diesem Jahr eher eine schöne Randnotiz eines schönen Schützenfestes, bei dem es Petrus fast schon zu gut mit den Schützen meinte. Schwach bewölkter Himmel, Temperaturen um 30 Grad – die Zapfhähne waren kontinuierlich in Betrieb.
Denn auf dem Festplatz herrschte ebenfalls reger Betrieb, der schon beim Beginn des Festes einsetzte. Verschiedene Wettbewerbe, darunter das Kinderkönigsschießen, boten den Teilnehmern und Zuschauern Spannung. Kinderkönig wurde mit dem 215. Wurf Tom Schimek, der sich Mia Pelkmann als Königin an seiner Seite wählte.
Eine lange Nacht mit Live-Musik leitete über zum entscheidenden Sonntag, bei dem der Schützenverein Neuwarendorf eine Premiere erlebte: Nach einem Dreikampf, den Vanessa Pawlewski, Alina Austermann und Nico Schabhüser austrugen, war es Vanessa Pawlewski, die den Wettbewerb um 15:31 Uhr mit dem 354. Schuss für sich entschied. Damit ist sie die erste Königin in der 95jährigen Vereinsgeschichte. Die Begeisterung auf dem Platz war riesig und es flossen echte Freudentränen. Überall auf dem Platz. Besonders – aber allen Vorurteilen deutlich zum Trotz – nicht nur bei der Damengarde. Auch gestandene Schützen freuten sich mit der neuen Königin, die ihr Gefühl mit einem Wort zusammenfasste: „Unbeschreiblich“. Mehr konnte sie dazu nicht sagen, denn sie war vollkommen aufgewühlt. Gemeinsam mit Damengardekommandeurin Ilka Feidieker hatte die neue Königin – Gründungsmitglied der Damengarde – im 10. Jahr des Bestehens der Formation auf den Vogel anlegen wollen. Das wäre 2025 gewesen. Aber als sie den Wettkampf von Alina Austermann und Nico Schabhüser beobachtete, stieß sie dazu und gewann. Und nicht nur Ilka Feidieker freute sich „unbeschreiblich“ mit ihr.
Ihre Chancen standen natürlich bestens, denn dass sie Schießen kann, steht außer Frage. Nicht nur, weil sie 2018 bereits knapp an der Königinnenwürde vorbei schrappte, oder weil sie am Vortag bereits den Hampelmann von der Stange holte, sondern hauptsächlich, weil die 26-jährige Freckenhorsterin im Hauptberuf Polizistin ist.
Königin wäre sie allerdings ohnehin geworden, denn Nico Schabhüser hatte sie bereits dafür ausgewählt. Da es nun andersherum kam, ist er für ein Jahr ihr Prinzgemahl. Mit den neuen Majestäten auf dem Thron sind Ilka und Lars Feidieker, Leonie Holwitt und Lukas Hülsmann, Nicole Franzke und Lars Rennemeier, Leonie Höllmann und Matthias Lensing sowie Jendrik Terharen und Theresa Thumann.
Abseits des Königsschießens bot der Sonntag zahlreiche weitere Elemente. Er begann mit einer Messe im Festzelt, die Pfarrer Peter Lenfers zelebrierte. Die dabei abgehaltene Kollektenspende war mit 610 Euro sehr erfolgreich. Matthias Kraemer, der Vorsitzende des Schützenvereins übergab den Betrag bereits während des Frühschoppens an Tobias Mörth, den Leiter der Heinrich-Tellen-Schule. Damit die Neulinge einen guten Start in die Schule haben, werden sie von dem Betrag T-Shirts mit ihrem Namen erhalten – „damit wir sie schnell zuordnen können“, sagte Mörth. Mit dem weiteren Geld werde der Sandkasten aufgefüllt und ein Roller sei vermutlich auch noch drin, bedankte er sich bei den Schützen und versprach mit Augenzwinkern, jedes Jahr gerne wiederzukommen. Auch die Ehrungen für langjährige Mitglieder, verdiente Mitglieder und ehemalige Majestäten sind fester Bestandteil der Frühschoppen. Dabei konnten unter anderem Theodor Sternberg eine Auszeichnung für 60jährige Mitgliedschaft und Erich Hüttemann einen Orden für 70 Jahre Treue zum Verein entgegennehmen.













