23. November 2025 / Allgemein

Und „schuld“ daran war nur der Wein

Ein Abend voller Wärme, Worte und wunderbarer Klänge

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Ein Abend voller Wärme, Worte und wunderbarer Klänge - Und „schuld“ daran war nur der Wein

Musikalisches Dinner mit Jutta Speidel im Hotel „Im Engel“ begeistert mehr als 100 Gäste

Warendorf - Es gibt Abende, die fühlen sich an wie ein Geschenk. Einer davon fand jetzt im Hotel Im Engel statt. Das literarisch-musikalische Dinner, zu dem Hotelier Gerd Leve die Schauspielerin und Autorin Jutta Speidel am Samstag eingeladen hatte, war so ein Fall. Begleitet wurde sie von ihrer Tochter Antonia Feuerstein, deren klarer und warm timbrierter Sopran den Saal erfüllte. Versiert wurde die Sängerin dabei vom Pianisten Peter Rodekuhr am Konzertflügel begleitet, der die Stimmung feinfühlig auf den Punkt brachte.

Wie es überhaupt zu diesem Gastspiel kam? „Schuld war, wie so oft im Engel, der Wein“, gestand Gerd Leve in seiner Begrüßung mit einem Augenzwinkern. Am Weltfrauentag im März war Speidel im Theater am Wall zu Gast gewesen. Nach der Vorstellung kehrte das Ensemble im Engel ein, und zwischen Scampi, guter Stimmung und einem Hund namens Buster, sprang der Funke über. „Noch in derselben Nacht stand fest, wir machen gemeinsam etwas“, so Leve. Dass am Samstag über 100 Gäste seiner Einladung folgten, freute ihn sichtlich.

Der Abend war in drei Sets gegliedert, ganz so, wie es die Gäste im Engel kennen und schätzen. Küchenchef und Team servierten eine westfälisch-mediterrane Kombination, die es in sich hatte. Vorspeisenvariationen mit Scampi auf Seegras und Aioli, einer Ziegenkäsepraline an Fruchtsenf, eingebackenes Roastbeeftatar mit Senfmayonnaise sowie Spitzkohl und Granatapfel ließen keine Wünsche offen.

Als Hauptgericht folgte ein zart gegarter Kalbsrücken sous vide, begleitet von Madeirasauce, Meerrettich, Schwarzwurzel und Macaire-Kartoffeln.

Dazu gab’s einen ungewöhnlichen Blanc de Noirs, ein weiß gekelterter Rotwein, der viele überraschte, sowie einen Primitivo du Salento, dessen würzige Note an australischen Shiraz erinnerte.

Sobald Jutta Speidel ihre Lesebrille aufsetzte, verwandelte sich der Saal in eine intime Bühne. Sie las aus ihrem Debüt-Roman „Amaryllis“. Und wer sie kennt weiß, Speidel liest nicht einfach, sie in diesem Moment ganz Schauspielerin. Mit Stimme, Mimik, Haltung. Aus der Lesung wurde entsprechend ein leises, emotionales Theaterstück, dass das Publikum spürbar berührte.

Im Mittelpunkt stand Valerie, Jahrgang 1954, die in einer unkonventionellen Familie aufwächst und schon früh weiß, dass sie Artistin, vielleicht sogar Clownin, werden möchte. Speidel erzählte von Valeries erster Zirkusbegegnung, von Ferien in Jesolo, von ihrer Liebe zu Lorenzo, einem jungen Mann aus dem Tessin, der denselben Traum teilt. Gemeinsam landen sie später am berühmten Teatro Dimitri in Verscio.

Es sind Passagen voller Mut, Humor und Hingabe. Die Geschichte einer Frau in einer Männerdomäne, die ihren Platz behauptet, ohne sich selbst zu verlieren.

Passend zu den Textstellen erklangen Lieder wie „Be a Clown“ oder „We Are the Clowns“, dazu Canzoni und Chansons. Antonia Feuerstein, Tochter der Schauspielerin, sang mit beeindruckender Klarheit und Wärme, während Peter Rodekuhr am Klavier die leichten, manchmal melancholischen Zwischentöne setzte.

Gemeinsam schufen die Künstler einen Klangraum, der Speidels Worten nachhallend Ausdruck verlieh. Man spürte, dass hier Mutter, Tochter und Musiker nicht einfach ein Programm abspulten. Vielmehr erzählten sie eine gemeinsame Geschichte. Kleines Schmankerl am Rande: Helmut Predeick, ehemaliger Bürgermeister von Oelde, brachte mit kleinen „Einwürfen“ Jutta Speidel und das Publikum derart zum Lachen, dass die Schauspielerin amüsiert bemerkte, sie könne ja jetzt ihr Programm beenden.

Am Ende des außergewöhnlichen Kulturmenüs blieb der Eindruck eines liebevollen Zusammenspiels zwischen Literatur und Musik, Küche und Atmosphäre und natürlich zwischen Gastgeber und Gästen.

Jutta Speidel erinnerte in ihrer Botschaft daran, „den Humor nicht zu verlieren“ und mutig man selbst zu bleiben. Im Engel klang dieser Satz noch nach, als längst der letzte Wein eingeschenkt war.

Es war ein Abend wie eine Amaryllis. Warm, leuchtend, und mit einer Wirkung, die sich erst nach und nach entfaltete. Am Schluss der inspirierenden Lesung gab’s dann noch Selfies mit der Schauspielerin, die zudem zahlreiche Bücher signierte, die von Reinhard und Marita Hesse von der Buchhandlung Ebbeke angeboten wurden. 

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