Ein ganz besonderer Schützenfest-Montag in Warendorf
Warendorf - Wer für diesen Montag beim Bürgerschützenfest in Warendorf einen genauen Zeitplan hatte, musste sich flexibel zeigen. Denn am Haupttag des traditionsreichen Festes kam vieles anders als geplant. Ein Feuerwehreinsatz im Historischen Rathaus, eine verschobene Parade, strömender Regen, eine fast zweistündige Pause beim Königsschießen – und schließlich ein Finale, das emotionaler kaum hätte sein können: Taira Löbke ist die neue Schützenkönigin der Warendorfer Bürgerschützen.
Dabei hätte der Montagmorgen eigentlich ganz anders beginnen sollen. Um 10 Uhr sollten Hufschlag und Blasmusik den Einzug der Bürgerschützen auf dem historischen Marktplatz ankündigen. Doch statt Marschmusik hallte zunächst das Alarmsignal der Brandmeldeanlage des Historischen Rathauses über den Platz.
Wegen des erwarteten Regens hatten die Bürgerschützen ihre Parade kurzfristig um eine Stunde auf 11 Uhr verschoben – und machten damit unfreiwillig Platz für die Feuerwehr. Mit Drehleiter und weiteren Einsatzfahrzeugen rückten die Einsatzkräfte auf dem Marktplatz an. Im Rathaus hatte ein technischer Defekt zu einem Entstehungsbrand geführt. Die frühzeitige Alarmierung und das schnelle Eingreifen der Feuerwehr verhinderten Schlimmeres.
Nachdem die Einsatzkräfte die Brandstelle erfolgreich bekämpft hatten, konnte der Marktplatz wieder den Schützen überlassen werden.
Vom Feuerwehreinsatz direkt in den Regen
Jetzt sollte der Schützenfest-Montag endlich seinen gewohnten Verlauf nehmen. Doch wer glaubte, mit der Verschiebung der Parade dem Regen entkommen zu sein, wurde schnell eines Besseren belehrt.
Pünktlich zur Parade öffnete der Himmel seine Schleusen. Statt Sonnenschein bestimmten Regenschirme das Bild auf dem historischen Marktplatz. Der Stimmung tat das allerdings keinen Abbruch. Alle Formationen waren angetreten, und Kommandeur Dr. Markus Wiedeler nahm hoch zu Ross die Parade ab. In seiner Ansprache stellte er besonders die Werte Menschlichkeit, Gemeinschaft und Zusammenhalt in den Mittelpunkt.
Anschließend ergriff Präses Gerd Leve das Wort – und konnte sich angesichts des ungewöhnlichen Starts in den Tag einen erleichterten Kommentar nicht verkneifen: „Gott sei Dank, unser Rathaus steht noch und ist nicht abgebrannt.“
Leve dankte zugleich der Stadt Warendorf für die Unterstützung bei der Durchführung des Schützenfestes. Mit einem Augenzwinkern verband er dies mit der Hoffnung, die Altstadt bald wieder im neuen Glanz erleben zu können. Schließlich sei es in diesem Jahr angesichts der zahlreichen Baustellen gar nicht so einfach gewesen, für die Schützen den richtigen Weg zum Emsseepark zu finden.
Um 14 Uhr beginnt die Suche nach einem neuen König – oder einer Königin
Dort angekommen, stärkten sich die Schützen zunächst, bevor um Punkt 14 Uhr der Höhepunkt des Montags begann: das Schießen um die Königswürde.
Noch-Kaiser Dirk Bußmann gab traditionell den ersten Schuss auf den neu konstruierten Holzadler ab. Die Insignien fanden schnell ihre neuen Besitzer: Dieter Reinecke sicherte sich den Reichsapfel, Uli Timcke die Krone und Malte Stenkamp das Zepter.
Bis dahin lief alles nach Plan.
Doch dann wurde es ungewöhnlich still am Schießstand.
Fast zwei Stunden lang fand sich zunächst niemand, der ernsthaft nach der Königswürde greifen wollte. Nur vereinzelte Schüsse fielen, unter anderem von Vogelbauer Hermann-Josef Becker auf das von ihm selbst gefertigte hölzerne Federvieh. Viele Gespräche wurden geführt, Möglichkeiten ausgelotet – aber ein neuer Thron schien zunächst nicht in Sicht.
Dann wendete sich das Blatt.
