27. April 2022 / Allgemein

„So etwas wie billige Bildung gibt es nicht!“

Politiker besuchen die DEULA

Deula, Westfalen Life.Ministerin,Warendorf,

„So etwas wie billige Bildung gibt es nicht!“

Es ging um Landwirtschafts- und um Bildungspolitik. Und darum, dass beides zusammengehört, wenn man Nahrungsmittelproduktion und Umweltschutz gleichermaßen erfolgreich betreiben will: Zu einem multilateralen Austausch über Bildung und Förderung von Arbeitnehmern sind jetzt Vertreter der SPD im Kreis Warendorf in die DEULA Westfalen—Lippe gekommen. Annette Watermann-Krass, Mitglied des NRW-Landtages aus dem Südkreis, hatte die Landtagskandidaten Ralf Pomberg und Frederik Werning sowie Andrea Kleene-Erke aus dem Warendorfer Rat mitgebracht. 

Annette Watermann-Krass, seit 2005 mit einer zweijährigen Unterbrechung Mitglied des NRW-Landtages, ist Mitglied im Ausschuss für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz sowie im Ausschuss für Schule und Bildung. Sie hatte sehr konkrete Fragen zu den Unterrichtsinhalten und der Art der Didaktik in der DEULA. Hier bewegten sie besonders Fragen zur Aus- und Weiterbildung der Landwirte vor dem Hintergrund von Umwelt- und Klimaschutz. Geschäftsführer Björn Plaas gab seinen Gästen gerne einen Überblick über das Lehrangebot der DEULA. Im Rahmen eines Rundgangs über das Gelände könnten die Politiker in Augenschein nehmen, mit welchem technischen und personellen Aufwand die praxisnahe Aus- und Weiterbildung in dem Bildungszentrum im Warendorfer Norden betrieben wird. Björn Plaas erläuterte dabei, wie flexibel das Bildungszentrum auf die Anforderungen des Marktes reagieren muss: „Die DEULA ist eine Art Kristallisationspunkt für viele Themen des Marktes, weil hier die Anforderungen der Betriebe als Arbeitgeber und Ausbilder, der Beschäftigten und auch vieler staatlichen Organisationen zusammenkommen. So erfahren wir von Entwicklungen und Innovationen früher als beispielsweise die Politik. Auf diese Weise haben wir gemeinsam mit dem GaLaBau-Verband und der Agentur für Arbeit ein arbeitsmarktgerechtes Ausbildungsprojekt für Geflüchtete entwickelt, als der Staat noch keine Idee dazu hatte. Wir haben ein Forschungsprojekt für Precision Farming gemeinsam mit der Fachhochschule Südwestfalen, der Maschinengemeinschaft Freckenhorst und dem Betriebshilfsdienst ins Leben gerufen, entwickeln Ausbildungskonzepte für die digitale Baustelle als Pilotprojekt für ganz Deutschland und vieles mehr. Innovationen können nur den Markt erreichen, wenn man auch den Umgang damit erlernen kann.“ Watermann-Krass, die Sprecherin der Enquete-Kommission zur Zukunft der Landwirtschaft war, griff hier den Faden auf und betonte, dass Aus- und Weiterbildung angesichts der ständig steigenden Anforderungen in Landwirtschaft, Handwerk, Gewerbe und Industrie eine Schlüsselrolle zukommt: „Ich mache mich dafür stark, eine politisch unabhängige Expertenkommission zu installieren, die sich damit beschäftigt, welche Lerninhalte in Zukunft wichtig werden. Dabei geht es nicht nur um Landwirtschaft, sondern um ganz verschiedene Themen. Wir müssen einfach mal vom preußischen Schulsystem wegkommen und überlegen, welche Inhalte in Zukunft wichtig sind und welche nicht. Da muss man sich auch mal im Ausland umsehen, welche Berufe, die es jetzt vielleicht noch gar nicht gibt, auf uns zukommen, welche Fächer und welche Themen.“

Das sei aber nur mit gutem Personal zu schaffen, entgegneten darauf die Lehrgangsleiter der DEULA, Angela Buhne und Rudolf Horstmann. Gerade bei der Auftragsvergabe durch Ausschreibungen sei der Preis oftmals das maßgebliche Kriterium. Die Berücksichtigung von Qualität sei aber entscheidend für den Erfolg: „Durch die vorgegebenen Rahmenbedingungen werden die Dozenten, auf die es ja eigentlich ankommt, von vielen Bildungsträgern nur projektgebunden und befristet als Honorarkräfte eingestellt, und das zu erbärmlichem Honorar. So schafft der Staat selbst prekäre Arbeitsverhältnisse und treibt Lehrkräfte in die Scheinselbstständigkeit. Aber so etwas wie billige Bildung gibt es nicht“, erklärte Angela Buhne entschieden, und Björn Plaas ergänzte: „Wir bei der DEULA machen da nicht mehr mit und überlegen uns von Fall zu Fall sehr genau, ob wir uns überhaupt an einer Ausschreibung beteiligen. Denn wir stellen in der Regel unsere Lehrkräfte fest ein. So geben wir ihnen die soziale Sicherheit, die sie brauchen, um gut unterrichten zu können. Das sollte aber auch der Staat stärker beachten!“ Der SPD-Landtagskandidat Frederik Werning, gelernter Bankkaufmann, arbeitet heute für die Gewerkschaft ver.di und beschäftigt sich dort mit dem Vergaberecht. Er kennt viele Fälle, in denen durch das öffentliche Vergaberecht dem Lohndumping Vorschub geleistet wird und bestätigte die Erfahrungen der DEULA. Er sprach sich dafür aus, die Vergabe von Bildungsaufträgen mehr nach qualitativen und weniger nach finanziellen Maßstäben zu entscheiden. Ein gutes Beispiel für Qualität in der beruflichen Bildung sei der Erfolg der DEULA bei der Qualifizierung von Arbeitssuchenden. „Wir glauben an Chancen durch Bildung und so richten wir unsere Lehrgänge immer arbeitsmarkt- und realitätsnah aus. Ein hervorragendes Beispiel sind unsere Qualifizierungs- und Umschulungsmaßnahmen in der Logistik und im Schweißen, bei denen nahezu alle Absolventen dauerhaft in den ersten Arbeitsmarkt integriert werden. Diese Erfolge sprechen für sich selbst“, erklärte Björn Plaas seinen Gästen. „Wir haben hochqualifizierte, empathische und erfahrene DEULA-Lehrer, die sich der unterschiedlichsten Kunden annehmen – oft auch über das Maß dessen hinaus, was ihre Arbeitszeit vorgibt. In einer Zeit, in der jeder über den Mangel an Fachkräften redet, ist jeder Mensch, den wir aus der Orientierungs- und Arbeitslosigkeit in ein Beschäftigungsverhältnis bringen können, ein Gewinn für die Gesellschaft. Darauf kommt es an!“

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