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Rumgegurkt

Gurken kochen mit spitzen Köchen aus der Region

„Was ist das denn für eine Gurke?“, muss sich mancher Besitzer eines alten oder einfachen Autos fragen lassen. Der Begriff „rumgurken“ hat etwas Zielloses an sich, und die „saure Gurken Zeit“, wenn sich so gar nichts spannendes ereignet, ist für die Medien richtig schlimm.

Die Gurke an sich hat, wie man sieht, kein allzu positives Image. Das gilt ebenso für die Küche. Als Tellerrandgarnierung bringt sie einen hübschen grünen Farbtupfer, als Salat gilt sie als Klassiker der Hausmannskost und der bäuerlichen Küche. Und (süß)sauer oder in Salz eingelegt war sie schon immer ein notwendiges Gemüse, wenn der Garten nichts frisches hergab.

Wie wäre es denn dann mal mit:

  • Carpaccio von Schlangengurke mit Wildkräutersalat
  • Geeiste Gurken-Kaltschale
  • Geflämmte Lachsforelle mit Gurkennudeln und Gin-Tonic-Granitée?
     
    Wie bitte?
    Geht nicht!
    Geht doch!

Die benannten Delikatessen – und noch einige mehr – stellten gestern Spitzenköche im Rahmen von „Westfälisch genießen“ auf dem – für seine Gurken bekannten – Hof Austermann in Neuwarendorf vor. Federico Schimmenti (Hotel Im Engel, Warendorf), Arno Wienecke (Bistro Engelchen, Warendorf), Sascha Hofmann (Gut Kump, Hamm-Kump) und Günther Overkamp (Restaurant Overkamp, Dortmund) zauberten aus dem „Gemüse 2019“ Unbekanntes und Inspirierendes.

Material stand genug zur Verfügung. Johanna, Sven und Robert Austermann führten über den Familienbetrieb, wo auf mehr als acht Hektar Gurken angebaut werden. „3 Sorten“, wie Johanna Austermann erläuterte. Fronterra, die Schmorgurke, Einlege- und Schlangengurken. Sie unterscheiden sich in ihrer Wuchsform, Größe und Schale, der Geschmack sei immer identisch, versicherte die Fachfrau.
Nicht aber das, was man daraus macht. Allein ein Blick über die Regale des hofeigenen Ladens zeigt eine Vielfalt an Gurkenvariationen, wie der Laie sie niemals erwarten würde, und selbst Gastronomen sind beeindruckt. Gastgeber Gerd Leve, Mitglied der „Westfälisch Genießen“ Initiative, hatte bewusst auf diesen „Gurkenhof“ eingeladen, dessen Produkte sich in vielen hochwertigen Feinkostgeschäften der Republik finden lassen. Er freue sich, mit „Westfälisch Genießen“ die Gurke aus einem anderen Blickwinkel sehen zu können. „Nicht nur als Einmachgemüse“, wie Leve schmunzelnd sagte.

Aber selbst da zeigt die Gurke ungeahnte Qualitäten, die die Köche gerne aus ihr herauskitzelten, indem sie verschiedene Spezialitäten der Einlegegurke in einige Rezepte einbanden. Nachdem Kostproben unter dem Motto „Flying Gurke“ den Gaumen kitzelten, kamen die eingangs genannten Delikatessen auf die Teller. Bei der Verkostung zeigte Gerd Leve mit begleitenden deutschen Weinen, dass auch die Traube prima zur Gurke harmoniert.

Geschmack lässt sich nicht ehrlich beschreiben. Geschmack muss man erleben. Das gilt speziell auch für den „Hidden Champion“, wie Friedrich Wilhelm Krüger, Geschäftsführer der Initiative „Westfälisch Genießen“, die Gurke nannte. Möglich ist dies bei vielen Mitgliedern der Initiative. Und natürlich beim Hof Austermann, dessen Name gleichsam synonym für die unglaubliche Vielfalt des Gemüses steht, das man aus nur drei Sorten in ungeahnte kulinarische Genüsse verwandeln kann.

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