Plötzlich kommt Bewegung in den Schießstand
Nach rund zwei Stunden bildeten sich immer mehr kleine Gruppen potenzieller Anwärter. Auch die Hellebardiere mischten kräftig mit, darunter Michael Füchtenkötter, der seine Chance witterte und einen weiteren Anlauf auf die Königswürde nahm. Ebenso griffen die Ehefrauen der ehemaligen Könige zum Gewehr. Auch Christian Günnewig, der die Königswürde eigentlich erst für ein späteres Jahr ins Auge gefasst hatte, stellte sich dem Wettkampf.
Und dann waren da noch Frederik Leve, Sohn des Präses, und seine Lebensgefährtin und Damengardistin Taira Löbke.
Spätestens jetzt nahm das Königsschießen richtig Fahrt auf.
Für Taira Löbke bekam der Wettkampf zudem eine ganz besondere Bedeutung. Als Mitglied der Damengarde hatte sie die Chance, deren gerade gefeiertem zehnjährigen Jubiläum im wahrsten Sinne des Wortes die Krone aufzusetzen.
Weitere zwei Stunden und viele hundert Schüsse später war der Adler schließlich reif für die Entscheidung.
Noch einmal setzte Taira Löbke die geliehene Hellebardierkappe zurecht, holte sich einen letzten Tipp von Vogelbauer Hermann-Josef Becker und trat an das Gewehr.
Dann fiel der Schuss.
Um exakt 18:46 Uhr holte Taira Löbke mit dem 625. Schuss den Adler aus dem Kugelfang!
Was danach passierte, war pure Schützenfest-Emotion.
Der Jubel kannte keine Grenzen. Frederik Leve stürmte in den Schießstand, um seiner Lebensgefährtin und neuen Königin als Erster zu gratulieren. Nur Augenblicke später war auch die Damengarde zur Stelle und feierte ihre Schützenschwester ausgelassen.
Taira Löbke ist damit erst die zweite Königin in der Geschichte der Warendorfer Bürgerschützen – und setzt ausgerechnet im Jubiläumsjahr der Damengarde ein ganz besonderes Ausrufezeichen.
Was für eine Geschichte!
Aus Frederik Leve wird Prinzgemahl
Nach dem langen und spannenden Königsschießen musste schließlich auch der weitere Zeitplan des Abends angepasst werden. Denn feiern, umziehen und sich für die Krönung herausputzen – das braucht selbst bei einer frischgebackenen Königin ein wenig Zeit.
Um 20:30 Uhr (eine Stunde später) war es schließlich soweit.
Der scheidende Kaiser Dirk Bußmann übergab die Königskette an seine Nachfolgerin Taira Löbke. An ihrer Seite wurde Frederik Leve, zuvor noch Konkurrent am Schießstand, zum Prinzgemahl gekürt.
Der neue Hofstaat steht fest
Mit der Krönung von Taira Löbke und Frederik Leve stand auch fest, wer das neue Königspaar während seiner Regentschaft begleiten wird. In ihren Hofstaat beriefen die beiden acht Paare:
- Marlene Harheil und Steffen Wiehtrup
- Thess Jansen und Kevin Krack
- Johanna Zumloh und Christian Zumloh
- Marleen Blanke und Fabian Blanke
- Isabell Schoster und Dr. Martin Schoster
- Theresa Schröder und Justus Leve
- Sina Koch und Lennard Remke
- Kiki Schmidt-Marjanovic und Carsten Schmidt-Marjanovic
Gemeinsam mit ihrem Hofstaat starteten Königin Taira und Prinzgemahl Frederik anschließend in ihre Regentschaft. Im Festzelt wurde das neue Königspaar gebührend gefeiert – und aus einem Schützenfest-Montag, an dem zunächst kaum etwas nach Plan gelaufen war, wurde am Ende ein Abend, den wohl niemand so schnell vergessen wird mit einem perfektem Ende.
Erst der Feuerwehreinsatz, dann eine verregnete Parade, anschließend stundenlang kein ernsthafter Königsanwärter – und am Ende eine Königin, die der Damengarde zum zehnten Geburtstag tatsächlich die Krone aufsetzte.
Manchmal sind es eben genau die Tage, an denen nichts nach Plan läuft, die am Ende unvergesslich werden.
Und dieser Schützenfest-Montag 2026 dürfte den Warendorfer Bürgerschützen noch sehr lange in Erinnerung bleiben.
Dein WAF gratuliert Königin Taira Löbke und ihrem Prinzgemahl Frederik Leve ganz herzlich und wünscht dem neuen Königspaar eine unvergessliche Regentschaft!















